Mit Spannung wird in dieser Woche der Bundesstart der Neuverfilmung "Das Tagebuch der Anne Frank" erwartet. Mit dabei in der Rolle des Albert Dussel ist der Schauspieler Arthur Klemt, der am Beginn seiner Karriere am Landestheater Coburg engagiert war.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle in "Das Tagebuch der Anne Frank" vorbereitet?
Arthur Klemt: Ich habe sehr viel vorher gelesen - Zeugnisse von Menschen, die eingesperrt waren, die in vergleichbaren Situationen waren. Die Franks und ihre Mitbewohner hatten in ihrem Versteck im Hinterhaus in Amsterdam nichts zu tun, aber ständig Angst. Die zentrale Frage war: Wie spielt man Angst? Man muss runterfahren in seiner Seele - dort, wo die ganzen Ängste sitzen. Die Zeit des Drehens war unter diesem Aspekt eine sehr unangenehme Zeit. Das war fürchterlich.

Welchen Blick auf Anne Frank zeigt Hans Steinbichlers Film?
Der Film ist kein Opfer-Film, sondern er zeigt Anne Frank als ein fröhliches, aufgewecktes junges Mädchen, dessen ganze Energie in dieser Situation nach innen ging. Sie hat ihre Eltern, ihre Mitbewohner ganz genau beobachtet und analysiert. Meine Figur kommt dabei nicht gut weg. Albert Dussel ist ein Alias-Name für Dr. Fritz Pfeffer, der Zahnarzt und Kieferchirurg war. Anne Frank und er konnten sich nicht leiden und mussten trotzdem zwei Jahre lange im gleichen Zimmer leben.

Wie lang war die Drehzeit?
Insgesamt wurde rund eineinhalb Monate gedreht, verteilt auf mehrere Monate von Anfang 2015 bis etwa August.

Was unterscheidet die Arbeit auf der Bühne von der Arbeit vor der Kamera?
Am Residenztheater in München bin ich in einem tollen Ensemble, arbeite mit tollen Kollegen und tollen Regisseuren. Das ist ein Traum. Da wird man auf ziemlich hohem Niveau gefordert. Im Film ist die Kamera sehr nahe am Gesicht. Was man sonst spielen würde, muss man dann denken. Anders als auf der Bühne ist man nicht Herr der Situation. Denn der Film entsteht am Ende im Schneideraum.

Was ist Ihnen lieber: Theater oder Film?
Ich liebe beides sehr und bin froh, dass ich die Möglichkeit habe, beides zu verbinden. Ich sage aber auch viele Film-Angebote ab, wenn sich das zeitlich nicht vereinbaren lässt.
Sie waren Anfang der 1990er Jahre unter Intendant Ernö Weil am Landestheater engagiert, sind manchen Theaterfans sicher noch aus Produktionen wie "Linie 1" bekannt. Was verbindet Sie heute noch mit Coburg?
Ich bin zwei Mal im Monat in Coburg, weil meine Tochter hier lebt.

Wie erleben Sie Coburg heute?
Man merkt, dass es weniger Einwohner gibt als damals. Viele Geschäfte haben dicht gemacht. Das ist schade.

Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem Bundesstart von "Anne Frank"?
Der Film startet mit 540 Kopien in Deutschland - das ist mehr als jeder Til-Schweiger-Film. Ich bin auch sehr gespannt, wie der Film in den Niederlanden aufgenommen wird. Die Niederländer sehen Anne Frank als Niederländerin. Bei den Dreharbeiten in Amsterdam war richtig was los, weil der Film eine deutsche Produktion ist. Das war sogar Thema in den Abendnachrichten.



Kino-Tipp

Die Neuverfilmung von "Das Tagebuch der Anne Frank" ist ab Donnerstag, 3. März, mit Bundesstart auch im Coburger Utopolis zu sehen.