"So könnte es jeden Tag sein" freut sich Karin Florschütz. Sie ist Verkäuferin im neuen Dorfladen in Rossach, der am Samstag seine Tore öffnete. Im 108 Quadratmeter großen hellen Verkaufsraum sind rund 2000 Artikel des täglichen Bedarfs in den Regalen zu finden. Darunter sind viele Produkte aus der Region, darunter auch Fleisch- und Wurstwaren sowie Backerzeugnisse, die hinter der Ladentheke von den Verkäuferinnen verkauft werden und nicht in Plastikfolien verpackt sind. Dieser Dorfladen fühlt sich wie ein Supermarkt an.

Am Dienstag wird dann im neuen Markt auch die Postagentur ihren Betrieb aufnehmen. Dann können Briefmarken gekauft und Briefe und Pakete aufgegeben werden. "Wir waren hierfür extra bei der Post in Nürnberg und haben uns schulen lassen, um unsere Kunden bestens beraten zu können!", sagt Karin Florschütz, die alle Hände hinter der Theke mit Backwaren zu tun hatte. Aber auch die Kolleginnen bestanden im Dorfladen ihrer Bewährungsprobe. So war an der modernen Ladenkasse immer eine lange Schlange von Kunden.


Die Besucher strömten hinein

Denn gleich, nachdem Bürgermeister Udo Siegel (CSU/Bürgerblock) und der Geschäftsführer des Rossacher Dorfladens, Wolfdietrich Fäcks, das rote Band durchschnitten hatten, strömten die Besucher der Eröffnungsfeier in den Laden und tätigten ihre ersten Einkäufe.

Die Bürger aus Rossach, aber auch aus der Umgebung, vor allem aber die Senioren, sind sehr froh, jetzt in ihrem Ort die wichtigsten Dinge einkaufen zu können. Denn der Dorfladen, wo man an den Stehtischen oder in der kleinen Sitzecke mal ein Pläuschchen mit einem Kaffee verbinden kann, ist auch mit dem Rollator oder Rollstuhl zu erreichen. Wer die wenigen Stufen zum Landen nicht steigen kann, der kann die Hebebühne nutzen und kommt so mit seinem Gefährt bequem in den Laden.


Woanders einkaufen, kostet Zeit, Geld und Energie

Eine einfache Rechnung machte Helmut Schölzel aus Rossach auf: "Wenn ich nach Coburg oder in einen anderen Laden fahren muss, brauche ich Zeit und Energie, beides kostet auch Geld, da kann ich auch im Dorfladen einkaufen. Dort sind die Waren nicht wesentlich teurer als in den großen Supermärkten in der Region."
Zwei Verkäuferinnen sind immer Laden und stehen dem Kunden mit Rat und Tat zur Seite. "Wir arbeiten im Schichtbetrieb", erklärte Karin Florschütz. Denn der Laden ist von Montag bis Freitag von 6 bis 19 Uhr geöffnet.
Am Samstag stehen die Türen von 6 bis 13 Uhr und am Sonntag von 7 bis 10 Uhr offen.

Bürgermeister Udo Siegel und Geschäftsführer Wolfdietrich Fäcks hätten sich gerne noch eine Lottoannahmestelle in dem Dorfladen gewünscht. Das habe leider nicht geklappt, bedauerte Siegel.


Es hat ein wenig gedauert

"Was lange währt, wird endlich gut", stellte Bürgermeister Udo Siegel in seiner Ansprache fest. Er freute sich über die vielen Besucher der Eröffnungsfeier, darunter viele Ehrengäste. Dass dies ein wichtiges Ereignis für Rossach ist, zeigte die Anwesenheit eines Kamerateams des Bayerischen Rundfunks, dessen Beitrag über den Dorfladen am Sonntagabend in der Frankenschau ausgestrahlt wurde. Der Dorfladen sei ein wichtiger Baustein der dörflichen Lebenskultur und trage zur Lebensqualität bei, sagte Siegel und blickte in eine längst vergangene Zeit zurück. Damals hatte man in Rossach alles vor Ort: Bäcker, Metzger und Tante-Emma-Läden. Damit sei damals die Nahversorgung gesichert gewesen. Der letzte Einkaufsladen schloss vor zehn Jahren und die Rossacher tätigen ihre Einkäufe außerhalb des Ortes.

Durch die Dorferneuerung habe sich die Gelegenheit gebotenm einen Dorfladen zu installieren, erzählte Siegel. Es sei hierfür ein Arbeitskreis Dorfladen gebildet worden. Dieser habe nach einer Räumlichkeit gesucht und sie im künftigen Mehrgenerationenhaus gefunden, wo sich der Laden bestens einfüge. Nach der Machbarkeitsstudie von Volker Hahn wurde die Unternehmensgesellschaft Dorfladen Rossach am 22. Juli 2015 gegründet.
Ohne Geld ging es natürlich nicht. Der Arbeitskreis ging zum Klinken putzen durch Rossach und konnte 180 Investoren für den Dorfladen gewinnen, die das Anfangskapital von über 40 000 Euro einlegten. Darunter sind auch die vier Ortsvereine. Viele Familien haben sogar zwei Anteile gezeichnet und sind somit stille Teilhaber.
Als besonderen Glücksfall bezeichnete Siegel, dass man den Fachmann Wolfdietrich Fäcks als ehrenamtlichen Geschäftsführer gewinnen konnte und dieser zugesagt habe. "Da ist mir ein Felsen von der Seele gefallen", gab Siegel zu.


Für ein liebens- und lebenswertes Rossach

Architekt Roland Schultheiß war für die Innenausstattung des Dorfladens verantwortlich. Das Amt für ländliche Entwicklung hat das Projekt begleitet, half bei der Planung und Realisierung und förderte dieses Projekt. Dem Ziel, unser Rossach lebenswert und liebenswert zu erhalten, ist man mit dem Dorfladen ein ganzes Stück näher gekommen, betonte der Bürgermeister.

Eine besondere Überraschung hatte Abteilungsleiter Wolfgang Kießling vom Amt für ländliche Entwicklung dabei: eine Förderung für die feste Innenausstattung für den Dorfladen in Höhe von 42 250 Euro. Eine Kostenvereinbarung wurde kurz nach der Eröffnung von allen Beteiligten unterzeichnet. Die Dorfläden seien multifunktional, sagte Schultheiß. Kießling lobte die Beharrlichkeit, mit der die Rossacher ihren Plan verfolgt hätten, und lobte die großartige Gemeinschaftsleistung.


Grußwort und Einkauf

Auch Landrat Michael Busch (SPD) nutzte nach seinem Grußwort die Gelegenheit für einen Einkauf. Er rief dazu auf, nicht Cent zu schauen und im Dorfladen einzukaufen. Er sei sich sicher, dass der Dorfladen in Rossach Bestand habe. Busch: Das Coburger Land brauche Dörfer, die vieles selbst in Hand nähmen, um auf den demografischen Wandel zu reagieren.

Hausbesitzer Gert Partin ging auf Probleme beim Bau des Mehrgenerationenhauses ein und begründete damit die lange Bauzeit. Über den Dorfladen freute sich der Hausbesitzer sichtlich.
Pfarrer Wolfgang Leikert bat in seiner Ansprache um den göttlichen Segen für den Dorfladen und seine Kunden.