So langsam kann man erkennen, wie sie nach ihrer Fertigstellung aussehen wird - die "kultur.werk.stadt" auf dem Gelände der ehemaligen Firma Patzschke in der Bahnhofstraße. Während die Räume der Villa und Maschinenhallen inzwischen entkernt sind, entsteht auf dem Vorplatz das Fundament für den Neubauteil, der unter anderem Heimat für die Grenzinformationsstelle sein wird. Und die Zeit der Überraschungen, die dürfte für Architekt Florian Kirfel auch vorbei sein.

So total unerwartet kommen Probleme beim Umbau von alten Gebäuden ja nie. Bei der Patzschke-Villa musste Kirfel erkennen, dass das Unternehmen zuletzt "wohl mehr in Druckmaschinen als ins Gebäude investierte". Die Patzschke-Villa sah zwar recht repräsentativ aus, doch der Zahn der Zeit hinterließ seine Spuren. Die Folge: Teile des Fundamentes hatten Wasserschäden, die natürlich ausgebessert werden mussten.
Das klingt nach Mehrkosten.

"Ja", bestätigt Elke Protzmann, die sich als Vorsitzende des Bauausschusses einmal die Woche mit einigen Stadratskollegen sowie dem aus Bedheim (Landkreis Hildburghausen) kommenden Florian Kirfel auf der Baustelle der "kultur.werk.stadt" trifft. Aber sie stuft die Überschreitung der auf knapp über zwei Millionen Euro angesetzten Kosten in einem Bereich ein, der als "akzeptabel" durchgehen dürfte. Es sei halt nicht einfach mit einem so verschachtelten Gebäudekomplex. "Wir sind hier auf vier verschiedenen Arten des Bauens getroffen", ergänzt Architekt Kirfel.

Vorn die alte Villa, hinten die großen Hallen, verschiedene Baujahre, verschiedene Techniken - da mussten Florian Kirfel und Helmut Stang mit seiner Baufirma immer wieder mal improvisieren. Gerade bei der Villa, versichert der Architekt, werde man weiter nur "mit Vorsicht renovieren". Der Charme des Gebäudes müssen schließlich erhalten bleiben. Schließlich gebe es dafür auch eine Förderung vom Freistaat aus dem "Sonderprogramm Revitalisierung Industrie- und Gewerbebrachen" der Städtebauförderung.

Zu einer Herausforderung, die auch Elke Protzmann sichtlich reizt, sind die großen Industriefenster in der Druckereihalle hinter der Villa geworden. "Es war ein Wunsch des Denkmalschutzes, die Fenster zu erhalten", sagt die zweite Bürgermeisterin. Das klingt ganz einfach, hat aber die Tücke, dass die Fensterfront auch zum Brandschutz dienst. Deshalb wird die Verglasung dort auch aufgedoppelt.

In den zuletzt als Wohnraum genutzten Räumen im Obergeschoss der Villa haben die Bauarbeit eine für Neustadt typische Kuriosität entdeckt: Eine Zwischenmauer, die mit alten Gipformen aus der Spielwarenindustrie hochgezogen wurde. "So etwas sieht man in Neustadt ja häufig. Die Menschen hatten damals oft kein anderes Baumaterial", weiß Richard Peschel, der Leiter des städtischen Bauamtes.


Das Kulturamt zieht ein

Neben der Grenzinformationsstelle und der Volkshochschule wird die Stadtverwaltung der Hauptnutzer des ehemaligen Patzschke-Areals. So wird unter anderem das Stadt-Archiv in die Bahnhofstraße umziehen, das komplette Kulturamt ebenso. Für Elke Protzmann ist dies eine ganz logische Entscheidung: "Es macht Sinn, dass das Amt hier vor Ort ist."

Profitieren werden von der Präsenz der Verwaltung insbesondere die Menschen, die sich in Neustadt über die Zeit der deutsch-deutschen Teilung informieren wollen: Die Grenzinformationsstelle wird voraussichtlich während der Dienstzeiten des Kulturamtes immer geöffnet haben. Derzeit ist die in der Austraße untergebrachte Ausstellung ja nur dreimal die Woche (mittwochs, samstags, sonntags) geöffnet.

Auf die Frage nach dem Zeitplan bis zur Fertigstellung der "kultur.werk.stadt" will Florian Kirfel gerade zur Antwort ansetzen, da winkt Richard Peschel geschwind ab.

"Wir wollen keine Versprechungen machen, die wir dann nicht einhalten können", sagt der Bauamtsleiter, ehe er sich dann doch ein bisschen locken lässt: "Vielleicht im zweiten Quartal."

Was aber schon fest steht, das ergänzt dann Florian Kirfel noch - im November soll der Innenausbau im ehemaligen Patzschke-Komplex beginnen. Wenn alles glatt läuft bis da hin. Aber das weiß man halt bei alten Häusern nie so genau.