Es ist schon wieder passiert: Nicht einmal einen Tag schaffte es der Bürglaßbrunnen, unbehelligt zu bleiben. In der Nacht zum Samstag verschwanden bereits zwei Pflanzschalen, am Sonntagmorgen fehlten dann noch einmal zwei Figuren. "Am Sonntag habe ich einige Kinder mit ihren Eltern getroffen, die sich traurig angesehen haben, was da passiert ist. Wir alle sind entsetzt, dass schon in der ersten Nacht so hirnlose Menschen unterwegs waren", sagt Karina Kräußlein-Leib, Leiterin der Pestalozzischule. Silke Reg unterrichtet neben ihrer Kollegin Anja Dehler an der Pestalozzischule Werken und textiles Gestalten. Die beiden Lehrerinnen haben mit zwei Klassen die Figuren für die Dekoration des Osterbrunnens am Unteren Bürglaß angefertigt. "Wir hatten vorsorglich eine Kollegin, die in der Nähe wohnt, beauftragt, ab und zu mal nachzusehen", erzählt sie.

Am Samstagvormittag sei dann schon ersichtlich gewesen, dass zwei Schalen und eine Figur fehlen. "Eine Schale hat man später im Steinweg gefunden. Sie war aber nicht mehr intakt." In der Nacht zum Sonntag sind weitere Figuren verschwunden. "Die Kinder haben sich viel Mühe mit dem Bemalen der Figuren und dem Ausschneiden der Ostereier gemacht. Jetzt ist die Motivation hin", schimpft Silke Reg. Mit einem auffälligen Schild sagen Lehrerinnen und Schüler, wie sie derart verantwortungsloses und unsensibles Verhalten einschätzen.

Eifer an Schulen ungebrochen

Doch trotz der langen Liste von Angriffen auf Osterbrunnen (siehe Infokasten) finden sich immer wieder Schulen, die bereit sind, diese inzwischen 15 Jahre alte Tradition zu erhalten. "Sie machen es gern, obwohl unendlich viel Arbeit hinter dem Gestalten der Osterbrunnen steckt", sagt Citymanagerin Julika Gerlach. Sie verweist zudem darauf, dass nicht nur Schülerinnen und Schüler diese "Coburger Institution" am Leben erhalten. "Gärtnereien und das Grünflächenamt sind beteiligt, die Brunnen müssen abgedeckt, die Girlanden geliefert und die Schilder gedruckt werden."
Im Vorfeld werden die Paten für die Osterbrunnen akquiriert sowie die Jury für die Auswertung der Gestaltungsideen zusammengestellt. Diese Jury beurteilt jeden einzelnen der Brunnen, die bei einer extra dafür anberaumten Veranstaltung prämiert werden. Auf einem Flyer, der im Einzelhandel zu bekommen ist, ist der Verlauf der Brunnenstraße aufgeführt. "Viele Leute sind am verkaufsoffenen Sonntag alle Brunnen abgelaufen", erzählt die Citymanagerin. Die Coburger und ihre Gäste sind außerdem aufgefordert, ihren Lieblingsbrunnen zu wählen. Die Postkarten dafür sind ebenfalls bei den Einzelhändlern erhältlich.
"Bei allen, die einen Preis bekommen, ist die Freude so groß. Das macht alles wieder gut, auch den Ärger um die Zerstörung", glaubt Julika Gerlach.


Immer wieder zerstörte Osterbrunnen


2006 Die Brunnen beim Parkhaus Post und in der Anna-B.-Eckstein-Anlage werden beschädigt.

2007 In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Am Bürglaßbrunnen verschwindet das gesamte gestalterische Ensemble, in der Anna-B.-Eckstein-Anlage und in der Webergasse werden die Osterbrunnen zerstört, eine Puppe vom Bürglaß auf dem Schlossplatz verbrannt.

2010
Der Gerberbrunnen und der Osterbrunnen in der Pfarrgasse sind Ziele von Zerstörungswut. Der Bürglaßbrunnen wird in diesem Jahr nicht geschmückt.

2011 Der Bürglaßbrunnen wird beschädigt, außerdem der Osterbrunnen bei der CO I.

2013 Ein Brunnen am Markt wird Opfer von Zerstörungswut, in der Webergasse stehlen Diebe das Huhn Wilma.

2014 Von einem Marktplatzbrunnen wird ein Rollstuhl-Küken entwendet und in die Itz geworfen.