"Ich bin rausgegangen, um fair zu sein", sagt Barbara Kammerscheid über ihren Parteiaustritt. Sie hätte als Stellvertreterin von Martin Ruggaber an Vorstandssitzungen des SPD-Stadtverbands teilnehmen können. Aber dann hätte der Stadtverbands-Vorstand nicht "fraktionsbezogen" arbeiten können, sagt Kammerscheid. Um das zu ermöglichen, verzichtete sie nicht nur auf ihren Posten, sondern verließ die SPD gleich ganz.

Das sei, sagt sie, nur ein konsequenter Schritt, nachdem sie schon die Stadtratsfraktion verlassen habe. Mit ihr traten auch Mathias Langbein und Adelheid Frankenberger aus der Fraktion aus und bildeten zusammen mit René Hähnlein (Linke) eine neue: "Sozial und bürgernah für Coburg", SBC.

Diese Fraktion ist die größte in Bayern, die von einem Mitglied der Linken geführt wird, und das brachte landesweit Schlagzeilen. Das möchte Kammerscheid verhindern: "Auch die Linke kann nicht mit mir werben." Die SPD-Fraktion habe ihr überdies signalisiert, nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten zu wollen, sagt Kammerscheid. Außerdem: "Um mich sozial zu engagieren, muss ich nicht in der Partei sein." Kammerscheid hat den Verein und das gleichnamige Sozialkaufhaus "Hartz & Herzlich" gegründet.

Kammerscheid war stellvertretende Vorsitzende im SPD-Ortsverein Coburg-Mitte. Für Mathias Langbein ist ein Austritt aus der SPD kein Thema. Er gehört dem Vorstand des Ortsvereins Scheuerfeld an. Adelheid Frankenberger war gestern telefonisch nicht zu erreichen.

Am Donnerstag wird die neue Fraktion erstmals im Stadtrat sitzen. Kammerscheid und Frankenberger rücken in die zweite Reihe, hinter Grüne und SPD. Stefan Leistner und Martin Lücke rutschen dafür in die erste Reihe - die Stadträte sind nach Zahl ihrer Wählerstimmen gereiht. Über die Neubesetzung der Senate, die wegen der neuen Fraktion nötig ist, wird erst in der Märzsitzung entschieden.