Als Entree zu dem Wochenende stand eine Sportplatzführung auf dem Programm. Die warf für Außenstehende die Frage auf, wie man eine Führung über ein Fußballfeld interessant gestaltet und gleichzeitig mit einem Vereinsjubiläum verbinden kann. Den Verantwortlichen beim ASV ist es gelungen, mit Robert Schäfer vom Colloquium Historicum Wirsbergense e.V nicht nur einen profunden Kenner des Fußballsports, sondern auch einen exzellenten Historiker für das Projekt zu gewinnen.
Schäfer führte zunächst vor Augen, dass nicht nur der Verein ein Jubiläum feiern kann, sondern vielmehr auch das Sportgelände, welches am 6. Juni 1926, also vor 90 Jahren eingeweiht wurde. Seine Ausführungen galten daher zunächst dem Sportgelände und dem Sportheim, welches er unter architektonischer Sicht betrachtete. Robert Schäfer stellte fest, dass es sich bei dem Waldstadion um ein besonderes Gelände handelt, das seine Ursprünglichkeit erhalten hat.


Kaum noch historische Stadien

"Sportanlagen, die 90 Jahre überdauert haben, gibt es in Oberfranken nicht mehr viele", betonte Schäfer. "Schuld" daran war nach seinen Worten auch die Fußball Weltmeisterschaft 2006, die nicht nur dazu führte, dass große Stadien neu gebaut wurden, sondern dass auch kleine Sportstätten der Spitzhacke zum Opfer fielen. Nicht umhin kam Robert Schäfer, auch einen Blick "über den Zaun" auf das ehemalige Gelände des VfL Neustadt zu werfen. Auch hier seien nach seinen Worten noch alte Strukturen erkennbar, auch wenn das gesamte Ensemble doch "renovierungsbedürftig" sei.
Das Waldstadion des ASV Neustadt bezeichnete Schäfer als ein Dokument des sozialdemokratischen Arbeitersports in den Zwischenkriegsjahren. Richtungsweisend war demnach die Wahl des Sozialdemokraten Hans Rollwagen zum Neustadter Oberbürgermeister. Dieser unterstützte das Bestreben der Freien Turner und des SV Arminia Neustadt, aus denen nach Worten von Schäfer dann der ASV hervorging, nach Unabhängigkeit von der Stadt und anderen Vereinen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde dem aufstrebenden Verein zunächst ein jähes Ende bereitet. Im Jahr 1933 wurde das Gelände beschlagnahmt und 1936 dem "Reichsarbeitsdienst" übergeben.


Vom Hartplatz zum Rasen

Aber auch die dunkle Zeit ging vorüber. Siebzehn Jahre nach der Enteignung wurde dem ASV das Gelände wieder zurückgegeben. Als "größte Investition der Vereinsgeschichte" bezeichnete der damalige Vorsitzende Wilfried Schulz die Umgestaltung von einem Hartplatz auf ein modernes zeitgemäßes Rasenspielfeld, die 1989 vollzogen wurde. Die Investition sorgte dafür, dass man dem wachsenden Erfolg der Fußballer gerecht wurde. Nicht außer Acht ließ Robert Schäfer den architektonischen Aspekt des Vereinsheims. Aus seiner Sicht ist dies ein herausragendes Beispiel dafür, dass nicht nur gebaut wurde, sondern Architektur gelebt wurde.
Im zweiten Teil seiner Ausführungen ging Robert Schäfer auf die Entwicklung des ASV und dessen sportlichen Erfolge ein. Geschichtsträchtig drang er tief in das Wurzelreich des ASV ein. Demnach hatten die Arminia und die Freien Turner, die beide der Sozialdemokratie sehr nahe standen, richtige Probleme, sich zu behaupten. Ausführlich beleuchtete er den sportlichen Werdegang des ASV und hob hierbei vor allem die "italienische Mannschaft" hervor, die vor 41 Jahren für Furore sorgte. Aus der zu Beginn des 20 Jahrhunderts betitelten "Fußlümmelei" und "Englischen Krankheit" wurde auch dank des ASV ein aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenkender Massensport.
Ein offizieller Festabend mit vielen Grußworten und ein Frühschoppen rundeten das Programm in wunderbarer Weise ab.