Igor Chramov nimmt einen großen Schluck aus seiner Flasche, bevor er sich wieder der Hitze des Ofens aussetzt. Alle elf Minuten öffnet sich das Metallmonstrum und bläst dem 42-Jährigen die Wärme von 290 Grad Celcius entgegen. Heraus kommen zwei Metallformen, in denen Ober- und Unterkörper sowie Hände von Richard Wagner stecken. Die Formen mit dem gehärteten Plastik kommen sofort ins Wasserbad - es brodelt und spritz.

"Die Hände werden separat gefertigt. Anfangs waren sie am Oberkörper dran, aber da gab es Probleme. Dass hat uns wieder mindestens eine Woche gekostet", erklärt Thomas Messner. Der Chef der Neustadter Firma Otto Müller ist im Stress. Ihm sitzt der Künstler Ottmar Hörl, der Schöpfer der Wagner Figuren und kreativer Kopf, hinter der Ausstellung mit den 500 Figuren in Bayreuth, im Nacken.

"Herr Hörl träumt manchmal rum. Wir haben ihm schon oft erklärt wo unsere Probleme liegen, aber er versteht das nicht so recht", sagt Messner und fügt sofort hinzu: "Aber eigentlich arbeiten wir sehr gern mit ihm zusammen, wir haben schon viele Hörl-Projekte gemacht." Darunter den Wagner-Hund, Martin Luther oder den Dürer-Hasen - alle aus Plastik und in Neustadt hergestellt. Berufskünstler Hörl sieht es etwas anders, wie er im Gespräch mit dem Tageblatt verrät:

"Die Neustadter Firmen leben von mir. Ich sichere dort Arbeitsplätze." Das Projekt mit den Wagnerfiguren in drei Farben - Blau und zwei Violetttöne - kostet nach seinen Aussagen rund 100 000 Euro. "Die Sicherheitsfirma kostet mich allein 16 000 Euro. Die Stadt Bayreuth zahlt 20 000 und der Rest kommt von Sponsoren oder von mir", erklärt der Künstler. Obwohl er einiges an der Arbeitseinstellung - "Diese Art Unternehmer versteh ich nicht." - von Thomas Messner und seinen Mitarbeitern auszusetzen hat, arbeiten beide schon lange zusammen - Künstler und Fabrikant sind eben zwei Typen die nur selten einer Meinung sind.

Torso und Beine Wagners kommen nach wenigen Minuten aus dem Wasserbad. Igor Chramov bläst mit Hochdruck Luft hinein - der Arbeiter verschwindet im Dampf. Mit Handschuhen greift er tief in den hohlen Metallkörper rein. Er zieht einen violetten Torso, mit nach oben gestreckten Armen, des berühmten Komponisten heraus. Der bekommt noch ein Dusche und wird danach zum Aushärten aufgestellt. Chramov wischt sich mit dem Arm den Schweiß von der Stirn und trinkt noch einen Schluck.

"So zwei bis drei Liter muss ich mindestens trinken", sagt er und füllt die Wagner-Formen wieder mit flüssigem Plastik. "Von allen vier Formen: Oberkörper, Beine und den beiden Hände, haben wir zwei Varianten. Die kommen von der Firma Wölfert Puppen aus dem thüringischen Straufhain. Die haben sich gut eingesetzt, damit wir zeitlich hinkommen", betont Messner. Jede Figur muss die einzelnen Arbeitsschritte in Handarbeit durchlaufen - das kostet Zeit. Messner übernimmt das Befüllen der wabbligen Figuren mit Schaum, das Zusammenkleben der Einzelteile und das Besprühen.

"Ohne Füllung wären die Figuren sehr wackelig. Am Ende wiegen sie rund 8 Kilo", sagt Messner. An diesem Tag kommen nur Wagner-Figuren mit einem hellen Violettfarbton aus dem Ofen und danach in die Hände von Messner. An einem Tag schaffen die Neustadter rund 25 solcher Figuren, 500 müssen sie bis heute zur Ausstellungseröffnung geliefert haben. Nachdem sich während der Produktion ein Mitarbeiter schwer an der Hand verletzt hat, ist es noch stressiger geworden. "Das Schlimmste ist die Hitze und die kurze Zeit. Besonders hart war es vor einigen Wochen als so heiß war", sagt der Chef.

Nachdem die Figuren Neustadt verlassen haben, kommen noch Notenständer und Verankerungen für den Boden daran, damit sie in Bayreuth nicht umkippen oder gestohlen werden. Seit rund vier Wochen arbeiten die Neustadter am 102 Zentimeter kleinen Wagner. Aber mit den 500 für die Ausstellung ist es nicht getan. "Wir stellen auch Figuren für den Verkauf her. 300 Euro kostet eine", so Messner. Er ist froh wenn seine Firma am fünften August in die Ferien geht, aber bis dahin werden ausschließlich Wagners produziert: "Am Schluss ist es zwar immer schön, aber Wagner will ich erstmal nicht mehr sehen."

Die Ausstellung
Eröffnung Heute, kurz vor Festivalstart am 25.Juli, wird die Ausstellung eröffnet. Mit "Wagner dirigiert Bayreuth", erläutert Hörl seine Ausstellungsidee.