Fast genau 40 Jahre nach seiner ersten Vereidigung hat sich Karl Zeitler gestern aus dem Kreistag verabschiedet. Eine Ehrung gab es für Zeitler nicht, denn mit dem Titel des Altlandrats hat er die höchstmögliche Auszeichnung des Landkreises bereits 2008 bekommen. Umso bewegender waren die Momente, als sich die langjährigen Weggefährten gestern von Karl Zeitler verabschiedeten. "Es ist eine unvorstellbare Menge, was in den vergangenen 40 Jahren passiert ist", sagt Michael Busch (SPD) - Nachfolger Zeitlers als Landrat - nach seinem Rückblick auf die lange Liste ehrenamtlicher Verdienste Zeitlers.
Eine bisher noch nie dagewesene Würdigung gab es für den Altlandrat aber dann doch. Frank Rebhan (SPD-Fraktionsvorsitzender) ernannte ihn zum Ehrenmitglied der SPD-Fraktion auf Lebenszeit. Das heißt: Karl Zeitler wird auch weiter zu allen wichtigen Sitzungen der Fraktion eingeladen. "So etwas hat es bisher noch nie gegeben", erklärte Rebhan, der Karl Zeitler nicht "einfach so" aus seinem kommunalpolitischen Engagement entlassen wollte. Hintergrund für die Entscheidung Zeitlers, um sein Ausscheiden aus dem Ehrenamt zu bitten, ist die schwere Krankheit seiner Ehefrau Monika.
"Unendlich von Dank erfüllt" zeigte sich der Altlandrat bei seinen Abschiedsworten vor dem Kreistag. Er erinnerte an seine Vereidigung am 8. Juli 1972 - just, als der Landkreis Coburg nach der umstrittenen Gebietsreform einen neuen Zuschnitt bekommen hatte. Was in den folgenden vier Jahrzehnten geschah, stimmte Zeitler (der von 1972 bis 1990 auch Untersiemauer Bürgermeister war) zufrieden: "Wir haben aus einem neuen Gebilde eine leistungsfähige Kommune gemacht."
Ausdrücklich bedankte sich Zeitler auch bei den Menschen, die ihm und seinem Wirken als Landrat kritisch gegenüber standen: "So etwas gehört in einer Demokratie mit dazu." Er sei stolz darauf, trotz aller Meinungsverschiedenheiten in der politischen Diskussion am Ende immer wieder klärende und vereinende Worte gefunden zu haben. "Nur mit Dialog kommt man vorwärts", gab Karl Zeitler zum Abschluss mit auf den Weg.
Wohl nicht mit einer offiziellen Ehrung, aber mit zwei Geschenken, verabschiedete Michael Busch den Altlandrat: Er überreichte eine wertvolle Glas-Skulptur sowie ein silbernes Logo des Landkreises Coburg. Und ein Versprechen gab Busch auch: Er werde auch weiterhin alles dafür tun, um einen Einstieg des Landkreises Coburg in eine gemeinsame Betreibergesellschaft für die "Therme natur" in Bad Rodach zu verwirklichen. Dies ist eines der letzten politischen Ziele, die Karl Zeitler (noch) nicht durchsetzen konnte.