Schlagzeug, Klavier, Gitarre - und natürlich seine Stimme. Das war alles, was Xavier Naidoo an diesem Abend brauchte, um seine Fans auf dem Schlossplatz zu begeistern. Dabei ist Coburg für den Musiker so etwas wie eine Oase, seit er Im Herbst 2008 erstmals in der Vestestadt gastierte und mit Straßenkonzerten und anderen kleinen Auftritten regelrecht in einer Xavier-Fieber versetzte.

"Er war völlig unkompliziert"

Zu seiner Oase gehört auch ein Besuch bei seinen alten Freunden: Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) bestätigt ein Treffen und auch Fred und Tina Raab von der Künstler-Klause sind Anfang der Woche so schweigsam, dass man daraus etwas schließen kann.

Diskretion sei in diesem Fall wichtig, erklärt Norbert Kastner, der immer wieder Kontakt zu Xavier Naidoos Umfeld hat: In der Stadt habe es dem Sänger 2008 deshalb so gut gefallen, "weil keiner der Menschen, mit denen er sich damals getroffen hat, die Medien informiert hat".

Auch er war "natürlich" beim Konzert. Am besten gefällt ihm "die Abwechslung in der Musik, vom Balladenhaften bis zum Hip Hop". Aber auch Xavier Naidoo selbst sei ein "sehr angenehmer Mensch" - was Sebastian Hess, dem Besitzer des Hessenhofs bei Glend, in Erinnerung geblieben ist. Und das, obwohl Xavier Naidoo vor vier Jahren, als er bei der Silberhochzeit von Angela und Peter Seifert vor seinem Restaurant gespielt hat, nur kurz auf einen Aufwärm-Tee vorbeigekommen ist: "Er war völlig unkompliziert, keine Starallüren oder so." Sogar für die Getränke habe der Künstler sich bedankt. "Wir waren ganz geplättet."

Lied spontan umgedichtet

Aber der Wirt war nicht halb so platt wie Angela Seifert selbst: "Das war das Erlebnis meines Lebens", sagt sie, und fügt dann schnell hinzu, "natürlich nach der Hochzeit und der Geburt meiner Kinder". Ihr Lieblingslied ist bis heute "Ich kenne nichts (das so schön ist wie du)", das Xavier Naidoo bei der Feier zu "Ich kenne nichts, das so schön ist wie die beiden da vorne" umgedichtet habe. "Ich kann meine Gefühle in diesem Moment nicht in Worte fassen", sagt Angela Seifert.

Nur eines bereut sie: Sie hat sich nie persönlich bei dem Künstler bedankt. "Er ist ein Star und ich hatte Scheu." Ihr Traum wäre es, ihn zum Klößeessen einzuladen. Aber auch sie weiß, dass Xavier Naidoo im Moment viel zu tun hat und es dieses Mal wohl nicht klappen wird. Deshalb habe sie sich einfach nur aufs Konzert gefreut.

Stadträtin singt begeistert mit

Und auch SPD-Stadträtin Gabriele Morper-Marr wollte dieses Mal keine "Extrawurst" mehr. Sie war mit ihrer Tochter beim Konzert und hat kräftig mitgesungen - vor allem seine älteren Lieder, denn das erinnert sie an das Ständchen, das ihr Xavier Naidoo 2008 zu ihrem 50. Geburtstag brachte: "Wir saßen zusammen am Tisch und haben gesungen. Und jetzt freue ich mich, dass er da ist und ich wieder mitsingen kann."

Hätten sie nicht das Altstadtfest vorbereiten müssen, wären auch die Seßlacherin Elisabeth Macziek und ihre Tochter Sonja Schaller beim Konzert dabei gewesen - dabei haben sie Xavier Naidoo beim Adventsmarkt vor vier Jahren noch den Zutritt zu ihrem Keller verwehrt. "Wir waren gerade am Zumachen, da kamen sie und wollten bei uns spielen", erzählt Sonja Schaller. "Wir sind die Söhne Mannheims", hätten sie gesagt. "Ja, und verarschen können wir uns selber", habe sie geantwortet. Sie verdreht die Augen.

Zudem sei ihr Sohn ein halbes Jahr vorher verunglückt, ergänzt ihre Mutter Elisabeth Macziek. Musik in ihrem Keller hätte sie damals noch nicht wieder ertragen. Aber zumindest zu einem Schnaps habe sie den Künstler und seine Mannschaft noch in ihren Keller eingeladen. "Er kann auch gerne wieder mal auf einen vorbeikommen", bietet sie an, ist allerdings selbst ein wenig skeptisch: "Er hat sich schon erstmal geschüttelt, weil der Schnaps so scharf war."