Er belässt es nicht beim Wehklagen - er schickt seine Achklagen gleich noch hinterher. Emotional ein voluminöses Weh und Ach ist Olaf Schubert, von der körperlichen Darreichungsform hingegen eher in der Baumarktsparte Dürrleimung einsortiert. Er selber nennt sich "ektomorph-leptosom". Mager-schwachbrüstig also, und ein Olaf wie er zeigt gerne, was er nicht hat an Körpermasse. Sein Rhombenpullunder ("Raute trifft es nicht") hängt schlaff herab wie ein Segel bei Flaute am Mast.

Und doch will er Atlas-gleich die ganze Erde stützen. Er macht es nicht mit Kraft, sondern mit Köpfchen. Bei ihm steht die Leibes- der Geistesfülle diametral entgegen. Das Credo des gebürtige Vogtländers: "Von mir aus kann die Erde rund bleiben, aber ansonsten besteht dringend Handlungsbedarf."

Dafür ist er angetreten, auch in seinem neuen Programm, das "So" heißt (am 15. Oktober in Bayreuth). Und genau so gemeint ist. "Ich beprangere Problematome nicht nur - ich löse sie auch. Das macht sonst keiner." Er wolle der Welt die Stirn bieten ("ich hab ja viel davon"). Er versteht sich als Krieger des Alltags und will seine bahnbrechenden Gedanken gerecht unter den Bedürftigen verteilen.

Dazu bedient er sich erneut seiner schärfsten Waffe: seines Wortschatzes. Ein Durchlauf erhitzer, eine Kernspaltung auf Dauerfeuer, quasi das Kalkar der Kleinkunst. Sein Kopf ist so etwas wie Onkel A. Toms Hütte, der auf den Schulterchen einer gespaltenen Persönlichkeit angeflanscht ist. Unter der lichter werdenden Kalotte drängeln sich die Antworten zu Fragen, die nie jemand gestellt hat. Zum Beispiel zum Themenkomplex Klima und Ökologie. "Da ist Bayreuth ja vorbildlich, wie ich aus eigener optischer Sondierung weiß. Die haben da extra einen Grünen Hügel angelegt."

Mit Kultur kennt sich der selbst ernannte Mahner und Erinnerer Schubert aus. Jüngst moderierte er die Verleihung des deutschen Fernsehpreises. Und mogelte dabei doch glatt sein gelb-grünes Oberkörperfutteral unter den Smoking. "Der Dresscode hieß: Anzug. Das Drunter war nicht vorgeschrieben." Ein Schelm wie er nutzte die Definitionslücke. "Andere waren sogar nackt drunter, also unter der Unterwäsche. Stell sich das einer vor. Das passiert mir nicht." Es kommt ihm nicht aufs Äußere/Untere an, sondern die gute Absicht. "Ich will Männer erreichen und andere Geschlechter", sagt der Olaf selbstbewusst. Der Gegensatz zwischen den Chromosomenhaufen treibt den 45-Jährigen nach all den Jahren (immerhin 17 sind es auf deutschen Bühnen) immer noch um.

Liebe und Hoffnung - das sind ihm Anliegen. Auch der Glaube. Wobei er es mit seiner Darstellung des gekreuzigten Jesus am illuminierten Hakenkreuz zu einem veritablen Blasphemie-Skandal unter Deutschlands führenden Keinenspaßverstehern gebracht hat. Ein besonders eifriger Eiferer hatte sogar eine Klage wegen Volksverhetzung in Erwägung gezogen. "Ich habe nix mehr davon gehört. Ich kann vielleicht meine Mutter aufhetzen, also gegen mich, aber ein ganzes Volk?" Das hat ja seit mehr als 60 Jahren keiner mehr geschafft.

Doch was ist aus seinem Ansinnen geworden, vom Rufer in der Wüste, der nie Gehör findet, selber zur Wüste zu werden? "Ich glaube, das hat sich zuletzt ein bisschen im Sande versteppt. Aber ich kann ja nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen. Auch mein Tag hat nur 27 Stunden. Das muss ich erstmal mit meinem Kalender in Einklang bringen." Es bleibt dabei: Bei Olaf Schubert gehen die Uhren einfach anders. "Ich bin mein eigenes Paralleluniversum, glaube aber, das sich das bei meinem Auftritt in Bayreuth mit dem restlichen Weltall schneiden wird." So so. Warum sollte ein Olaf vor der Physik kapitulieren?

Es gibt noch Karten an der Abendkasse.