"Wir dachten, der Tannhäuser dauert länger." Elke Habscheid aus Kassel sagt das noch im Spaß, als sie gestern die prominenten Ehrengäste bei der Auftakt-Oper der Bayreuther Festspiele bereits nach wenigen Minuten plötzlich wieder aus dem Hauptportal kommen und an sich vorbeiflanieren sieht. "Die sind doch gerade erst rein!" Ihr Mann Walter steht achselzuckend daneben.

Beide wissen zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass es im Festspielhaus zu einer Panne gekommen ist: Bei der Ouvertüre versagt ein beweglicher Käfig, in dem die Darsteller von Venus und Tannhäuser stehen. Zwei Seilwinden blockieren, es soll ein krachendes Geräusch gegeben haben. Dann fällt frühzeitig der Vorhang. Marius Bolten, Leiter des künstlerischen Betriebs büros, wird rausgeschickt; er bittet die Gäste, aus Sicherheitsgründen das Haus zu verlassen. In den vergangenen Jahrzehnten hat es so etwas in Bayreuth nicht gegeben.


Sorge um mögliche Verletzte

Ministerpräsident Horst Seehofer mischt sich derweil draußen mit seiner Frau Karin unter die Zaungäste, die - mittlerweile ohne Zaun - jetzt direkt neben den hohen Herren und Damen stehen. Aus einer Traube festlich Gekleideter dringt der Verdacht, es könne bei dem Vorfall womöglich Verletzte gegeben haben. Polizeipressesprecher Alexander Czech gibt Entwarnung: Niemand ist zu Schaden gekommen, der Schaden am Bühnenbild sei wohl reparabel.

In der Tat: Etwa eine halbe Stunde später hebt sich der Vorhang für den Tannhäuser wieder. Elke Habscheid gewinnt der unerwarteten Promi-Verlängerung etwas Positives ab: "Es war ja diesmal nicht die allererste Sahne vertreten - dann durften wir die, die gekommen sind, wenigstens zweimal begucken."

Viele kamen nicht. Allen voran Kanzlerin Angela Merkel. Sie soll, so wird gemunkelt, den Tannhäuser schon mehrfach gesehen und deswegen von einem Besuch in Bayreuth diesmal abgesehen haben. Die Aktricen Iris Berben und Hannelore Elsner standen zwar auf der Prominentenliste, haben aber abgesagt, ebenso wie die angekündigten Moderatoren Sandra Maischberger, Eckart von Hirschhausen und der nachnominierte Johannes B. Kerner. Der hatte jüngst die Schummel-Show "Unsere Besten" im ZDF moderiert, bei der die Reihenfolge manipuliert wurde, um vermeintlich interessantere Gäste einladen zu können. Hier wie da scheint es schwer, sich seine Promis aussuchen zu können.


Ulvi gefallen vor allem die Autos

Dass ein Prominenter der Zeitgeschichte jenseits des roten Teppichs steht, kommt ebenfalls nicht sehr häufig vor. Aber Ulvi Kulac hat nicht zuletzt durch seinen Freispruch vom Mord an der verschwundenen Peggy eine gewisse Berühmtheit erlangt. Zusammen mit seiner Betreuerin Gudrun Rödel nutzt er seinen freien Ausgang vom Bezirksklinikum, um zum Grünen Hügel zu pilgern. "Toll, die alle mal zu sehen. Und schöne Autos fahren die", sagt er und zieht an seiner Zigarette. Ulvi strahlt, berichtet davon, dass er zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder seine Eltern in Lichtenberg besucht hat. Er holt sein Fotohandy aus der Tasche, knipst das Festspielhaus.

Da hat er die wohl größte Überraschung auf dem Wolfgang-Wagner-Platz jedoch verpasst: Unangekündigt und auf keiner Liste vermerkt ist er: Als Roberto Blanco mit einem Lächeln, das von hier bis Rio reicht, mit seiner Frau Luzandra Straßburg der Limousine entsteigt, brandet Beifall auf in den - übrigens sehr übersichtlichen - Zuschauerreihen. Ein bisschen Spaß muss sein.

Wobei es durchaus auch hätte ernst werden können für den 77-Jährigen inmitten des Großaufgebots an Polizei: Schließlich liegt ein Haftbefehl vor gegen den Schlagersänger; seine Ex-Frau verlangt noch rund 150.000 Euro Unterhalt. Blancos Kommentar: Er sei blanco. Die Tannhäuser-Tickets dürfte er so oder so nicht bezahlt haben.