Im Prozess gegen einen terrorverdächtigen Flüchtling aus Syrien hat die Generalstaatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten gefordert. Der junge Mann habe einen Terroranschlag mit vielen Toten geplant. Er halte den Angeklagten von der "Doktrin des IS voll beherrscht", sagte Oberstaatsanwalt Andreas Franck am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth. Der 19-Jährige solle nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Die Verteidigung dagegen forderte lediglich vier Wochen Jugendarrest.
In der Wohnung des Angeklagten in Pegnitz (Landkreis Bayreuth) hatten Polizisten Propagandamaterial der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Videos von brutalen Hinrichtungen und Anleitungen zum Bombenbau gefunden. Auf seinem Handy war nach Worten eines Polizisten zudem ein Bekennervideo des Attentäters von Ansbach von 2016 gespeichert.


Angeklagter in Bayreuth: "Ich bin kein Terrorist"

Der Angeklagte sitzt seit Mitte vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Der junge Syrer, der vor rund drei Jahren nach Deutschland gekommen war, ergriff am Dienstag auch selbst das Wort. Er habe grausames Material auf seinem Handy gehabt, räumte er ein. Aber: "Ich bin kein Terrorist."

Zum Prozessauftakt hatte der 19-Jährige gesagt, er bekomme täglich mehrere Tausend Nachrichten über einen Messenger-Dienst auf sein Handy. Ein Video zur Bombenherstellung habe er geöffnet, aber nicht gewusst, was sich genau hinter dem Link verbarg. Es habe ihn auch nicht interessiert.

Ein Vertreter des Jugendamts Bayreuth, der ihn in Pegnitz betreut hatte, sagte am Dienstag, der Angeklagte habe sich meist kindlich-unbedarft verhalten. Ohne Hilfe hätte er seinen Alltag nicht bewältigen können, beispielsweise habe er nicht mit Geld umgehen können. Von einschlägigen Videos habe er ihm zwar erzählt, er habe ihn aber auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen hingewiesen. "Er hat sich glaubhaft von islamistischen Tendenzen abgewandt", sagte der Behördenmitarbeiter. Das Urteil soll am Mittwoch verkündet werden.


Anschlag: 15 Schwerverletzte in Ansbach

In Ansbach waren bei einem Bombenanschlag im Julivor zwei Jahren 15 Menschen teils schwer verletzt worden. Der Attentäter, ein 27 Jahre alter Flüchtling aus Syrien, kam dabei ums Leben. Der IS reklamierte den Anschlag für sich.