Es war wahrlich kein Spiel für schwache Nerven. Bis in die Schlussphase trennten beide Teams nur wenige Punkte, ehe der bedingungslose Siegeswillen des jungen Teams von Head Coach Michael Koch in der mit 3021 Zuschauern gut gefüllten Oberfrankenhalle letztlich den Ausschlag zum 82:75-Erfolg gab.

Beide Mannschaften gingen geschwächt in die Partie. Während bei den Gästen Point Guard Jesse Sanders mit einem grippalen Infekt ausfiel, musste auf Bayreuther Seite neben Phillipp Heyden und Travis Leslie auch Kendall Gray (Knochenhautentzündung im Schienbein) erneut die Rolle des Zuschauers einnehmen.
Michael Koch stellte Neuzugang John Flowers bei seinem Debüt gleich in die Start-Fünf. Zurecht, denn schon in der ersten Aktion blockte er sehenswert den Wurf seinen Gegenspielers. Am Ende kam er auf drei Blocks. Dazu verbuchte er zwölf Punkte, vier Rebounds und fünf Assists. "Das war der Wahnsinn. Es war total aufregend, vor dieser Kulisse zu spielen. Wir haben richtig gut gespielt, als es darauf ankam. In dieser Mannschaft steckt viel Potenzial! Es war ein sehr schnelles Spiel und hat viel Spaß gemacht", sagte der neue Small Forward.

Die mitgereisten Tübinger Fans mussten sich vor allem in der ersten Halbzeit mehrmals die Haare raufen. Viele unnötige Ballverluste (sieben im ersten Viertel) leisteten sich die Tigers und dennoch blieben sie ständig auf Schlagdistanz. Zwar standen die Bayreuther sehr gut in der Defensive und forcierten immer wieder Ballverluste der Gäste, offensiv allerdings gelang es dem Team von Head Coach Michael Koch jedoch noch nicht, aus diesen Fehlern auch Kapital zu schlagen. Und so kam, was kommen musste: Tübingen traf Mitte des zweiten Viertels besser, ging in der 18. Minute in Führung und mit einem knappen 32:29 in die Pause.

Zurück auf dem Parkett kam Medi zunächst schnell zum Ausgleich. In den ersten Minuten der zweiten Hälfte wechselte die Führung dann fast mit jedem Angriff, ehe sich Mitte des Viertels die Hausherren einen kleinen Vorsprung herausspielen konnten, den sie auch ins letzte Viertel mitnehmen konnte. Hier schien das Momentum dann allerdings auf die Seite der Gäste zu wechseln, denn nach einem 10:1 Lauf hieß es in der 34. Minute plötzlich 65:59 für Tübingen. Mit zwei jeweils von Bastian Doreth aufgelegten Dreiern glich Steve Wachalski binnen 50 Sekunden das Spiel aber wieder aus. Genau diese Punkte waren es, die im Medi-Team nochmals zusätzliche Kräfte freisetzten und das Spiel hier nicht in die Richtung der Gäste kippen ließen.
In der Schlussphase lenkten Jeff Xavier und Jake Odum das Medi-Spiel und sorgten mit ihren Ballgewinnen und Punkten für den Erfolg.


Szene des Abends

Für einen kurzen Moment mussten die Fans von Medi Bayreuth zittern: War es ein Dreier, oder stand Jeff Xavier auf der Linie? War der Wurf noch in der Zeit? Der Videobeweis zeigte es: Der schwierig zu nehmende Wurf, in Bedrängnis und mit Ablauf der Uhr zählte, und zwar drei Punkte. 3:13 Minuten vor Spielende brachte der Topscorer auf Bayreuther Seite seine Mannschaft mit 71:68 in Führung und sorgte damit für die Vorentscheidung.
Ganze 24 Vorlagen sammelte das Team von Medi Bayreuth. Der Ball wurde oft gut bewegt, ein, zwei Mal weitergegeben, bis der freie Mann gefunden wurde. Vor allem Jake Odum bewies einmal mehr sein gutes Auge und verhalf acht Mal zu Körben seiner Mitspieler, unter anderem bei einem tollen Alley Oop von Ken Horton. Auch Neuzugang John Flowers bewies mit fünf Assists, dass er schnell in die Mannschaft integriert wurde.
"So viel hatten wir uns von John Flowers in seinem ersten Spiel überhaupt nicht erwartet," resümierte Bayreuths Trainer Michael Koch. Vor allem in der Verteidigung war der US-Amerikaner immer wieder zur Stelle und hatte nicht nur bei seinen drei Blocks immer wieder die Hände oder auch nur seine Fingerspitzen entscheidend am Ball.


Frankenderby steht an

Am kommenden Samstag, 7. November, steht das erste fränkische Derby der Saison an: Ab 18.30 Uhr trifft man in Würzburg auf den bislang stark aufspielenden Aufsteiger, die s.Oliver Baskets.


Trainerstimmen

Igor Perovic (Tübingen): "Gratulation nach Bayreuth zum Sieg. Sie haben es sich verdient. Sie hatten eine exzellente zweite Halbzeit und haben acht Dreier getroffen. Wir haben viele Fehler gemacht und ohne Sanders gespielt. Es ist sehr schwierig, ohne den Schlüsselspieler auf der Aufbauposition zu spielen. Mihailovic und Russel mussten aushelfen, aber das ist nicht unbedingt ihre Position. Wir haben offensiv einige gute Aktionen liegen lassen. Doch trotz der vielen Fehler waren wir im Spiel und lagen in letzten Viertel vorne. Die beiden wichtigen Dreier von Wachalski haben Bayreuth ins Spiel zurück gebracht und dann haben die Fans ihre Mannschaft nach vorne gepusht."
Michael Koch (Medi Bayreuth): "In so einem engen Spiel zählt jeder Ballbesitz. Das haben wir in der ersten Halbzeit nicht clever gemacht. Wir haben elf Turnover produziert und mit 29 Prozent eine katastrophale Wurfquote gehabt. Klar gibt es Unstimmigkeiten, wenn man einen neuen Spieler einbinden muss und ohne Center spielt. Nichtsdestotrotz haben wir das in der Kabine angesprochen und in der zweiten Halbzeit nur noch vier Turnover gemacht. Wir haben eine bessere Wurfauswahl getroffen und den Weg zur Freiwurflinie gefunden. Wenn es Spitz auf Knopf zugeht, sind das dann die entscheidenden Situationen. Wir haben ins Spiel gefunden, zwei wichtige Ballgewinne gehabt. So etwas entscheidet dann ein Spiel. Ich muss meinem Team ein Kompliment machen, dass es den Rückstand aufgeholt hat. Unsere Situation ist gerade durch die Verletzungen nicht berauschend, das rechne ich dem Team heute hoch an. Wir haben das Spiel mit Einsatz und Herz gewonnen."


Medi Bayreuth - Walter Tigers Tübingen 82:75 (19:16;10:16;27:23;26:20)
Medi Bayreuth: Xavier 23 (6 Rebounds), Horton 16, Wachalski 14 (6 Rebounds), Flowers 12 (3 Blocks), Odum 8 (8 Assists, 5 Steals), Mullings 7, Doreth 2, Wolf 0. Dreier: Xavier 5, Wachalski 2, Flowers 2.
Tigers Tübingen: Buford 24 (10 Rebounds), Mihailovic 18, Green 16, Fitzpatrick 8, Radosavljevic 5, Agva 2, Nadjfeji 2, Russell 0 (6 Assists). Dreier: Buford 4, Fitzpatrick 2, Mihailovic 2, Green 2.