Peter Maffay hat einen Testballon steigen lassen in Bayreuth. Drei Titel vom für Herbst angekündigten neuen Album präsentiert er den 10   000 Menschen auf dem Festplatz. "Wenn Viele von Euch dabei zum Bierholen gehen, fliegen die Teile wieder runter", sagt Maffay mit den spitzbübisch zusammengekniffenen Augen. Keiner geht, als er und seine Band "Wenn der Himmel weint" anstimmen, so etwas wie das Lied zur aktuellen Flutkatastrophe. Und den Schmuser "Wer liebt": die x-te Hymne an die Liebe, aber eine mit Tiefgang. In Rot getaucht die fünf LED-Wände, in Schwof-Stimmung die Fans.

Nach 30 Minuten aufstehen

Erstaunlich, dass es die Zuschauer fast eine halbe Stunde auf ihren Sitzplätzen hält. Erstaunlich deswegen, weil Maffay gleich zum Auftakt mit "Carambolage" und "Karneval der Nacht" zwei Up-tempo-Nummern serviert. Die haben zwar deutlich mehr als 20 Jahre auf der Rille haben, entstiegen aber frisch entschlackt dem Entmü dungsbecken für Yesterday-Hits.

Maffay kann beruhigt ins eigene Rock-Archiv greifen, die Stücke versehen bisweilen wie von selber ihren Dienst. "Und es war Sommer" und "Über sieben Brücken" bieten wie eh und je Mitsing-Garantie. Diesmal ordert Maffay gesangliche Unterstützung für die Bühne: Laith Al-Deen klampft sich an der Seite des 64-Jährigen durch den Evergreen. Später im Programm - als willkommene Pause für Maffays Stimme - kann Al-Deen an den Anfang seiner eigenen Karriere zurückhuschen: eine Zeitreise ins Jahr 2000 mit "Bilder von Dir". Mit den Zeitsprüngen eines Maffay kann er freilich nicht mithalten. Macht nichts, denn das Duo harmoniert vorzüglich. Immerhin hat sich der 41-Jährige auch schon Tabaluga-Meriten als Kuckuck (!) erworben.

Drei Stunden ziehen so ins Land, die zeigen: Deutschsprachige Mucke trägt einen Abend und für drei Generationen in der Schar der Zuhörer. Zumal Maffay variantenreich agiert. Seiner "Sonne in der Nacht" spendiert er einen Schubs in Sachen Umlaufgeschwindigkeit, während sein "HBF-Blues" entschleunigt daherkommt und Carl Carlton ein Intro beisteuert, dass in den ersten Notenzügen eher an einen Landler gemahnt. Gitarrist Carlton generiert sich wenig später als "King of the USA". Pascal Kravetz, der Könner an den Tasten und mit roter Melone der Farbtupfer hinterm Keyboard, verfügt über die passende Rauchfangstimme. Sie alle rahmen die erstaunlich stabile Stimme Maffays gewohnt sicher ein, tragen sie durch 17 Songs, manche in Maxi-CD-Länge.