Die Rechtsmedizin sei zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht festzustellen ist, ob die Kinder wirklich gelebt haben. "Deshalb sehe ich keinen dringenden Tatverdacht wegen Mordes." Alle anderen Tatbestände, wie etwa fahrlässige Tötung, seien verjährt. "Deshalb muss die Untersuchungshaft meiner Mandantin auch sofort aufgehoben werden." In ein bis zwei Wochen rechnet Schmidt diesbezüglich mit einer Entscheidung.

Die zwei bereits stark verweste Körper der Neugeborenen waren am 23. Oktober 2013 von Bauarbeitern in einem Ortsteil der Gemeinde Bad Alexandersbad im Landkreis Wunsiedel entdeckt worden. Ein Grundstücksbesitzer hatte einen Auto-Unterstellplatz bauen lassen. Dafür wurde Erde ausgehoben und abtransportiert. Auf der Deponie wurden die Kinderleichen entdeckt. Nach einem DNA-Gutachten gelang es, die Mutter der Babys zu ermitteln. Seit November 2013 sitzt sie in Bamberg in Untersuchungshaft.

Am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft Hof gegen die Frau Anklage erhoben. Sie soll sich wegen zweifachen Mordes vor dem Schwurgericht verantworten. Demnach soll sie in den 80er-Jahren die Babys nach der Geburt unversorgt gelassen haben, was zu deren Tod führte. Anschließend habe sie die toten Kinder im Vorgarten eines Hauses vergraben.

Der Babyleichen-Fund hatte in Bad Alexandersbad auch deshalb für Entsetzen gesorgt, weil die Tatverdächtige im Ort sehr angesehen war. Laut Jürgen Schmidt ist die Frau derzeit "den Umständen entsprechend" gefestigt. "Wenn man abseits der Paragrafen in den Menschen hineinschaut, wird deutlich: Wir stehen vor einer großen menschlichen Katastrophe."