Eine Bayreuther Notärztin und drei Sanitäter mussten in der Nacht zum Dienstag selbst als Notfälle ins Klinikum eingeliefert werden. Ihr Patient hatte sie mit einem Messer attackiert. "Die Verletzungen waren schwer", sagt Polizeisprecherin Stefanie Püttner am Dienstag. "Ein Teil der Verletzten wurde noch in der Nacht operiert." Lebensgefahr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. Warum der Rettungsdienst in das Haus in der Bayreuther Altstadt gerufen worden war, verrät Püttner nicht. Auch nicht, warum der Mann auf seine Helfer losging. Ermittlungstaktische Gründe.


Bayreuth: Patient sticht auf seine Retter ein

Gegen 21 Uhr am Montagabend waren die Notärztin und die Sanitäter zu dem Patienten ins Haus gekommen. Als sie den 26-Jährigen versorgen wollten, ging er mit einem Messer auf sie los. Es kam zu einem Handgemenge, jemand rief die Polizei.

Nach aktuellem Ermittlungsstand war der Anrufer wohl mit in der Wohnung des 26-Jährigen, erklärt Püttner. Der genaue Tathergang werde noch ermittelt. "Wir hoffen, durch Zeugenaussagen - vor allem durch die Aussagen der Verletzten - ein genaueres Bild zu bekommen."


Einsatz in Bayreuth erregte Aufsehen

Während das verletzte Notarztteam bereits im Krankenhaus versorgt wurde, nahm der Einsatz in der Bayreuther Altstadt immer größere Dimensionen an: Der mutmaßliche Täter wollte keinen Kontakt zur Verhandlungsgruppe und versteckte sich im Gebäude. Die Bayreuther Polizei war inzwischen mit mehreren Dutzend Beamten angerückt, zusätzlich Kripo, das Sondereinsatzkommando SEK Nordbayern, Staatsanwalt und ein anderer Notarzt. Spezialeinsatzkräfte durchsuchten das Haus und die nähere Umgebung.


Feuerwehr und THW riegeln Straße ab - zahlreiche Schaulustige

Feuerwehr und Technisches Hilfswerk THW leuchteten das Anwesen aus - und halfen bei der Absperrung der Zufahrtsstraße, an der sich inzwischen zahlreiche Schaulustige versammelt hatten. "Das lässt sich nicht vermeiden", sagt Püttner. "So lange nichts passiert, der Einsatz nicht gefährdet oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden, müssen wir das zulassen."

Und die Leute hatten viel zu schauen: Erst gegen etwa 1 Uhr wurde der Verdächtige in einem Verschlag im Dachboden aufgespürt und festgenommen. Das mutmaßliche Tatmesser war bereits vorher sichergestellt worden.

Der 26-Jährige wurde vor Ort vom Notarzt untersucht, als haftfähig eingestuft und von der Polizei in eine Zelle gebracht. Ob er in Untersuchungshaft kommt, wird noch geprüft. "Dazu muss noch genauer ermittelt werden, was passiert ist", sagt Polizeisprecherin Püttner. Die große Frage ist, warum der Mann auf seine Helfer losging. Ist sein psychischer Zustand ausschlaggebend für die Tat? Herbert Potzel, Leitender Oberstaatsanwalt bei der Bayreuther Justiz, bestätigt, dass in dieser Frage ein Psychiater hinzugezogen wird. "Dann entscheidet sich, ob er in Untersuchungshaft kommt oder eventuell auch in eine psychiatrische Einrichtung."