Ziel ist es, den Gegner aus dem Stand in die Bodenlage und mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen. Landes- und Bezirkstrainer Mat thias Fornoff gründete 1998 in Bindlach den Athletik-Sport-Club (ASC) und formte eine Erfolgsmannschaft, aktuell mit Zweite Bundesliga-Ambitionen.

Bayreuther Sonntag: Was war der Anlass für die Vereinsgründung in Bindlach vor 14 Jahren?
Matthias Fornoff: Ich selbst komme aus einer Ringerfamilie. Bereits mein Opa und auch mein Vater waren aktive Athleten in einer Gemeinde bei Darmstadt. Durch meinen Beruf als Erzieher kam ich nach Bayreuth. Auch in Oberfranken wollte ich sportlich aktiv bleiben und absolvierte zehn Jahre lang Bundesligakämpfe für den AC Lichtenfels. Mein größter sportlicher Erfolg war ein dritter Platz bei der WM. Nach meiner aktiven Laufbahn kam mir die Idee, in meinem Wohnort Bindlach Kin der und Jugendliche für das Ringen zu begeistern.

Bayreuther Sonntag: Ihre Idee kam in Bindlach ja gut an!
Matthias Fornoff: Das kann man wohl sagen, obwohl bei der Vereinsgründung in der Gaststätte "Bowlingbahn" auf dem Bindlacher Berg zunächst das erforderliche siebte Gründungsmitglied fehlte. Der damalige Wirt, der inzwischen verstorbene Werner Opel, rekrutierte kurzerhand einen Kellner, der sich irgendwie begeistern ließ und tatsächlich seine Unterschrift leistete. Mittlerweile bieten wir im ASC Bindlach für über 200 Aktive jeden Alters in verschiedenen Sparten Trainingsmöglichkeiten an. Aushängeschild sind jedoch zweifellos unsere Ringer. 30 Aktive, im Alter zwischen 4 bis 30 Jahren, kommen mehrmals wöchentlich zum Training, mittlerweile einem Bezirksstützpunkt dieser Sportart. Zur Zeit kämpfen unsere Spitzensportler noch in der Oberliga. Doch am Ende der Saison wollen wir den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft haben.

Bayreuther Sonntag: Sie bieten in Bindlach auch Ringen für Kindergartenkinder an. Warum?
Matthias Fornoff: Ringen und seine Vorform, das "Rangeln", sind unter Kindern besonders beliebte Formen direkter körperlicher Auseinandersetzungen. Beobachtungen auf Schulhöfen zeigen leider eine zunehmende Verrohung des Umgangs der Kinder untereinander. Mit der Einführung der Sportart Ringen in Kindergärten strebe ich an, bereits vor der Schulzeit Gewaltbereitschaft abzubauen. Mein Ziel ist es, über direkten Körperkontakt den fairen Umgang miteinander zu üben und spielerisch soziale Kompetenz und Frustrationstoleranz aufzubauen. Nach anfänglichen Bedenken kam der Unterricht in Bindlach sowohl bei der Kindergartenleitung, den Eltern und natürlich auch bei den Kinder sehr gut an. Heute biete ich Ringen als Unterstützung der pädagogischen Arbeit auch in der Bindlacher Schule sowie am Graf-Münster-Gymnasium und an der Jean Paul-Schule in Bayreuth an.

Bayreuther Sonntag: Sie sind inzwischen hauptamtlicher Trainer im Landesstützpunkt Nürnberg, dort auch Koordinator für das Ringer-Sportinternat und Trainer für das Junioren-Nationalteam!
Matthias Fornoff: Die Sportart Ringen bestimmt meinen Lebensrhythmus. Das Gemeinschaftsgefühl im Verein ist sehr hoch - quasi wie in einer Familie. Das ist vielleicht auch auf den permanenten Körperkontakt in diesem Sport zurückzuführen. Wenn wir zu Wettkämpfen fahren oder bei uns in Bindlach Mannschaften zu Gast haben, wohnen wir oder unsere Gäste nie im Hotel sondern immer privat. Ringen ist darüber hinaus vielseitig und diszipliniert. Ringer müssen nicht nur gute Turner sein sondern auch die obligatorischen Ballspiele beherrschen. Ringen macht selbstbewusst, mutig und stark.

Bayreuther Sonntag: Trotzdem bleibt Ringen eine Randsportart. Bedauern Sie das?
Matthias Fornoff: Zu unseren Wettkämpfen in der Bärenhalle in Bindlach kommen so an die 300 Zuschauer. Das ist sehr zufriedenstellend. Zuschauer finden die Sportart vielleicht nicht attraktiv, weil sie die Regeln - die nicht einfach sind und sich auch ändern - meist nicht verstehen. Doch wenn ich mal nicht an der Matte stehe sondern im Publikum sitze, fällt mir die Spannung auf, die unter den Zuschauern herrscht und ich freue mich über interessierte Fragen. Sehr gefreut haben wir uns im vergangenen Jahr über die Wahl zur "Mannschaft des Jahres". Wir haben dabei populäre Mannschaftssportarten, wie Basketball oder Fußball, tatsächlich hinter uns gelassen.

Bayreuther Sonntag: Wie finanziert sich der Verein?
Matthias Fornoff: Besonders dankbar sind wir der Gemeinde Bindlach für die umfassende Unterstützung. Wir haben sehr gute Trainingsmöglichkeiten und können die Bärenhalle für unsere Kämpfe nutzen. Ohne unsere Sponsoren, wie beispielsweise Rainer Gebhart, hätten wir weniger Möglichkeiten. Kürzlich konnten durch diese Unterstützung neue Trikots angeschafft werden. Außerdem haben wir mittlerweile die finanziellen Möglichkeiten, unseren jungen Sportlern für gewonnene Kämpfe eine kleine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Das ist beim Ringen üblich. Besonders unsere Spitzenkämpfer könnten inzwischen, zu lukrativeren Konditionen, zu anderen Vereinen wechseln. Es ist das Zusammengehörigkeitsgefühl, welches sie an den ASC bindet. Schließlich sind die heutigen Spitzenkämpfer, die damaligen Kinder mit denen wir den Verein gründeten. Damals habe ich sie zu Wettkämpfen gefahren. Nun sind sie erwachsen, haben einen Führerschein und nehmen mich im Auto mit.

Bayreuther Sonntag: Wie gefährlich ist Ringen?
Matthias Fornoff: Ringen ist wie Judo oder Karate ein Kampfsport, da kommen Verletzungen vor. Andererseits bewegen wir uns bei unseren Kämpfen auch im Leitungsbereich des Spitzensportes. Dies birgt stets Risiken mit sich, die durch Disziplin und Training minimiert werden können. Ein Reiter, Skifahrer oder Rennfahrer setzt sich ebenfalls Gefahren aus. Der Sportunfall von Martin Kittner aus Goldkronach, meinem Weggefährten und Freund, war ein tragischer Unglücksfall. Alle Risiken im Sport kann man leider nicht ausschließen.

Bayreuther Sonntag: Gibt es ne ben dem Ringen noch andere Interessen?
Matthias Fornoff: Wenn ich ausreichend Zeit zur Verfügung hätte, würde ich mich als Paragleiter versuchen. Sollte der ASC Bindlach in die Zweite Bundesliga aufsteigen, fahre ich mit den Jungs zur Belohnung eine Woche nach Kroatien, was ein richtiger Urlaub werden wird. Natürlich verreise ich gerne - kürzlich nach Moskau und Bako, dort kämpfte das Ringer-Nationalteam. Als Landes- und Bezirkstrainer muss das Privatleben derzeit leider auf der Strecke bleiben.