Bayreuth
Bauernproteste

Bauern-Demo in fränkischen Städten: Über 1000 Traktoren in Würzburg - Abbruch

Zu einer Groß-Demonstration waren Landwirte am Dienstag aufgerufen. Auch in Franken machten die Bauern ihrem Ärger Luft. Mehr als 1000 oberfränkische Landwirte fuhren nach Bayreuth, in Würzburg lösten rund 1000 Teilnehmer ein Verkehrschaos aus.

Bauernprotest in ganz Deutschland: Die Bewegung "Land schafft Verbindung" hat bundesweit auf sich aufmerksam gemacht - in Oberfranken gibt es ein 15-köpfiges Organisationsteam, für das der Landwirt Andreas Wolfrum aus Gattendorf im Landkreis Hof spricht.

Im Vorfeld erklärte Wolfrum im Gespräch mit inFranken.de, dass er von rund 500 Teilnehmern aus den Landkreisen Coburg, Hof, Kronach, Kulmbach und Lichtenfels sowie Teilen der Oberpfalz ausgehe, die am Dienstag (22. Oktober) auf ihrem Traktor nach Bayreuth fahren und ab etwa 11 Uhr ihr Ziel, die Tierzuchtklause auf ihrem Weg durch die Stadt erreichen.

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"Die Landwirte stehen derzeit am Pranger - von der Politik und von der Gesellschaft", klagt Wolfrum. Die Bauern würden einfach nicht gehört, obwohl sich Familienbetriebe, auch und gerade in Oberfranken, "in einer ausweglosen Situation" befinden. Der Beruf des Landwirts werde immer mehr in den Misskredit gezogen, als ob Bauern Insekten und Grundwasser vergiften. "Dabei brauchen wir doch die Natur. Wir wollen unsere Betriebe an unsere Kinder übergeben - wie blöd wären wir, wenn wir da die Insekten vergiften?"

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Sogar die Kinder von Landwirten würden inzwischen von Schülern und sogar Lehrern gemobbt. Dazu komme die stetig steigende Belastung durch die Bürokratie. "Wir wollen einen Weckruf an die Verbraucher aussenden", sagt Wolfrum. Die Verbraucher sollten auch daran erinnert werden, wie wichtig es sei, regional einzukaufen.

Polizei spricht von mehr als 1000 Teilnehmern in Bayreuth - 40 Kreuzungen gesperrt

Wie die Polizei Oberfranken am Dienstagnachmittag bekannt gab, versammelten sich über 1000 Landwirte mit ihren landwirtschaftlichen Zugfahrzeugen in Bayreuth zu der angemeldeten Demonstration. Im gesamten Stadtgebiet kam es aufgrund der kilometerlangen Kolonne von Traktoren zu Verkehrsbeeinträchtigungen.

Bereits in den frühen Morgenstunden machten sich Landwirte aus ganz Oberfranken und der benachbarten Oberpfalz auf den Weg Richtung Bayreuth und sammelten sich zunächst nahe Bindlach. Von dort starteten sie gegen 11 Uhr mit ihren Traktoren zu einem etwa zwölf Kilometer langen Aufzug quer durch das Bayreuther Stadtgebiet bis zur Viehversteigerungshalle in der Adolf-Wächter-Straße, wo im Anschluss eine Abschlusskundgebung stattfand.

Unter Federführung der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt und mit Unterstützung durch die Bayerische Bereitschaftspolizei sperrten zahlreiche oberfränkische Polizeibeamte die rund 40 Kreuzungen und Einmündungen entlang der Aufzugsstrecke im Stadtgebiet und regelten den Verkehr. Nachdem die Bevölkerung bereits im Vorfeld über die Medienberichterstattung auf die anstehenden Behinderungen und Sperrungen des Straßenverkehrs hingewiesen wurde, mieden viele Autofahrer das Stadtgebiet oder umfuhren die Aufzugsstrecke weiträumig.

Stau an neuralgischen Punkten

Dennoch ließen sich insbesondere an neuralgischen Verkehrspunkten Stauungen nicht vermeiden, bis der letzte Traktor des Aufzuges wenige Minuten vor 14 Uhr am Schlusskundgebungsort eintraf. Kurz nach 13 Uhr konnten die Polizeibeamten die ersten Straßensperren entlang der Aufzugsstrecke sukzessive wieder aufheben. Insgesamt beteiligten sich über 1.000 landwirtschaftliche Zugfahrzeuge an dem Demozug durch das Stadtgebiet.

An der Abschlussveranstaltung in der Adolf-Wächter-Straße, die gegen 14 Uhr begann, fanden sich etwa 1200 Teilnehmer ein. Die Kundgebung endete gegen 15 Uhr ohne sicherheitsrelevante Vorfälle, bevor sich die Landwirte mit ihren Fahrzeugen im regulären Straßenverkehr wieder auf den Heimweg machten, so die Polizei.

Nicht nur in Bayreuth wird protestiert - die Demos starten am Dienstag bundesweit. In Berlin wollen 1000 Bauern mit ihren über 100 Traktoren zur Siegessäule fahren. Auch in München, Würzburg, Erfurt, Rendsburg, Hannover, Oldenburg, Stuttgart, Freiburg, Leipzig und Görlitz haben Landwirte Proteste angekündigt.

Protestaktion in Würzburg musste abgebrochen werden

Zu erheblichen Verkehrsbehinderungen hat die Protestation "Land schafft Verbindung" in Würzburg (Unterfranken) geführt. Nach Angaben der Polizei Unterfranken hätten sich nach letztem Stand am Dienstagvormittag rund 1000 Landwirte auf den Weg nach Würzburg gemacht. Teilweise kam der Verkehr im Stadtgebiet dadurch vollständig zum Erliegen.

Im Zusammenhang mit der angemeldeten Sternfahrt und Versammlung machten sich gegen 6 Uhr die ersten Landwirte mit ihren Traktoren auf den Weg. In der Hochphase befanden sich rund 800 Traktoren im Stadtgebiet und sorgten für erhebliche Verkehrsprobleme. Teilweise kam der Verkehr auf der B27, der Martin-Luther-Straße, dem Friedrich-Ebert-Ring und dem Rennweg sowie auf der B19 vollständig zum Erliegen, so die Polizei.

Abbruch um 10.35 Uhr

Aufgrund der weitreichenden Verkehrsprobleme, insbesondere der Behinderungen für Feuerwehr und Rettungsdienst, beendete der Versammlungsleiter um 10.35 Uhr nach Rücksprache mit der zuständigen Behörde die Versammlung. Die erheblichen Stauungen führten dazu, dass nicht alle Landwirte den Versammlungsort in der Innenstadt erreichen konnten.

Eine gute Stunde nach der Beendigung der Versammlung normalisierte sich der Würzburger Stadtverkehr. Die Rückfahrt der Landwirte in mehreren Kolonnen zog sich bis gegen 12.30 Uhr hin. Aus polizeilicher Sicht verlief die Versammlung ohne nennenswerte Sicherheitsstörungen. Lediglich am Berliner Ring hielten rund 20 Traktorfahrer auf der Rückfahrt an und mussten von der Polizei aufgefordert werden die Fahrbahn wieder freizugeben.

Unter Führung der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt befanden sich gut 70 Einsatzkräfte der regionalen Polizeiinspektionen und der Bereitschaftspolizei Würzburg im Einsatz. Da der Versammlungsleiter im Vorfeld eine deutlich geringere Teilnehmerzahl angemeldet hatte, musste die Polizei nach den ersten Mitteilungen über die Größenordnungen der Kolonnen die geplanten Einsatzkräfte deutlich erhöhen. Die polizeiliche Zielsetzung lag insbesondere darin, den Landwirten die Teilnahme an der Versammlung zu ermöglichen, die Zufahrtswege zu den Krankenhäusern bestmöglich freizuhalten und Wege für Feuerwehr und Rettungsdienst vorzuhalten

Bundesweiter Landwirte-Protest: Dagegen demonstrieren die Bauern

Die Demonstrationen der Landwirte richten sich gegen die Pläne der Bundesregierung unter anderem für mehr Natur- und Tierschutz in der Landwirtschaft und zum Schutz des Grundwassers vor Nitrat, das etwa durch Überdüngung in den Boden gelangt. Diesen Plänen hat auch Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) zugestimmt, die vor dem Beginn der Proteste Verständnis für die Sorgen der Bauern zeigte. "Wir möchten, dass die Politik und Verbände mit uns als Basis sprechen", sagte Meike Schulz-Broers vom Organisationsteam des Netzwerks "Land schafft Verbindung". In diesem haben sich Zehntausende deutsche Landwirte über Facebook und WhatsApp zusammengeschlossen.

Die aktuelle Politik gefährde Familienbetriebe, warnten die Bauern. Außerdem führe "Bauernbashing", also etwa herablassende Äußerungen über Landwirte, in vielen Bereichen zu Ärger in der Berufsgruppe.

Klöckner: Landwirte sind weder Tierquäler noch Umweltverschmutzer

Klöckner erklärte im ZDF-Morgenmagazin, sie "mute den Landwirten etwas zu, Veränderungen, aber ich mache das nicht ohne, dass ich sie auch finanziell unterstütze mit Fördermaßnahmen". Landwirte würden in der gesellschaftlichen Debatte oft als Tierquäler oder Umweltverschmutzer abgetan, sagte Klöckner. Das sei falsch. Trotzdem gebe es auch Erwartungen an die Bauern, beispielsweise bei der Sauberkeit des Grundwassers und der Einhaltung von EU-Regeln.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigte sich besorgt über den zahlenmäßigen Rückgang bei Feldvögeln. "Leider konnte der dramatische Abwärtstrend bei den Feldvögeln bislang nicht gestoppt werden", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Es seien "deutlich mehr Anstrengungen" nötig. Sie äußerte sich angesichts von Zahlen, die eine Fachgruppe der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft an diesem Dienstag veröffentlichen wollte. Aus den Analysen geht laut Umweltministerium hervor, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Agrarvogelarten deutlich gestiegen ist, und dass bei weniger Arten der Bestand zunimmt. Sogenannte Agrarvögel sind speziell an die vom Menschen gemachten Kulturlandschaften angepasst.

Kritik an Schulzes Äußerungen gab es vom FDP-Bundestagsabgeordneten Karlheinz Busen. "Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat gut reden, wenn sie mehr Insektenschutz von den Landwirten fordert - sie muss das ja nicht bezahlen", sagte der Agrarpolitiker der Deutschen Presse-Agentur. Statt gegen die Landwirte zu regieren, müsse Schulze dringend mit Betroffenen sprechen. Sonst drohe die Stimmung auch hierzulande hochzukochen wie in den Niederlanden, sagte Busen. Dort hatte es zuletzt auch gewalttätige Proteste von Bauern gegeben.

Verkehrsbehinderungen in Bayreuth und Umgebung

Laut Stadt Bayreuth werde es aufgrund der Demo der Landwirte am 22. Oktober zu erheblichen Verkehrsbehinderungen in und um Bayreuth kommen. Der Demo-Zug startet um 11 Uhr an der Staatsstraße 2183 bei Eckershof und führt im weiteren Verlauf durch Bindlach und weiter über die Bindlacher Allee, Bindlacher Straße, Weiherstraße, Riedingerstraße, Hofer Straße, Meistersingerstraße, Nordring, Scheffelstraße, Bamberger Straße, Wörthstraße zur Viehversteigerungshalle in der Adolf-Wächter-Straße.

Um einen sicheren Verlauf der Veranstaltung zu gewährleisten, werden alle Kreuzungen und Einmündungen im Verlauf der Strecke durch die Polizei gesperrt. Da die Polizei kreuzenden Verkehr nur sehr eingeschränkt passieren lassen kann, ist in der Zeit von 11 bis zirka 16 Uhr mit erheblichen Verkehrsbehinderungen auf der Strecke selbst sowie auf den zuführenden Straßen zu rechnen. In der Fahrtrichtung des Versammlungszuges werden keine anderen Fahrzeuge zugelassen. Sowohl die Polizei als auch die Stadt Bayreuth bitten alle Verkehrsteilnehmer/innen darum, den Bereich weiträumig zu umfahren.

Auch muss mit erheblichen Einschränkungen und Verspätungen im städtischen Linienverkehr, im Schülerverkehr und im überörtlichen Busverkehr gerechnet werden. Einzelne Haltestellen können auch entfallen. Aufgrund der Tatsache, dass auch im Schulbus- und Individualverkehr an Schulen mit massiven Einschränkungen und Verzögerungen zu rechnen ist, wird an folgenden Grundschulen gegebenenfalls eine Betreuung der Schüler/innen bis mindestens 14 Uhr gewährleistet: Grundschule St. Georgen, Graserschule, Herzoghöhe und Meyernberg. Generell gilt für alle Schulen im Stadtgebiet, dass die Betreuung erfolgt, bis ein sicherer Heimweg oder der Schulbusverkehr möglich ist.

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Weitere Regelungen

Den aus Richtung Norden auf der Staatsstraße 2460 kommenden Verkehrsteilnehmern wird empfohlen, an der Anschlussstelle Bindlacher Berg auf die A9 Fahrtrichtung Nürnberg aufzufahren und die Anschlussstellen Bayreuth zu nutzen.

Die Gewerbebetriebe an der Bindlacher Straße (Milchhofbrücke) sind ausschließlich über die Weiherstraße anfahrbar. Die Abfahrt erfolgt zur Bindlacher Allee.

Eine Querung des Nordrings beziehungsweise der Scheffelstraße ist aus Richtung Osten nur im Rahmen der polizeilichen Verkehrsregelung möglich.

Aus Richtung Kulmbach (B85) kommend wird dringend empfohlen, über die A 70 und die A9 - Ausfahrt Bayreuth-Nord oder Bayreuth-Süd auszuweichen.

Aus Richtung B22 (Hollfeld/Eckersdorf) kann nur Richtung Rheinstraße/Klinikum Bayreuth angefahren werden. Die Innenstadt ist nur über Mistelbach-Forkendorf erreichbar.

Kulmbacher Teilnehmer treffen sich um 8.30 Uhr am Gewerbegebiet in Unterbrücklein. Über den Bindlacher Berg werden sie nach Bayreuth fahren. Es werden rund 30 Teilnehmer aus dem Landkreis Kulmbach erwartet. mit dpa