Am 8. Februar 2016 soll der Angeklagte Adrian O. laut Staatsanwaltschaft seinen Kollegen Roman Z. auf einer Baustelle in der Rathstraße in Bayreuth verprügelt, mit einem Spatenstil vergewaltigt und danach auf einer Matratze liegen gelassen haben. Der Prozess wegen Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung hat am Dienstag (4. Oktober) mit der Verlesung der Anklageschrift sowie der Vernehmung von fünf Zeugen aus dem Umfeld des Täters und des Opfers begonnen. Der Angeklagte habe es auf tödliche Verletzungen angelegt, sagte der Staatsanwalt beim Prozessauftakt am Landgericht Bayreuth.


Die Anklage


Der Anklage zufolge soll der Bauarbeiter Adrian O. Anfang Februar einen 43-jährigen Kollegen auf einer Baustelle in einem Haus zunächst homophob beschimpft, dann geschlagen und getreten, sowie danach, als das Opfer bereits blutend am Boden lag, mit einem Spatenstiel vergewaltigt haben, wodurch das Opfer innere Verletzungen im Bereich des Afters erlitt. Danach soll der Angeklagte das Opfer in einen Raum im ersten Stock des Hauses getragen und dort auf einer Matratze liegen gelassen haben. Der Mann starb an seinen schweren Verletzungen.

Der Angeklagte selbst, der seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, wollte vor Gericht zunächst keine Angaben zur Tat machen, wie seine Verteidiger mitteilten. Nach Angaben der Polizei hatte der Beschuldigte nach seiner Festnahme gegenüber den Ermittlern eine Aussage gemacht. Der heute 27-Jährige Adrian O. saß während des ersten Verhandlungstags meist vornüber gebeugt mit gesenktem Kopf. Manchmal weinte er.


Erste Zeugenbefragungen


Zunächst wurden zwei Zeugen vernommen. Es waren Kollegen des Angeklagten und des Opfers, die von ihrem Vorgesetzten der Baufirma am nächsten Tag auf die Baustelle geschickt wurden, um nach dem Rechten zu sehen. Laut deren Aussage hatte der Beschuldigte ihnen gegenüber gesagt, dass andere Besucher einer Kneipe, in die das Opfer Roman Z. nach einem gemeinsamen Umtrunk mit Adrian O. noch gegangen sei, den 43-Jährigen verprügelt hätten. Der Angeklagte habe zu ihnen gesagt, das Opfer sei von der Kneipe schon blutend zu dem Haus gekommen; er habe ihm lediglich über die Treppe hoch in das Zimmer geholfen. Die Zeugen berichteten jedoch, dass sie nur in den oberen Räumen, nicht aber auf der Treppe Blut gesehen hätten - und sie deshalb skeptisch gewesen seien, ob die Aussage des Angeklagten ihnen gegenüber der Wahrheit entspräche.

Der Angeklagte habe ihnen die Wohnungstür zögerlich geöffnet und den Leichnam gezeigt, der nur mit einem Unterhemd und ohne Unterhose bekleidet verkrampft und blau im Gesicht auf der Matratze im ersten Stock gelegen haben soll. Wegen des Schocks hätten beide den Angeklagten nicht auf ihre Skepsis gegenüber seiner Geschichte angesprochen, sondern den Tatort so schnell wie möglich verlassen wollen. Einer der beiden Zeugen berichtete zudem, er sei vom Angeklagten gefragt worden, ob er ihm beim Verschwindenlassen der Leiche - er habe den Leichnam zersägen und im Keller der Baustelle einbetonieren wollen - behilflich sein könne, was der Zeuge verneint habe. Er habe Adrian O. stattdessen geraten, sich an die Polizei zu wenden.

Laut Aussage dreier weiterer Zeugen habe der Angeklagte am Abend der Tat ein Foto per Mobiltelefon verschickt, auf dem das Opfer mit starken Blessuren im Gesicht zu sehen gewesen sei. Der Angeklagte habe einem der Zeugen, einem langjährigen Freund, das Bild geschickt und gefragt, was er tun solle. Dieser habe es einem weiteren Kollegen gezeigt, der die Polizei verständigt habe. Am Abend habe einer der Zeugen, der Freund des Angeklagten, noch mehrmals mit ihm telefoniert. Einmal sei im Hintergrund das Opfer zu hören gewesen, wie es, wohlauf, nach einer Zigarette fragte. Nach Auswertung der Anruflisten durch die Polizei hatte allerdings zum vom Zeugen angegebenen Zeitpunkt kein Telefongespräch stattgefunden.

Die Verhandlung wird am Mittwoch (5. Oktober) fortgesetzt. Insgesamt sind acht Verhandlungstermine im Oktober angesetzt.