Wie der Geschäftsführer der Kli nikum Bayreuth GmbH, Roland Ranftl, gegenüber inFranken.de erläutert, gehört ein solcher Wechsel zum Tagesgeschäft. Die wirklichen Gründe für die Nichterfüllung des Vertrages von Arnd Hönig kenne er nicht. "Ich höre zwar Argumente, aber ob diese den wirklichen Motiven entsprechen, vermag ich nicht zu beurteilen." Bayreuth sei zwar kein Ballungsraum, aber eine liebenswerte Stadt mit attraktivem Umfeld. So gesehen trügen alle Standortfaktoren eigentlich dazu bei, ei ne berufliche Entscheidung positiv zu beeinflussen.

Als absolut nicht ungewöhnlich bezeichnet Roland Ranftl die Tatsache, dass bei einem Chefarztwechsel auch Oberärzte, sofern diese kei ne Möglichkeit auf die leitende Stelle haben, das Team verlassen. "Im Rahmen der normalen Karriereplanung eines Arztes ist es üblich, dass ein Assistenzarzt sich nach Abschluss seiner Facharztweiterbildung um eine Oberarztstelle bemüht. Wenn man einem solchen Arzt im eigenen Haus auf Grund der Vollbesetzung kurz-oder mittelfristig keine diesbezüglichen Perspektiven anbieten kann, ist ein anderes Haus aufgrund des Ärztemangels sicherlich froh darüber, einen gut ausgebildeten Arzt gewinnen zu können", so der Klinikum-Geschäftsführer.

Die Tätigkeit als Oberarzt sei ei ne "Sandwichstellung". Es gelte zum einen, die Assistenzärzte anzuleiten und ihnen eine gute Weiterbildung angedeihen zu lassen. Zum anderen fordere der Arbeitsbereich des Oberarztes, den Chefarzt beim Tagesgeschäft zu unterstützen. "Wer selbst Strukturen legen will, medizinische Fachbereiche weiter entwickeln oder aufbauen möchte, muss sich dann um die Stelle eines Leitenden Oberarztes oder eine Chefarztstelle bewerben, in der Regel weg bewerben, da diese Stellen sich in der Spitze der Pyramide befinden und im eigenen Haus normalerweise lebenslang belegt sind," erklärt Roland Ranftl.

Rotation ist allgemein üblich

So kommt es auch, dass ein Bayreuther Oberarzt in Kulmbach Chefarzt wird oder, wie erst kürzlich, ein Bayreuther Oberarzt die Stelle eines Leitenden Oberarztes in Kronach übernimmt. Dafür ist entweder ein hausinterner Arzt oder ein externer Bewerber froh, eine solche Möglichkeit eines Karrieresprungs in Bayreuth wahrzunehmen. So geschehen im kardiologischen Bereich. Also eigentlich nichts Ungewöhnliches.

An den Nachfolger auf die Chefarztstelle für Gynäkologie und Geburtshilfe, die notwendig wurde, da Agustinus Tulusan, seit 1994 Chefarzt, in den Ruhestand verabschiedet wurde, stellte man hohe Ansprüche. Gesucht wurde ein Top-Mediziner. Der Nachfolger sollte nahtlos an die Tulusan-Erfolge, die vor allem das Brustzentrum am Klinikum Bayreuth mit Behandlungsergebnissen rund 20 Prozent über anderen fränkischen Zentren betreffen, anknüpfen.

Wechsel der Oberärzte möglicher Absagegrund

Für die ausgeschriebene Stelle habe es 15 Bewerber gegeben, so Ranftl. Drei seien in die engere Auswahl gekommen. Arnd Hönig hätte man gerne im Klinikum gesehen. Als Grund für seinen Rückzug nennt Roland Ranftl möglicherweise die Tatsache, dass drei Oberärzte in der Gynäkologie sich gerade zu diesem Zeitpunkt neue Aufgaben gesucht haben.

Der neue Chef hätte also auf kein bewährtes Team zurückgreifen können. So gesehen keine leichte Aufgabe für den Neuen, besonders, da das Klinikum Bayreuth gerade im Bereich des Brustzentrums national und international einen ausgezeichneten Ruf genießt. "Durch die unerwartete Absage von Hönig kommen wir jetzt in Zeitdruck", sagt Ranftl, "wir sind ein Haus der Maximalversorgung mit 1100 Betten und haben hohe Anforderungen." Die Klinikum Bayreuth GmbH und die MedZentrum-Klinikum Bayreuth GmbH beschäftigen insgesamt 311 Ärzte, davon 88 Oberärzte, in 25 medizinischen Fachabteilungen.