Für Sabine Rüger wird der 9. Juni 2015 sicher für eine lange Zeit schmerzlich in Erinnerung bleiben. Der bei ihr geborene Welpe Katelyn wurde an diesem Tag Opfer eines sogenannten Giftköders und starb kurze Zeit später. In einem Leserbrief berichtete sie, wie ihr Jack Russel Terrier sechs Welpen geworfen hatte, und sie diese an neue Familien - darunter auch Welpe Katelyn an Besitzer aus Bayreuth - weitergab.

Vor kurzer Zeit waren die Halter des neugeborenen Hundes dann im Bayreuther Hofgarten unterwegs, ohne zu ahnen, wie verhängnisvoll dieser an sich harmlose Spaziergang für den Welpen werden würde. Katelyn fraß eine im Hofgarten versteckte Salami mit einer Rasierklingeund Rattengift, die jemand vorsätzlich platziert hatte.

"Die Hündin hat die ganze Nacht gejault und einen qualvollen Tod erlebt", berichtete Sabine Rüger. "Am nächsten Tag standen sogar Behörden vor der Tür der Hundebesitzerin. Nachbarn haben sie verständigt, weil sie dachten, das Tier sei gequält worden". Einen Tag nach dem Spaziergang starb der nicht mal ein Jahr alte Welpe an seinen schweren Verletzungen. Die neue Besitzerin brach nach dem Tod der Hündin zusammen und musste in ein Krankenhaus geliefert werden. Auch Sabine weinte tagelang und konnte es gar nicht fassen. Sie selber hatte den Hund mit der Flasche aufgezogen, wobei er sich prächtig entwickelt hatte. "Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen", erklärte Sabine Rüger.

Weitere Fälle im Landkreis Bayreuth, der Region und darüber hinaus

Der Fall von Katelyn bleibt kein trauriger Einzelfall und der Bayreuther Hofgarten nicht der einzige Tatort. Im Facebook-Forum "Giftköder Bamberg und Umgebung" weisen Mitglieder daraufhin, wo gefährliche Köder ausgelegt sein könnten oder teilen ihre ähnlichen Erfahrungen mit anderen Betroffenen. Einstimmig sind sie auch der Meinung, dass man in einem solchen Fall sofort einen Tierarzt aufsuchen sollte.

"Das ist zwar sehr wichtig", erklärte die tiermedizinische Fachangestellte Janine Semmler der Tierarztpraxis Dr. Zartner aus Bayreuth, doch "das einzige, was Tierärzte dagegen machen können, ist ein Gegenmittel zu spritzen", wenn Verdacht auf Giftaufnahme bestünde und das Tier dementsprechende Symptome zeige. Bei Erbrechen oder Durchfall benötige es zudem eine Infusion, um den Flüssigkeitshaushalt wieder auszugleichen. "Mehr kann man leider nicht machen". Sollte das Tier Gift gefressen haben, käme es von "Innere Blutungen, Verätzungen über Magenverbrennungen und Auflösung des Darms" zu allen möglichen Symptomen. "Die Anzeichen einer Vergiftung sind mannigfaltig", gab Semmler an.

In Katelyns Fall sprachen viele Symptome dafür, dass der Hund vergiftet wurde. Zusammen mit der neuen Besitzerin ging Sabine Rüger zur Polizei, wurde jedoch enttäuscht. Man sagte ihnen, sie sollten sich keine Hoffnungen machen, dass der Täter gefasst werden würde. Auf Nachfrage erklärte der Pressesprecher des Bayreuther Polizeipräsidiums für Oberfranken, Jürgen Stadter, es sei "schwierig, den unbekannten Täter zu fassen, weil die Köder ja gefressen werden und es daher kaum Spuren gibt."

Diese Tatsache ist für Sabine Rüger schwer zu akzeptieren. "Die Worte der Polizei waren für uns schockierend", berichtete sie. Immerhin sei für sie ein Haustier ebenfalls ein Teil der Familie, dessen Verlust sie ähnlich stark betrauern würden wie den eines menschlichen Familienmitgliedes. Die Besitzerin von zwei Hunden "möchte versuchen, "etwas zu bewegen", denn momentan könne sie nicht mehr entspannt mit ihren Haustieren Gassi gehen. "Es kann doch nicht ewig so weitergehen", sagte sie verzweifelt.

Laut Polizeiangaben noch keine Spur zu den Tätern

Jürgen Stadter konnte keine genaue Angabe dazu machen, wie viele Anzeigen eines solchen Giftköder- Falles es bislang in Bayreuth und im Landkreis gab, äußerte jedoch: "Die Zahlen waren nicht exorbitant hoch. Es gab einen Vorfall im Bayreuther Hofgarten und zwei bis drei weitere im Landkreis". Der Grund dafür sei aber wohl, dass die wenigsten Hundebesitzer die Vorfälle polizeilich melden würden. Die Ermittlungen zu dem gemeldeten Vorfall im Bayreuther Hofgarten seien noch nicht abgeschlossen, es gäbe aber bislang keine Spur. "Es gab zwar immer mal wieder Hinweise, aber keine erfolgsversprechenden", äußerte Stadter. Zu den Ermittlungsschritten gab er an: "Polizisten haben den Hofgarten mit Diensthunden abgesucht, natürlich mit entsprechender Vorsicht, damit die eigenen Hunde nicht auch einen der Köder aufnehmen", des Weiteren habe man "den Streifendienst mit einbezogen, allerdings nicht ständig". Abschließend fügte der Pressesprecher hinzu: "Wenn es zum Zeitpunkt X nicht ausreichend Hinweise zu dem Vorfall gibt, wird man sicherlich die Ermittlungen einstellen". Generell sei ein Auslegen solcher Köder eine Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. In diesem steht in Paragraf 17: "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt."

Tierrechtsorganisation Peta gibt Erste-Hilfe-Tipps für betroffene Hundebesitzer

Da diese Fälle wohl in ganz Deutschland schon vorkamen, äußerte sich auch Judith Pein von Peta auf der offiziellen Seite der Tierrechtsorganisation dazu: "Der oder die Täter müssen schnellstmöglich gefasst werden, damit die Vierbeiner wieder sorglos spazieren geführt werden können". Peta gibt den betroffenen Hundebesitzer Erste-Hilfe-Tipps:

- Bei Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Durchfall, starker Unruhe oder Apathie, einer gelblichen Verfärbung der Schleimhäute, blassem Zahnfleisch, großen Pupillen, Atembeschwerden, Krämpfen oder motorischen Störungen muss sofort gehandelt und der Tierarzt aufgesucht werden, denn Gift wirkt schnell

- Der Hund sollte beruhigt und angeleint werden. Ein Maulkorb oder eine Maulschlinge darf nicht angelegt werden, da Erstickungsgefahr bei Erbrechen droht

- Ist das Tier bereits bewusstlos, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht und die Atemwege freigehalten werden

- Für eine schnelle Diagnose ist es sinnvoll, eine Probe des Köders oder des Erbrochenen mit zum Tierarzt zu nehmen (Quelle: Peta)

Als Reaktion auf die Giftködervorkommnisse fordert Peta ein zentrales Meldesystem. Dadurch könnten Menschen die betroffenen Regionen sofort erkennen und ihre Kinder und Haustiere vor den Gefahren schützen. Einige inoffizielle gibt es schon, zum Beispiel die Website Giftköderradar.

Sabine Rüger bittet alle betroffenen Hundebesitzer, Anzeige zu erstatten

Solange die Täter nicht gestellt werden und noch unterwegs sind, bleibt Hundebesitzern nichts anderes übrig, als besondere Vorsicht walten zu lassen. Man kann jedoch auch selbst aktiv werden. So berichtete die tiermedizinische Fachangestellte Janine Semmler davon, dass sich Hundebesitzer auf Facebook verabredet hätten, um gemeinsam Parks nach Hundeködern abzusuchen. Dabei seien sie auch fündig geworden. Auf besonders hinterhältige Weise haben die Hundehasser die Köder unter Büschen so versteckt, dass zwar Menschen sie ohne genauer hinzusehen nicht bemerken, ihre Hunde sie aber natürlich sofort wittern und höchstwahrscheinlich auch fressen würden. Und auch Katelyns Besitzerin fand drei weitere Giftköder im Hofgarten, die sie sorgfältig entsorgte. Bis jetzt ist unbekannt, wie viele dieser Köder immer noch im Hofgarten und anderen Parks verborgen liegen könnten. Sabine Rüger rät jedem Betroffenen: "Auf jeden Fall alle Vorfälle zur Anzeige bringen". Dafür kann man sich bei jeder Polizeidienststelle, zum Beispiel in Bayreuth unter der Nummer 0921/506-2130 melden.