Doch genau das tat sie und der heute 36-Jährige wurde wegen Mordes an der kleinen Peggy verurteilt. Im neu aufgerollten Prozess um das Verschwinden der kleinen Peggy in Oberfranken hat der frühere Verteidiger des Angeklagten Ulvi K. weitere Vorwürfe gegen die damaligen Ermittler erhoben. "Nach meinem Gefühl wurden Termine für Vernehmungen auch absichtlich auf Tage gelegt, an denen ich keine Zeit hatte oder im Urlaub war", sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth. Er sei außerdem vom Leiter der Soko unter Druck gesetzt worden.

Peggy verschwand am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Im Herbst 2002 legte Ulvi K. überraschend ein Geständnis ab - als sein Anwalt nicht mehr dabei war. Von diesem Geständnis gibt es zudem nur ein Gedächtnisprotokoll der Ermittler. 2004 wurde Ulvi K. in einem Indizienprozess wegen Mordes an der Schülerin zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Geständnis war der Tat-Rekonstruktion der Ermittler verblüffend ähnlich, was aber erst Jahre nach der Verurteilung bekanntwurde - deshalb wird der Fall neu aufgerollt.

Der ehemalige Verteidiger bezeichnete Ulvi K. als "Märchenerzähler". Deshalb habe er es zunächst auch als belanglos empfunden, was sein Mandant den Ermittlern berichtete. Nach Angaben des damaligen Soko-Leiters soll der Jurist zu Ulvi K. wörtlich gesagt haben: "Wenn Sie geholt werden, gehen Sie mit und machen auch alles mit."

Die Staatsanwaltschaft konfrontierte den Anwalt mit alten Protokollen. Demnach war er einverstanden, dass Ulvi K. befragt wurde, obwohl sich der Verteidiger im Urlaub befand. Die Arbeit in dem Fall sei eben sehr umfangreich gewesen, sagte Anwalt dazu.

Am Dienstag sagten auch die Eltern des Angeklagten aus. Der 68 Jahre alte Vater konnte sich nur sehr schlecht an jenen 7. Mai 2001 erinnern. Am Abend habe er seinen Sohn gesucht, damit dieser nicht sein ganzes Geld in einer Spielhalle verspiele, sagte er. Dass er allerdings öfter nach Ulvi gesucht habe, wie es im Protokoll seiner damaligen Vernehmung steht, bestritt er nun vehement. Das sei eine Lüge, sagte er. Ulvi K. hatte seinen Vater damals beschuldigt, ihm bei der Beseitigung der Leiche geholfen zu haben. Diese Aussage hatte er aber später wieder zurückgenommen. Danach gefragt, sagte der 68-Jährige am Dienstag: "Als ich das hörte, lächelte ich ein wenig darüber." Schließlich habe Ulvi erst einen Freund beschuldigt, dann einen zweiten Freund und beim dritten Mal schließlich ihn.

Ulvis Mutter konnte sich besser an den Tag von Peggys Verschwinden erinnern. Sie will ihren Sohn gegen Mittag geweckt haben. Dann habe es Hasenbraten mit Klößen gegeben, bevor Ulvi zu einem Bekannten zum Holzschlichten gegangen sei. Sie beschrieb ihren Sohn als einen gutmütigen, aber schlichten Kerl, der von manchem im Dorf ausgenutzt worden sei. Anderen sei er auch auf die Nerven gegangen, sagte sie - weil er alles immer mehrmals erzählt habe. "Der war im Wiederholungsverein", meinte sie.