Kein Frankenlied. Die Städtische Blaskapelle Bayreuth hat es eher mit den symphonischen Stücken - und so steht Bayerns Landesvater Horst Seehofer Sonntagnachmittag beim "Tag der Franken" auf dem Marktplatz von Bayreuth ohne die Hymne der Gastgeber da. Macht nix, dirigiert er eben einen Marsch. Und zieht nach Rückgabe des Taktstocks den Vergleich: "Das Blasorchester ist wie das bayerische Kabinett: Ich kann dirigieren, was ich will - die spielen ja doch, was woll'n."

Franken können stur sein. Seehofer nennt es "beharrlich". Und er lobt die Dynamik in Sachen Wirtschaftsentwicklung gerade in Oberfranken. "Franken ist ein starkes Stück Bayern", sagt er. Er fühle sich hier "fast schon wie im Vorhof zum Paradies". Aber politisch? Eher Feigen- statt Ruhmesblatt. Am Rande der Bedeutungslosigkeit, wie es ein Bürger auf einem Schild und mit simpler Rechnung vor sich herträgt: null Landesminister aus Oberfranken. Was sich ändern soll, entgegnet Seehofer. Eine Art Heimat -Ministerium (ohne den verfänglichen Zusatz "Propaganda", versteht sich) will er im Norden Bayerns ansiedeln, zur Stärkung der Region. "Wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen." Jubel unterm Marktschirm. Ein Besucher mutmaßt, damit solle wohl der ungeliebte Markus Söder weggelobt und als Heimat minister auf Nürnbergs Kaiserburg endgelagert werden.

Stummer Protest für Gustl Mollath

Derweil nähert sich Manfred Pittroff der Regierungsbierbank. Gewandet in Rot-Weiß und mit Guttenberg-Unterschrift auf dem Zylinder, will er Seehofer die Meinung geigen. Zu viel Oberbayern für Oberfranken, findet der "Ganzjahresfranke", wie sich der Bayreuther tituliert. Er schimpft. Ein paar Meter daneben steht Harald Richter, 74, aus Weismain; er trägt seine Botschaft wortlos vor. Was er zu sagen hat, steht auf dem Shirt: Freiheit für Mollath. "Ich werde mich den Oberen so lange in den Weg stellen, bis dieser Justizskandal ein Ende hat." Oben auf der Bühne spielen sie "Oh when the Saints."

Später, beim Festakt im Herzogkeller: wieder kein Frankenlied. Dafür Wagner, immerhin Wahlfranke. Auch so kann Franken klingen. Oder, wie es Bezirksheimatpfleger Günter Dippold in seinem Vortrag zusammenfasst: wie die Melange aus Bambergs Domgeläut, der Limmersdorfer Kerwamusik und Sambaklängen aus Coburg. Wer braucht da das Frankenlied?