Ein grauer Nachmittag in Bischofsgrün im Fichtelgebirge. Viel Schnee liegt nicht mehr, aber um den Ortskern sammelten die Wintersportfreunde von "Snow-Sports-Entertainment" die Reste in großen Haufen. Heuer haben sie auch Kunstschnee produziert, zur Sicherheit.

"Immerhin regnet es nicht", sagt Michael Baumgärtel,einer der Gesellschafter, während uns der Wind ins Gesicht bläßt und über unseren Köpfen eine acht Quadratmeter große Holzplatte schwebt. Mit einem Kran wird sie in ein Stahlgerüst eingepasst. Heute (21. Februar) ist der zweite Tag, an dem die sechs Freunde von "Snow-Sports-Entertainment" zusammen das Gerüst aufbauen. Von früh um sieben Uhr bis zum Anbruch der Dunkelheit. Auf dem Gerüst mit einer Gesamtbreite und Höhe von je zwölf Metern werden am Wochenende rund 20 Snowboarder und Freeskier ihre Tricks vorführen, nachdem es von mehreren Tonnen Schnee bedeckt wird. Denn dann findet zum vierten Mal in Folge die "Schnemann-Railjam" statt.


Schneemann aus Schnapsidee



Begonnen hat alles mit einer Gruppe von wintersportbegeisterten Jugendlichen aus Bischofsgrün, die sich auch mit der Zeit einen eigenen Snow-Park errichteten. "Wir fahren viel Snowboard und haben uns zusammen Videos von den großen Railjams in den USA und Schweden angeschaut", erzählt Baumgärtel. Zuerst beschloss der Freundeskreis, auch mal einen solchen zu besuchen. "Danach haben wir uns in der Kneipe getroffen und die Schnapsidee gehabt, selbst einmal einen Railjam zu organisieren."

Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) wurde gegründet, Sponsoren aufgetrieben und die Erlaubnis der Stadt eingeholt. "Das ging echt reibungslos. Wir haben ein Riesenglück, dass der Bürgermeister (Stephan Unglaub) die Jugend vor Ort so gut es geht unterstützt", sagt Baumgärtel. Das war im Jahr 2014. Der Railjam findet seitdem am Wochenende vor dem Rosenmontag statt, an dem das Schneemannfest in Bischofsgrün gefeiert wird. Dort steht dann jedes Jahr Deutschlands größter Naturschneemann. Deshalb auch der Name "Schneemann-Railjam".


"Was draus machen"



Gerüst, Zuschauerzahlen, Teilnehmer und Professionalität sind in jedem Jahr weiter gewachsen. Und auch der Aufwand. "Wäre ich kein Student, könnte ich das nicht stemmen", sagt Baumgärtel, der Mediendesign in Hof studiert. Ein Jahr lang dauert die Planung, in der Woche vor der Veranstaltung sind die Freunde von früh bis abends mit dem Aufbau beschäftigt. Die Holzpaletten haben sie heuer vorgebaut, den Schnee gesammelt, die Sponsorenliste erweitert. Die Energy-Drink Marke "Red Bull" ist etwa dabei. Größtenteils kommen die Geldgeber aber aus der Region. Die Veranstalter vermieten Werbebanner. Die Mitgründer Ulrich Gandorfer, Inhaber einer Gerüstfirma, und Alexander Reichel, Inhaber eines Sägewerks, liefern das Material. Die jungen Menschen der Gemeinde halten zusammen. "Und alle stecken ihr Herzblut rein. Sonst wäre das nicht möglich", sagt Baumgärtel. Neben dem Kern von sechs Gesellschaftern helfen Freunde aus dem Ort, die ebenfalls hinter dem Projekt stehen. "Wir machen das in erster Linie für uns und unseren Ort", so Baumgärtel, "aber auch für die Region. Es gibt hier viel Potential, man muss nur was draus machen."

Dass sich die Gesellschafter von "Snow-Sports-Entertainment" nach der Veranstaltung selbst etwas auszahlen können, sei noch Zukunftsmusik, so Baumgärtel. "Aber voraussichtlich schaffen wir es in diesem Jahr, uns für kommende Saison etwas beiseite zu legen", sagt er. Denn heuer organisieren sie auch die Party, die neben und nach dem Wettbewerb stattfindet, haben also auch Einnahmen aus dem Getränkeverkauf.


Teilnehmen noch möglich

Für die teilnehmenden Fahrer gibt es verschiedene Preise in verschiedenen Kategorien: Einen Geldpreis für den ersten Platz, Lift-Gutscheine, Pullover, Mützen und weitere Sachpreise.

"Jeder, der es sich zutraut, kann sich auch noch vor Ort anmelden. Wir haben keine Höchstgrenze. Alles ganz entspannt", sagt Baumgärtel, der mit 15 bis 20 Wettbewerbsteilnehmern rechnet. Außerdem kann sich jeder zu Beginn der Veranstaltung an den Hindernissen austesten. Oder einfach das Spektakel genießen.


Programm

Samstag, 25. Februar
- 16 Uhr: Übungslauf
- 18 Uhr: Beginn 1. Run
- Musik vom Red Bull Tour Truck
- 23 Uhr: Ende

Sonntag, 26. Februar
- 13:30 Schnuppertraining Skisprung/Snowboard