Nach Bekanntwerden mutmaßlicher Missstände am Klinikum Bayreuth hat der Aufsichtsrat Konsequenzen gezogen. Das Gremium entschied nach einer mehrstündigen Sitzung, dass Klinikum-Geschäftsführer Roland Ranftl mit sofortiger Wirkung freigestellt wird. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Landrat Hermann Hübner, wurde beauftragt, mit Ranftl über eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu verhandeln. Es wurden zudem erste Weichen für eine tragfähige Interimslösung gestellt.

Demnach solle eine interne und externe Kommission eingesetzt werden, die die Organisationsabläufe im Bereich der Geburtshilfe, der Thematik Beatmungszeiten und der Thematik TAVI (Aortenklappenersatz) untersuchen und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge unterbreiten sollen. Auch das Thema Notaufnahme wird einer kritischen Analyse unterzogen. "Der Aufsichtsrat sieht hier Handlungsbedarf und erwartet zügige Verbesserungsvorschläge", heißt es in einer ersten Presseerklärung der Stadt Bayreuth. Angedacht ist zudem eine Erweiterung der Geschäftsführung. Neben einem Kaufmann könnte es künftig auch einen medizinischen Geschäftsführer und einen Pflegeexperten in der Führung des Klinikums geben.


Klinikum braucht "kompletten Neustart"
Bei einer Pressekonferenz unmittelbar im Anschluss an die Krisensitzung wiesen die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und Landrat Hermann Hübner darauf hin, dass mit diesen Entscheidungen keinesfalls alle Probleme des Klinikums gelöst sind. Es seien weitere Schritte vonnöten, für die jetzt die ersten Weichen gestellt wurden.

Merk-Erbe unterstrich, dass das Klinikum "einen kompletten Neustart" brauche. Die jetzt getroffenen Beschlüsse seien ein Signal, dass der Aufsichtsrat "dem massiven Vertrauensverlust" nach innen wie nach außen entgegentritt.

Geschäftsführer Ranftl soll dem Krankenhaus einen strikten Sparkurs verordnet haben, der dem Vernehmen nach möglicherweise zu Behandlungs-Pannen geführt haben könnte. Einem anonymen Hinweisgeber zufolge hatten zwischen 2008 und 2011 drei Neugeborene durch Fehlbehandlungen schwerwiegende Dauerschäden davongetragen, ein Baby soll sogar gestorben sein.