Mann und Frau passen einfach nicht zusammen. Diese Erkenntnis ist so neu nicht. Schon vor 400 Jahren und weit davor bewegte dieser Urkonflikt die Geschlechter. Seltsam, dass das Menschengeschlecht dennoch nicht ausgestorben ist und sich weiter munter vermehrt. Immerhin verdanken wir dem ältesten Krieg der Geschichte - denken wir nur an das nicht gerade paradiesische Gezänk zwischen Adam und Eva - hervorragende künstlerische Hervorbringungen. William Shakespeares Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" ist eine davon.

Eins der beliebtesten Stücke des Meisters, gut 400 Jahre alt und auch heute immer wieder aufgeführt. Doch halt! Geht das noch? Darf man das? Wird da nicht die Unterwerfung einer selbstbewussten Frau gefeiert? Schon, aber ... Ambivalenzen herauszuarbeiten ist gerade der Reiz für Regie und Darsteller. In diesem Fall Andreas Ulich sowie Aline Joers und Stephan Bach.

Nur zwei Personen stehen auf der Besetzungsliste für den jüngsten Coup des "Theaters im Gärtnerviertel" (TiG). Deswegen heißt es auch ehrlich und vorbildlich "Widerspenstig/Zähmung" nach William Shakespeare. Doch keine Angst, diese Inszenierung im Geschäft Betten Friedrich in der Oberen Königstraße lässt mehr von Shakespeares Text und Intentionen übrig als so mancher opulenter ausgestattete Regietheater-Reinfall.

Freilich müssen die beiden Protagonisten neben den Haupt- (Petruchio und Katharina) diverse andere Rollen übernehmen, müssen die Nebenhandlungen gestrichen werden. Wenn das so klug und kenntnisreich geschieht wie in diesem Fall, kommt das dem Drama und der Übersichtlichkeit nur zugute. Klug ist auch, wie durch einige wenige Ausstattungsstücke (Kostüme Tessa Friedrich) dem Zuschauer signalisiert wird: Achtung, eine neue Rolle!

Rhythmisierte Sprache

Die Geschichte ist bekannt: Die kratzbürstige Katharina muss verheiratet werden, ehe ihre sanftmütigere Schwester unter die Haube kommt. Petruchio nimmt diese Last auf sich, des Geldes wegen. Allen psychologischen und soziologischen Implikationen zum Trotz bleibt "Widerspenstig" doch eine Komödie.

Eine Komödie, die von der rhythmisierten Sprache lebt (Übersetzung Tieck/Baudissin), in der Stephan Bach gewohnt solide agiert, Aline Joers jedoch zur Höchstform aufläuft. Sie kann mittlerweile alles, doch das Komische ist doch ihr ureigenstes Metier, in dem sie Außerordentliches leistet. Man muss gesehen haben, wie sie als greiser, leicht vertrottelter Vater Baptista gebeugt über die kleine Podest-Bühne mehr wankt als geht, wie sie die Augen rollt, verschmitzt lächelt, dann wieder unvermittelt aufs Ernste umschaltet, verdrießlich, schließlich resigniert sich fügt - und doch wieder nicht.

Stephan Bach gibt ganz den selbstbewussten Macho, auch sprachlich mit "Käthchen" statt "Katharina" sein Ehegespons erniedrigend. Man könnte über diesen Geschlechterkampf endlos meditieren und assoziieren, und im Programmheft ist das mit Reflexionen über den Modebegriff "toxische Männlichkeit" und Auslassungen der Jungfeministin Laurie Penny auch getan worden.

Der Auftritt der Diener Grumio und Curtis (eine meisterhaft gespielte Szene!) lässt erahnen, dass die Geschlechter- auch eine Klassenfrage ist. Doch keine Angst: Ulich macht kein verquältes Thesendrama aus der Vorlage. Geschickt baut er in ein Vorspiel, gleichzeitig eine Einführung in die Handlung, aktuelle Debatten ein. Und die große Unterwerfungserklärung der Katharina zum Schluss wird gebrochen und ironisiert.

Ein sehenswertes Zweier-Drama ist so entstanden, das im dicht besetzten Bettengeschäft viele auch ältere Paare genossen. Irgendwie muss es also doch funktionieren mit der Zweisamkeit.

Spielort Betten Friedrich, Obere Königstraße 43 Weitere Vorstellungen 24., 28., 29., 30. März, 4., 5., 7., 12., 13. April Karten Betten Friedrich, Tel. 0951/27578; BVD, Tel. 9808220 Dauer rund zwei Stunden, eine Pause