Nicht nur erschwingliche Wohnungen sind in Bamberg Mangelware. Auch Künstler haben auf der Suche nach bezahlbaren Ateliers ihre liebe Not. Davon können zur Zeit Adelbert Heil und Christiane Toewe ein Lied singen. Beide brauchen spätestens im Herbst neue Werkstätten.

Provisorium währte lang


Noch arbeiten sie in einem alten Gebäude an der Pfeuferstraße, das der Stadt gehört. Vor 17 Jahren durften sie einziehen, bis auf Weiteres. Die alte Werkstatt diente einmal der Aufzucht von Jungpflanzen, als das Neubaugebiet rund um den Graf-Stauffenberg-Platz noch Gärtnerland war. Heute dürfte das Haus das letzte Zeugnis für diesen Berufsstand im Stadtteil Insel sein. Auch deshalb bedauert Christiane Toewe es ausdrücklich, dass der Abbruch beschlossene Sache ist. Spätestens im Oktober, nach der Landesgartenschau, müsse die Fläche geräumt sein, damit sie mit Fernwärme erschlossen und ab Frühjahr bebaut werden könne. So sieht laut Christian Wonka, Leiter des städtischen Gebäude-Managements, der Zeitplan der Verwaltung aus.

Seit geraumer Zeit weiß Adelbert Heil, dass er heuer ausziehen muss. Seitdem sucht er nach einer neuen Bleibe. Alle seine Kontakte hätten ihm dabei bisher nicht wirklich genützt, sagt er. Deshalb wandte er sich mit der Bitte an die FT-Lokalredaktion, seinen "Fall" öffentlich zu machen. Eine Werkstatt, in der er jeden Tag arbeiten kann, sei für ihn existenziell, betont der freiberufliche Bildhauer. 40 bis 60 Quadratmeter groß, ebenerdig mit Freifläche und ruhig gelegen soll sie sein. Davon abgesehen ist der gelernte Schlosser und Steinmetz nicht wählerisch. Im Gegenteil: Er empfiehlt sich für "Immobilien, die keiner kaufen will und in denen keiner wohnen will. Dafür wäre ich der ideale Mieter". Seine Begründung: Er könne viel selber herrichten.

Christiane Toewe hält inzwischen ebenfalls Ausschau nach neuen Räumen. Eigentlich wollte sie ein Atelier an ihr Wohnhaus anbauen, hat schon die Baugenehmigung. Was sie davon Abstand nehmen lässt, sind die Kosten. Sie übersteigen deutlich die Kalkulation der Bambergerin: "Mit Kunst arbeitet man das ja nicht wieder 'rein."
Anders als Heil, der sich verkleinern möchte, muss Toewe die größten Bestandteile ihrer Werkstatt mitnehmen. Sie ist bei ihrer Arbeit mit Porzellan auf einen schweren Brennofen angewiesen, das Herzstück ihres Ateliers. Seinetwegen braucht sie einen ebenerdigen Zugang, eine gute Statik, die Möglichkeit, einen Gastank aufzustellen, einen Schornstein und Abstandsfläche zur Nachbarbebauung.

Große Objekte müssen 'raus


Heil will sich vor der Räumung seines Ateliers von einer Reihe großer Abgüsse und Skulpturen trennen. Gegen eine Aufwandsentschädigung und den Transport wäre der Bildhauer bereit, sie Kindergärten, Kliniken oder ähnlichen halböffentlichen Einrichtungen, die dafür Platz haben, zu geben. Er sagt: "Ich will daran nichts verdienen."
Sein fast zwei Meter langes und einen Meter hohes Gipsmodell eines Kapitells der Alten Nationalgalerie Berlin würde er angehenden Bauforschern oder Architekten als Anschauungsobjekt überlassen.