Ein Glückstreffer! Monika Reh hat in ihrem Leben noch nie etwas gewonnen und jetzt das: Eine Energieberatung fürs Haus. Das trifft sich gut. Denn Familie Reh hat viel vor: Sohn Fabian (23) will das Dachgeschoss noch mehr nutzen als jetzt und Tochter Ines (29) wird ins Erdgeschoss des Zweifamilienhauses ziehen. Das Parterre ist Baustelle par exce llence total entkernt und gibt damit aufschlussreichen Einblick in die Bausubstanz. Norbert Reh (57) hat sich unter 14 Experten Barbara Janik ausgeguckt, "weil er jemand ganz Anderen das Haus begutachten lassen möchte."

Ein Glückstreffer ist da dieses Angebot der Klima-Allianz von Stadt und Landkreis. Die fördert seit Mai diesen Jahres die "Initialberatung Energiesparen". Sie wurde bislang etwa 30 mal in Anspruch genommen. Kosten: 350 Euro. 200 Euro gibt's von der Klima-Allianz als Förderung, die restlichen 150 Euro trägt der Hausbesitzer. Doch dank des glücklichen Händchens von Monika Reh, ist ihre vollkommen kostenfrei.

Ein Glückstreffer, denn Rehs haben Entscheidungen zu treffen, die weit reichende Folgen haben, vor allem aber Geld kosten, und das wollen Rehs so effizient wie möglich einsetzen.

Ein Glückstreffer war da die Energiemesse im Kreisbauhof. Dort ist der gelernte Kfz-Mechaniker Norbert Reh beschäftigt. Gattin Monika (57) sah sich um und zog beim Gewinnspiel für die Familie sozusagen das große Los. Das kommt nun gerade recht. Denn die Familie möchte, wie Vater Norbert Reh es formuliert, "was Vernünftiges machen". Man hört sich schon seit geraumer Zeit intensiv um. "Aber die einen sagen so, die anderen so", gibt Sohn Fabian wieder. Jetzt muss die Expertin ran. Barbara Janik ist somit ein echter Glücksfall, denn die Architektin und Energieberaterin ist intensiv in die Energie-Materie eingearbeitet. Vor ihrem Besuch freilich gab es schon telefonischen Kontakt. Das ist wichtig, um anhand von Daten wie Zahl der Hausbewohner und Energiebedarf Vorarbeit zu leisten.

Heizung steht zur Diskussion

Energie ist das zentrale Thema und Rehs haben eine Ölzentralheizung, die zur Diskussion steht. Vorausschauend haben Rehs bereits einen Gasanschluss im Haus, weil in der Nähe Leitungen verlegt wurden. Aber auch Pellets wären eine Möglichkeit. Doch bevor es in Details geht, nimmt Barbara Janik das in den 60ern errichtete und in den 70ern erweiterte und aufgestockte Gebäude in Augenschein. "Ich fange immer im Dach an und arbeite mich zum Keller vor", erklärt sie. Weil Norbert Reh an dem von seinen Eltern errichteten Anwesen mitbaut, seit er denken bzw. helfen kann, kann er gut mitreden. Janik und Reh sprechen die gleiche Sprache.

Im Dach geht es natürlich um Dämmung und wie die bestehende Substanz dafür optimal genutzt werden könnte. "Wie viel Holz, wie viel Dämmung," fasst die Architektin hier die zentrale Fragestellung zusammen. Wollen Rehs eher einen sommerlichen Wärmeschutz, also die Wärme draußen halten, oder eher die von drinnen am Austreten hindern? "Sie haben einen wahnsinnigen Wärmedurchgang", stellt die Architektin fest. "Früher hat man so gedämmt," sagt Reh fast entschuldigend mit Blick auf, das was Barbara Janik hier so findet.

Keine Kältebrücken

"Früher", das sind die Begriffe, die Norbert Reh bemüht. "Heute," beginnen die Sätze, mit denen die Architektin auf aktuelle Alternativen verweist. Kältebrücken sind übrigens falsche Begriffe, lernen Rehs. Eigentlich müsste es Wärmebrücke heißen, weil ja eben Wärme abfließt. Das ist neu für Rehs bei diesem Termin, ebenso wie die Erkenntnis, dass die totale Dichtigkeit, also Dämmung außen und innen, eher kontraproduktiv ist, weil Feuchtigkeit nicht raus geleitet wird. Die Dachgauben können bleiben, bestätigt Barbara Janik nach intensiver Nachfrage. Mutter Monika atmet auf. "Wenigstens das." Soll das Gebäude allerdings optimal saniert werden, "sind 100 000 Euro gar nichts", stöhnt nun ihr Ehemann vernehmlich auf.

Barbara Janik hat Einsehen. Etliches sei Abwägungssache, zwischen dem was absolut notwendig und dem was finanzierbar ist. Für etliches stehen auch diverse Fördertöpfe parat. In Sachen Sparen hat sie auf der Basis von Rehs Angaben auch schon konkrete Ansätze errechnet. Beim Umstellen auf Gas würden Rehs jedes Jahr gut 1000 Euro sparen, bei Pellets nochmal 600 mehr. Sie gibt aber Investitions- und Raumbedarf für Pellets zu bedenken. Wenn's an genaue Berechnungen geht, dann müsste das eigens bezahlt werden, lässt die Architektin wissen.

Nach gut einer Stunde ist der Rundgang zu Ende. Die Notizen der Architektin sind Grundlage für ihren Bericht, den sie Rehs zukommen lässt. Abzurechnen braucht man in dem Fall nichts, sonst läuft alles direkt zwischen Energieberater und Hausbesitzer, erklärt Stefanie Küssner von der Klima-Allianz. Hier gibt es Informationen für die an Energieberatung interessierten privaten Besitzer von vor 1995 errichteten Häusern bzw. solchen, die um nicht mehr als die Hälfte verändert wurden, Tel. 0951/871 724.

Diese Beratung war ein Glücksfall für Rehs: "Gut, dass Sie gekommen sind", verabschieden sie Barbara Janik.