Zu Unrecht stehen die Bezirkswahlen meist im Schatten der Landtagswahlen. Im Stimmkreis Bamberg-Stadt lieferten sie einen spannenden Wahlkrimi, der noch nicht ganz zu Ende ist. Fest steht mittlerweile, dass der Hallstadter Bürgermeister mit 16 862 Erststimmen (28,15 Prozent) den Einzug in den Bezirkstag geschafft hat. Über die SPD-Liste sollte das auch dem Bamberger Oberbürgermeister und Bezirkstagsvizepräsidenten Andreas Starke gelingen, der sich mit 19,44 Prozent begnügen musste - fast zwölf Prozent weniger als 2013. Stark präsentierte sich auch Grünen-Kandidat Andreas Lösche (19,06 Prozent), der ebenfalls über die Liste in den Bezirkstag einziehen könnte.

Dreikampf im Stadtgebiet

"Ich bin natürlich sehr froh, dass wir das Direktmandat halten konnten. Für einen Landkreis-Bürgermeister ist es in diesem Stimmkreis ja nicht ganz so einfach, da zwei Drittel der Stimmen aus dem Stadtgebiet kommen", sagt Söder. "Es war eine schwierige Wahl mit zwei starken Mitbewerbern." In der aktuellen Großwetterlage sei das schon ein gutes Ergebnis, auch wenn man als CSU früher anderes gewohnt war. "Wir haben sehr gekämpft in der Region, ich wurde mit offenen Armen von den Bambergern empfangen, hatte ein tolles Team und sehr viele Helfer", sagt der CSU-Politiker.

"Ich gratuliere Bürgermeister Söder zu seinem Erfolg", erklärt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) am Tag nach der Wahl. Er werde wie bisher über die oberfränkische Liste im Bezirkstag vertreten sein und freue sich "auf die Zusammenarbeit mit noch mehr Vertretern aus Bamberg Stadt und Land". Landtags- und Bezirkstagswahlen seien anders als Persönlichkeitswahlen zu sehen, weil sie sich vom allgemeinen Parteientrend nicht völlig abkoppeln könnten. Entsprechend könne man daraus auch keine Schlüsse für die 2020 anstehenden Kommunalwahlen ziehen. "Angesichts des bayernweiten SPD-Desasters war dieses Ergebnis letztlich keine Überraschung mehr. Es bleibt ein schwacher Trost, dass ich das Zweitstimmen-Ergebnis der SPD fast verdoppeln konnte." Bei der SPD müsse nun alles auf den Prüfstand. "Wer jetzt nicht den Schlag gehört hat, der hört ihn auch nicht mehr."

Bevor auch die Ergebnisse aus den zum Stimmkreis gehörenden Kommunen Hallstadt, Priesendorf, Bischberg, Oberhaid, Viereth-Trunstadt, Walsdorf, Stegaurach und Gundelsheim feststanden, sah es in der Stadt Bamberg nach einem spannenden Dreikampf aus, den Söder mit 23,9 Prozent knapp vor Lösche (23,55) und OB Starke (23,07) für sich entschied. Im Landkreis legte dann aber Söder klar zu, während Starke etwas weniger verlor als Lösche.

"Bei einem schwierigen bayernweiten Ergebnis für die CSU ist die Strategie der Bamberger CSU voll aufgegangen", sagt CSU-Kreisvorsitzender Christian Lange. "Wir hatten nur eine Chance, nämlich einem erfolgreichen SPD-Oberbürgermeister einen erfolgreichen CSU-Bürgermeister aus einer Außengemeinde entgegenzusetzen."

Auf die neuen Aufgaben freut sich derweil Söder: "Der Bezirk setzt klare Schwerpunkte in den Bereichen Soziales, Gesundheit und Kultur, da gibt es viel zu tun, die Herausforderungen nehmen noch zu." Dass die zusätzliche Aufgabe ihm seine Arbeit als Hallstadter Bürgermeister erschweren könnte, glaubt Söder aber nicht: "Da überlappt sich einiges, viele Punkte betreffen einen sowohl als Bürgermeister als auch alle gemeinsam."

Reicht es auch für Lösche?

Bei Andreas Lösche war am Montagnachmittag noch Zittern angesagt. Sollte auch er als einer der beiden stärksten oberfränkischen Grünen-Kandidaten in den Bezirkstag einziehen? "Platz 2 wird sich ausgehen", meint Lösche. Zu diesem Zeitpunkt waren freilich längst noch nicht alle oberfränkischen Ergebnisse ausgezählt und so erfährt Lösche wohl frühestens am heutigen Dienstag, ob es für ihn reicht. "Ich bin eigentlich ganz zufrieden", sagt der Grünen-Kandidat über sein Ergebnis "Und dass ich in der Stadt besser als der Oberbürgermeister abgeschnitten habe, ist schon außergewöhnlich." Thomas Söder, einem seiner "zwei starken Mitbewerber", gratuliert er zum Erfolg.

Sollte es mit dem Einzug in den Bezirkstag auch für Lösche klappen, möchte er die Bezirkskliniken noch attraktiver für Arbeitnehmer machen und sich in der Oberfranken-Stiftung für die Förderung gemeinnütziger Kultur einsetzen.

Eine starke Ohrfeige

KOMMENTAR von Michael Memmel

Starke Stimme! Mit dem Slogan hat OB Andreas Starke um die Wählergunst für die Bezirkswahl gebuhlt. Funktioniert hat das nicht. Hatte der SPDler vor fünf Jahren noch hauchdünn mit einem Prozent gegen den Stegauracher Bürgermeister Siegfried Stengel (CSU) verloren, blieb er diesmal knapp neun Prozent hinter dem Rathaus-Chef vom frechen Nachbarn Hallstadt, Thomas Söder. Klar, es liegt nahe, den Verlust von zwölf Prozent der Erststimmen zu 2013 mit dem allgemeinen Niedergang der SPD in diesen Tagen zu begründen. Schließlich kam Starke immerhin auf acht Prozent mehr als seine Partei bei den Zweitstimmen in Bamberg-Stadt. Und im Bezirkstag sitzt er dank der Zweitstimmen trotzdem. Doch das wäre zu bequem.

Bei der Bezirkswahl geht es, ähnlich wie bei der Kommunalwahl, mehr um Köpfe als um Parteibücher. Sonst wäre der OB im Jahr 2013 nicht ansatzweise an den CSU-Kandidaten Stengel herangekommen in einem Stimmkreis, in dem zeitgleich 44 Prozent der Zweitstimmen bei der Landtagswahl an die CSU gingen. Und deshalb wiegt Starkes Abschneiden in "seiner Stadt" schwer. Dort blieb ihm nur Bronze hinter Söder und dem Grünen Andreas Lösche. Eine schallende Ohrfeige für das Stadtoberhaupt und dessen Politik - auch aber nicht nur in Sachen Ankerzentrum und Konversion.

Die CSU wird sich dieses Wahlergebnis einrahmen. Mit dem Hallstadter Söder hatte sie vor allem im Kreis punkten wollen. Dass er am Ende sogar Starke in dessen Wohnzimmer hinter sich lässt, wird die schwarzen Strategen verblüffen - und ärgern, dass sie sich nicht getraut hatten, einen Kandidaten aus der Stadt aufzustellen. Christian Lange und Co. könnten nun übermütig werden und auf die Idee verfallen, den angezählten Rathauschef in eineinhalb Jahren bei der OB-Wahl nicht mit einer Alibi- sondern einer echten Kampfkandidatur zu attackieren. Die Grünen werden das ohnehin versuchen und scheinen nicht chancenlos, wenn der Rückenwind anhält. Doch vielleicht kommt es auch ganz anders, wenn Starke seine eigenen Schlüsse aus dem Bezirksergebnis zieht und auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Nachdenklich dürfte sie ihn schon gemacht haben, die starke Stimme der Wähler.