Vor dem Einzug in die Kirche intonierte die Blaskapelle "Wem Gott will rechte Gunst erweisen ...". Wer schon in den Bänken Platz genommen hatte und auf die Pilger der Kirchenparade durch Wildensorg wartete, musste schmunzeln. Wenn zwar nicht "weite Welt", wie es in dem altbekannten Lied
heißt, so doch an diesem Sonntag wenigstens "Nabel Bambergs"!

Etliche Ehrengäste waren herbeigeeilt, um den 50. Geburtstag der Filialkirche "St. Josef der Arbeiter" mitzufeiern. Für jeden hatte Dompfarrer Markus Kohmann launige Worte in seiner Begrüßung parat. So versicherte er zum Beispiel Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), dass "man hier in Wildensorg sehr gesund lebt, die Frösche quaken im Eichelsee, die Kräuter wachsen, die Bewohner sind bei den Flurumgängen eifrig dabei."

Auch an den Hauptzelebranten Erzbischof emeritus Karl Braun, der selbst in Wildensorg wohnt, wandte sich Kohmann mit einer persönlichen Erinnerung: "Auf den Tag genau vor 23 Jahren haben Sie mich zum Priester geweiht." Also am Hochfest "Geburt des heiligen Johannes des Täufers", das der begnadete Prediger Karl Braun auf anrührende Weise mit dem äußeren Anlass des Pontifikalgottesdienstes verknüpfte. Er folgte förmlich dem Vorläufer Jesu Christi in die Wüste, tauchte in die Wüstenerfahrungen - oder "Kreuzerfahrungen" - der Christen und der Kirche des Heute ein, "in der das sogenannte christliche Abendland kaum mehr als eine verblasste Wunschvorstellung ist".

Der Alterzbischof ermutigte die Wildensorger zum Glaubenszeugnis. Ihr nunmehr 50 Jahre alter Kirchenbau sei ein "sichtbares Zeichen für unseren Glauben": "Ich denke mit Respekt und in Dankbarkeit an jene Wildensorger Gläubigen, die vor einem halben Jahrhundert begeistert und selbstlos den Bau dieser Kirche ermöglichten", sagte Karl Braun. Auch alle, die in diesen Tagen Zeit, Arbeitskraft und Spenden für das Gotteshaus einbrachten, "haben damit ein zukunftsweisendes Zeichen gesetzt, ein Zeichen lebendiger Gemeinschaft in Christus".


Alterzbischof tonsicher

Der 87-jährige Braun sang die liturgischen Texte mit kräftiger, tonsicherer Stimme. Organist Werner Eichner zog alle Register, die "Wildensorger Musikgruppe" steuerte gekonnt "Neue Geistliche Lieder" bei. Natürlich sollen auch die Konzelebranten genannt sein: Gemeinsam mit dem Alterzbischof
standen Dompfarrer Kohmann, Domdekan Hubert Schiepek, die ehemaligen Seelsorger Pater Georg Klose und Pfarrer Wolfgang Tschuschke sowie die Ständigen Diakone Josef Geißinger und Georg Paszek am Altar. In ökumenischer Verbundenheit war Pfarrer Walter Neunhoeffer von St. Stephan der Einladung gefolgt und betete mit seinen katholischen Mitbrüdern.

Einen besonderen Akzent auf das Jubiläumsfest setzten der Dompfarrer und Kirchenpfleger Erich Sperlein mit der Enthüllung einer Gedenkstele neben dem Kirchenportal. Diese erinnert daran, dass "mit ihrer Hände Arbeit und durch Geldspenden die Männer und Frauen der Filialgemeinde Wildensorg vor 50 Jahren diese schöne Kirche gebaut haben". So lautet die Inschrift.

Das Fest ging weiter bei Speis und Trank unter Zeltdächern. Doch bevor die Wildensorger den Schweinebraten samt Wirsing und Klößen genießen konnten, gab es Grußworte. Bürgermeister Christian Lange (CSU) etwa bescheinigte Wildensorg, "ein besonderer Stadtteil zu sein, weil man hier Gemeinschaft erlebt". Bamberg sei "stolz auf unser Wildensorg!", fügte er hinzu.

Ministerin Huml zeigte sich beeindruckt von der Eigenleistung, mit der "St. Josef" in der "wilden 68er Zeit entstanden ist". Für Pfarrer Neunhoffer ist die Kirche mitten im Ort ein Symbol dafür, "dass Gott es mit uns zu tun haben will", ein Symbol auch für die Nähe Gottes. Monika Hoh, Vorsitzende des Bürgervereins Wildensorg, dankte im Namen der Ortsvereine allen, die in 50 Jahren dazu beigetragen haben, dass die Wildensorger Katholiken in ihrer Kirche eine Heimat gefunden haben und sich heute für ihre Kirche stark machen.

Einen Extra-Applaus gab es für den 84-jährigen Josef Hofmann. Er war von 1964 bis 1988 der erste Kirchenpfleger und hatte damals für den Kirchenbau eifrig Spenden gesammelt und die Arbeitsstunden der ehrenamtlichen Bauleute organisiert.