Sobald er berührt wird, färbt sich der Kornblumenröhrling tiefblau. "Der ist gut", erklärt Pilz-Anfänger Jakob. "Und schön!" Da ist der Fünfjährige aus dem oberfränkischen Hirschaid ganz einer Meinung mit dem 75-jährigen Pilz-Experten Hans Krautblatter aus dem mittelfränkischen Höchstadt. Krautblatter hat den Kornblumenröhrling sofort erkannt. Er ist der Mann für ungewöhnliche Pilze: Er hält Vorträge, führt Sammler durch Frankens Wälder und in heiklen Fällen fragen auch Apotheker bei Krautblatter nach.

Der pensionierte Gymnasiallehrer hat in Biologie promoviert. Pilze sind seine Passion. Er sieht sie als besonderen Leckerbissen, als Dekorationsstücke und als Forschungsobjekte. Am Morgen war er im Steigerwald unterwegs und hat einige Kuriositäten nach Hause gebracht. Mit einer Rasierklinge streift er über die Lamellen auf der Unterseite eines kleinen, braunen Pilzes und überträgt die Sporen auf eine Glasplatte, die er unters Mikroskop schiebt.

Die 40-fache Vergrößerung zeigt mandelförmige, hellbraune Sporen. 100 bis 150 Gramm dieses Pilzes können einen Menschen töten. "Der Giftröhrling ist der Doppelgänger des Stockschwämmchens. Er ist zwar klein, hat aber allerschwerste Gifte." Hut, Stiel, Fleisch und Lebensraum der beiden Pilze ähneln sich so stark, dass nur die Sporenanalyse eine sichere Unterscheidung ermöglicht. Kein Pilz für unerfahrene Sammler.

"Oberste Regel ist, dass ich nur sammle, was ich zuverlässig erkenne." Bei Anfängern sind das meist Röhrenpilze wie Steinpilze, Maronen und Birkenpilze, denn unter den Arten ohne Lamellen auf der Unterseite sind zumindest keine tödlich-giftigen bekannt. "Wenn einer seinen Speisezettel erweitern möchte, muss er zuerst die schwer giftigen Pilze kennen", sagt Krautblatter. Dann könne der Sammler beginnen, auch Lamellenpilze ins Körbchen zu legen.

Pilzjahre: 1983, 2003, 2012


"Mit drei einfachen Regeln lassen sich Täublinge identifizieren, von denen es viele gute, essbare gibt." Zuerst werden Fleisch und Stiel untersucht: Normalerweise sind sie bei Lamellenpilzen faserig. Täublinge haben allerdings ein trockenes, brüchiges Fleisch, das wegsplittert. Erfüllt ein Pilz diese Kriterien, kommt der Geruchstest: "Wenn er angenehm riecht, ist er ungefährlich." Das bedeutet nicht, das er auch schmeckt. "Manche Täublinge sind unangenehm scharf." Da hilft nur Regel Nummer drei: probieren, ein Stück Lamelle kauen. "Schmeckt der Pilz mild, kann er bedenkenlos als Speisepilz verwendet werden. Wer bisher drei Pilzarten sammelt, kann er mit diesen Regeln seinen Speisezettel auf 33 Pilze erweitern." Mit fast den gleichen Regeln lassen sich auch leckere Reizker identifizieren - einziger Unterschied: Bei ihnen ist das brüchige Fleisch nicht trocken, sondern ein milchiger Saft tritt an der Schnittstelle aus. Krautblatter rät aber, nur Reizker mit roter Milch zu sammeln. "Die mit weißer Milch sind oft sehr scharf, zum Beispiel der Pfefferreizker."

Heuer gibt es ohnehin genügend andere Pilze: "Es ist ein sehr ungewöhnliches Jahr", sagt Krautblatter. "Franken war 2012 niederschlagsmäßig unvorstellbar benachteiligt. Ich vergleich's mit 2003, wo so ein trockenes Jahr war. Vorher 1983. Trocken, heiß, die Böden fast Staub." Mitte September kam der Regen. Ein bis zwei Wochen brauchte das Myzel der Pilze im Boden, um sich zu erholen. Dann schossen die Fruchtkörper heraus. Zwar gebe es regional kleine Unterschiede, insgesamt sei die Situation aber in ganz Franken ähnlich. "Wegen der Trockenheit sind Schnecken heuer kein Problem. Und die Böden sind wärmer als sonst." Pilze brauchen eine Mindesttemperatur von zehn bis 15 Grad im Boden. Im Wald kühlt die Temperatur nicht so schnell ab wie auf freien Flächen. "Der Frost kommt nicht so schnell durch", sagt Krautblatter. "Und wenn es keinen Frost gibt, können wir heuer bis in den Winter Pilze sammeln!"

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