Während manche seiner Kollegen den Widerständen gegen Windkraft beugen, bekennt sich Zapfendorfs Bürgermeister Josef Martin (CSU) offen als "Freund und Förderer der Windenergie". Windräder hätten Ihn schon vor 30 Jahren in Norddeutschland fasziniert. Und als ihn die Regierung vor 16 Jahren gedrängt habe, den geplanten Bau des ersten Windrades im Landkreis Bamberg zu verhindern, habe er Nein gesagt. "Ich habe für die Anlage gekämpft", erinnert sich Martin bei einem Ortstermin in Sassendorf.

Und ausgerechnet dort, wo sich die Windkraftnutzung seit mehr als einem Jahrzehnt bewährt hat, sollte nun ein Ausbau nicht möglich sein. Mit 18:1 Stimmen habe sich der Gemeinderat für die Flächen ausgesprochen, die im ersten Entwurf des Windenergie-Regionalplans als Vorranggebiet 123 Sassendorf-West ausgewiesen waren. In der vom Regionalen Planungsverband im Mai vorgelegten geänderten Fassung war dann plötzlich die Fläche 123 gestrichen. Der Grund: nur 250 Meter Abstand zu einem "Außenbereichsanwesen".

Es taucht die Frage auf, ob dies den Planern nicht von Anfang an bekannt war. Die Antwort: Nein - zumindest nicht in dieser Form. Bei dem Anwesen handelt es sich um ein in den 1920er Jahren als Jagdschutzhütte gebautes Gebäude. Im Anhörungsverfahren zum ersten Regionalplan-Entwurf hatte sich dann der Besitzer mit der Begründung, er bewohne dort im Wald ein Wochenendhaus, Einwände gegen das Windkraft-Vorranggebiet erhoben.

Als die Gemeinde Zapfendorf davon Kenntnis bekam, war das Erstaunen groß. Denn, so Bürgermeister Martin, für ein Wochenendhaus gebe es weder eine Baugenehmigung noch eine dazu notwendige wasserrechtliche Erlaubnis zur Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung.

Schwarzbau-Besitzer muss mit Abrissverfügung rechnen

In der Folge wurde der Fall sowohl der Regierung von Oberfranken als auch dem Landratsamt Bamberg vorgetragen. Dabei stellte das Landratsamt Bamberg eindeutig klar, dass ein Wochenendhaus nicht genehmigt sei und auch nachträglich keine Genehmigung erteilt werden könne. Der Besitzer des Schwarzbaus muss nun sogar mit einer Abrissverfügung von Seiten der Behörde rechnen. Und der Zapfendorfer Gemeinderat bekräftigte inzwischen - diesmal mit 14:4 Stimmen, dass das Vorranggebiet Sassendorf-West wieder in die Regionalplanung aufgenommen werden soll.

Eine Entscheidung darüber wird aber erst fallen, nachdem die Ergänzende Anhörung am kommenden Freitag, 11. Oktober, endet. Josef Martin ist jedenfalls optimistisch, dass das Gebiet bei Sassendorf wieder dabei ist, wenn der neue Regionalplan Windenergie - vermutlich im kommenden Jahr - endgültig verabschiedet wird.
Die von seinem Parteifreund, Ministerpräsident Horst Seehofer, im Wahlkampf ins Spiel gebrachte Abstandsregelung mit dem zehnfachen der Windradhöhe bezeichnet CSU-Bürgermeister Martin als "nicht verständlich".

Denn ein solches Gesetz würde nicht nur in Zapfendorf, sondern überall im westlichen Oberfranken sämtliche Windkraftvorhaben zunichte machen. Der Planungsverband arbeite jedenfalls ungeachtet dieser Forderung des Ministerpräsidenten nach den bisherigen Vorgaben weiter, weiß Martin unter Berufung auf die Regierungsbeauftrage Christiane Odewald. Dass die Bayerische Staatsregierung die Gesetzesinitiative im Bundesrat selbst auf Eis gelegt hat, mag den Optimismus des Zapfendorfer Windkraftförderers bestätigen.

Ausweisung ist noch keine Bauerlaubnis

Obwohl die Ausweisung eines Vorranggebietes noch keine Bauerlaubnis bedeute, wie Martin betont, gibt es für Sassendorf schon ziemlich konkrete Pläne. Wolfgang Kropp, einer der Väter des ersten Sassendorfer Windrades, plant inzwischen drei, möglicherweise vier neue Rotoren. Sie sollen mit einer Nabenhöhe von 140 Metern doppelt so hoch werden, wie das bisherige. Und auch das läuft schon rentabel. Bisher sei noch kein einziger der rund 200 Genossenschafter ausgestiegen, weiß Kropp.

Vom jetzigen Standort aus gesehen werden sie ein wenig in Richtung Wald versetzt, um den 1000-Meter-Abstand nach Lauf einzuhalten. Schattenwurf sei kein Problem, so Kropp weiter. Notfalls lasse sich dies mit der entsprechenden Steuerungssoftware Regeln. Überhaupt müsse jede einzelne Anlage, auch was beispielsweise den Schall betreffe, einzeln begutachtet und genehmigt werden, betont Kropp.

Und die Sassendorfer selbst? "Ich selbst bin 100 Prozent dafür, aber im Ort sind die Ansichten zweigeteilt", räumt Ortssprecher Heiner Montag ein. Befürchtungen gebe es etwa, was die Zahl der Rotoren betreffe . Weniger wegen denen in Sassendorf allein, sondern wenn von Breitengüßbacher Seite her noch weiter an den Ort heranrücken würden.

Zudem wünschten die Sassendorfer nicht, dass irgendwelche Großkonzerne nach den Windradstandorten greifen können. Planer Kropp betonte, dass auch die neuen Anlagen nach einem Bürgermodell entstehen sollen. Die Flächen dafür seien weitgehend gesichert.

Montag wies auch noch darauf hin, dass es wohl keine schädlichen Auswirkungen auf die Tierwelt gebe. Er habe ein Jahr lang ganz genau ums Windrad nachgeschaut. Zwei Fledermäuse habe er gefunden, aber keinen einzigen toten Vogel. "Da bringt meine Katze mehr daher", meinte Montag. Beklagt werde in Sassendorf derzeit aber vor allem, dass es zu diesem Streit zwischen dem Besitzer des Schwarzbaus und der Gemeinde gekommen sei.