Bürgermeister Josef Martin hat Geschichte geschrieben: Als er 1978 mit 26 Jahren zum ersten Mal in das Amt des Bürgermeisters von Zapfendorf gewählt wurde, war er der jüngste Bürgermeister Bayerns. 36 Jahre lang sollte er an der Spitze der Gemeinde stehen. Zuletzt war er 2008 mit 69,78 Prozent der Stimmen wiedergewählt werden. Jetzt geht er in den Ruhestand und sich will sich künftig stärker seiner Familie widmen: seinen Eltern und seiner Tochter, die er in ihrer Logopädie-Praxis unterstützt. Mit seiner Frau möchte er auf Reisen gehen.

Erstes Windrad im Landkreis

In seiner Amtszeit hat Zapfendorf einen großen Modernisierungsschub erfahren. Im Ortsteil Sassendorf dreht sich seit 15 Jahren das erste Windrad im Landkreis. Der Ausbau des Frankenschnellwegs, der Zapfendorf zur idealen Heimatgemeinde vieler Berufspendler machte, ließ die Einwohnerzahl innerhalb von 25 Jahren von 3939 auf über 5000 wachsen.

Martin ist sich heute sicher, dass es nicht allein die neu ausgewiesenen Baugebiete waren, die so viele Neubürger angelockt haben: Es ist auch die gute Infrastruktur und der damit in Zusammenhang stehende Umstand, dass Zapfendorf eine hohe Lebensqualität aufweist. Es hat noch eine echte Dorfmitte mit Geschäften und Arztpraxen und erspart damit den Bürgern lange Wege. Kinderbetreuung und Seniorenheim: In Zapfendorf ist alles da.

Keine neuen Baugebiete mehr

Bürgermeister Martin hat in seiner Amtszeit immer dafür gekämpft, dass Zapfendorf sein Erscheinungsbild beibehält. Seit längerem werden keine neuen Baugebiete auf der "grünen Wiese" mehr ausgewiesen. Vielmehr sucht man innerorts nach Baulücken oder leer stehenden Häusern, die man (Neu)Bürgern anbieten kann. Im Internet werden Ortspläne mit freien Bauplätzen und alle dazugehörigen Informationen veröffentlicht.

Das größte Problem, das Bürgermeister Josef Martin in den letzten 20 Jahren begleitet hat, wird jetzt - und vielleicht mit noch größerer Wucht - auf seinen Nachfolger zukommen: die ICE-Trasse, die ursprünglich schon im Jahre 2000 fertig gestellt sein sollte. Die beiden beschrankten Bahnübergänge auf Gemeindegebiet sollen einer Unterführung (im Süden) und einer Überführung (im Norden) weichen.

An beiden Kreuzungspunkten wird der Verkehr künftig über Kreisverkehre laufen, und eine Westtangente soll den Durchgangsverkehr aus dem Ort heraushalten. Martin ist froh, "dass das in meiner Zeit auf den Weg gebracht wurde". Bis 2017 sollen die Übergänge, bis spätestens 2022 die Westtangente gebaut sein. Auf die Gemeinde werden "Millionenkosten" zukommen, sagt er.

Jeweils eigene Kandidaten

Diese Tatsache steht fest - und ebenso, dass sich die politischen Verhältnisse in Zapfendorf ändern werden: War Martin bisher der gemeinsame Kandidat von CSU und der Gruppierung Vereintes Umland, treten diese am 16. März mit jeweils eigenen Kandidaten an.

Die CSU hat Matthias Schneiderbanger auf den Schild gehoben. Der 36-Jährige arbeitet in der Gemeindeverwaltung und ist Vorsitzender des Sportvereins. Als wichtiges Ziel formuliert Schneiderbanger den Erhalt der Grundversorgung im Ort und nennt zuallererst die medizinische Versorgung. Außerdem will er die Gemeinde nach wirtschaftlichen Grundsätzen führen, da sich die Aufgaben einer Kommune in den vergangenen Jahren stark verändert habe.

Freude am Ehrenamt wecken

Für das Vereinte Umland tritt Hans-Jürgen Einwag an, der ebenfalls in der Gemeinde tätig ist. Er erwartet, dass der ICE-Ausbau, mit dem er sich als Mitglied der Verwaltung schon seit über 20 Jahren befasst, das wichtigste Thema in der nächsten Legislaturperiode sein wird. Sein Ziel ist es, in den Bürgern wieder größeren Gemeinsinn zu wecken. "Die Bürger müssen sich mit der Gemeinschaft identifizieren", sagt er. Als Jugendleiter im Sportverein will er außerdem Freude und Begeisterung am Ehrenamt wecken. Den Vereinen schreibt er eine große Bedeutung für den Zusammenhalt in einer Gemeinde zu. - Die Zapfendorfer SPD hat Stefan Fischer, Diplomingenieur und Teamleiter bei der Telekom, zu ihrem Kandidaten gekürt. Seit 1995 wohnt er im Ortsteil Lauf und engagiert sich als Marktgemeinderat. Zur Politik und in die SPD kam er über sein Engagement im Vorstand der Bürgerinitiative gegen die Holzmüllverbrennungsanlage in Zapfendorf. Auch er sieht den Bau der ICE-Trasse und die damit verbundenen Bahnquerungen als die wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre an.
Im Hinblick auf die gegen den Widerstand der SPD-Fraktion beschlossene Straßenausbau-Beitragssatzung will er bürgerfreundliche Lösungen finden.

Zapfendorf "aufmischen"

Erstmals treten in Zapfendorf die Freien Wähler an. Sie haben Stefan Kabitz zum Bürgermeisterkandidaten gekürt, der sich in den vergangenen Jahren im Ortskulturring, beim Faschingsumzug und bei der Bürgerinitiative "Das bessere Bahnkonzept" engagiert hat. Er will "Zapfendorf etwas aufmischen", sagte er bei seiner Nominierungsveranstaltung. "Bis ich den Ortskulturring als Vorsitzender übernahm, war er fast ausgestorben. Die Pfarrgemeinde stellte keinen Kirchweihbaum mehr auf, der Faschingsumzug hatte seine besten Jahre hinter sich. Heute stehen wir wieder gut da."

Als Bürgermeister von Zapfendorf würde er auf größtmögliche Transparenz setzen: als Gemeindeoberhaupt in einem gläsernen Rathaus mit "großen Ohren zum Zuhören und großen Händen zum Arbeiten". "Wir dürfen die wichtigen Dinge künftig nicht mehr in der stillen Ecke aushandeln", sagt Kabitz.

Geordnetes Haus

Bürgermeister Josef Martin ist guter Dinge, dass er seinem Nachfolger ein geordnetes Haus übergeben kann: "Die Vereinbarungen für die ICE-Kreuzungspunkte und der Bebauungsplan für die Westtangente werden noch in meiner Amtszeit unter Dach und Fach sein."