VDE 8.1, PFA 21 - hinter diesem Kürzel verbirgt sich der Streckenabschnitt zwischen Altendorf und Strullendorf, den die Deutsche Bahn in den kommenden Jahren viergleisig ausbauen möchte. Das Baurecht hat sie noch nicht, aber alle Planunterlagen sowie die Stellungnahmen und Einwände der Betroffenen liegen der Regierung von Oberfranken vor. Diese muss die Unterlagen bewerten und mit einer abschließenden Stellungnahme an das Eisenbahnbundesamt senden, das dann über das Baurecht für den Planfeststellungsabschnitt (PFA) zu beschließen hat.

Doch in vielen Teil- und Detailfragen sind die Weichen noch nicht endgültig gestellt. So gibt es etwa bei wichtigen Aspekten wie Barrierefreiheit oder Lärmschutz noch Differenzen zwischen dem, was die Bahn zu bauen bereit ist, und dem, was Gemeinden und Anwohner wünschen. Zur Klärung solcher Fragen ist nun ein Gespräch angesetzt, an dem neben den betroffenen Kommunen auch Politiker aus der Region sowie Vertreter der zuständigen Ministerien und natürlich der Bahn teilnehmen sollen.

Ein gutes Beispiel für die bestehenden unterschiedlichen Sichtweisen liefert Strullendorf. Aus dem Gemeinderat verlautete jüngst, man warte auf konkrete Antworten und Zusagen der Bahn. Die gibt den schwarzen Peter nun postwendend zurück. In einer Stellungnahme, die den Fränkischen Tag erreichte, heißt es, zu den von "Bürgermeister Desel vorgetragenen Punkten der Gemeinde Strullendorf liegen seit langem sämtliche Unterlagen vor".

So habe die Gemeinde zur Barrierefreiheit am Bahnhof bereits Anfang 2017 den Entwurf einer Planungsvereinbarung erhalten, die Übernahme der darin auf sie entfallenden Kosten jedoch zunächst abgelehnt. Erst ein Jahr später, nach Abschluss des Anhörungsverfahrens, habe die Gemeinde dies revidiert, für die Verzögerungen durch eine nachträgliche Planung des westlichen Zugangs sei sie also ausschließlich selbst verantwortlich.

Was den Strullendorfer Wunsch nach einer Verlängerung der Schallschutzwände nach Süden betrifft, beharrt die Bahn in ihrer Stellungnahme darauf, dass es dafür "weder eine sachliche Begründung der Notwendigkeit noch eine Anfrage der Gemeinde, die Lärmschutzwände zu ihren Lasten zu verlängern" gebe.

Was die Brücke für die Südanbindung betrifft, will Strullendorf wissen, wie die Kosten dafür genau aufgeteilt werden. Die Bahn hingegen sieht die Planung alleine in der Verantwortung der Gemeinde und erwartet, dass diese zunächst das Baurecht erwirkt und verbindliche Terminaussagen macht, bevor eine Vereinbarung mit genauer Aufschlüsselung der Kostenanteile geschlossen werden kann.

Kommentar

Wer eine Pizza Spezial bestellt und dann eine Pizza Salami geliefert bekommt, überlegt es sich wahrscheinlich zwei Mal, ob er reklamieren soll. Wenn es aber nicht nur um fehlenden Schinkenbelag und einstellige Eurobeträge geht, sondern um einschneidende Veränderungen für einen ganzen Ort und um Millionensummen, sieht das schon anders aus. Zumal beim Bahnausbau die Frage hinzukommt, wer eigentlich bestellt hat. Die Antwort: Bestellt hat der Bund, die Bahn liefert - und die dermaßen beglückten Gemeinden haben es zu schlucken. Sie wollen aber nicht nur den wenig schmackhaften Einheitsbelag bekommen. Sonderwünsche gehen auf eigene Rechnung, sagen die Pizzaboten von der Bahn. Was aber sind Sonderwünsche? Barrierefreie Bahnhöfe und Lärmschutz ganz sicher nicht. Das sollte im 21. Jahrhundert Standard sein. "Ihr bekommt das aber nur, wenn überhaupt gebaut wird". Den ICE-Ausbau den Leuten damit schmackhaft zu machen, ist schon bedenklich. Dass sie dafür auch bezahlen sollen, geht eindeutig zu weit. Bei anderen Wünschen kann es anders aussehen. So ist die Südbrücke in Strullendorf ein Projekt, das der Infrastruktur der ganzen Gemeinde dienen kann. Da wird keiner eine Zuzahlung verweigern. Aber dass die Gemeinde das Millionenvorhaben in Auftrag gibt, ohne zu wissen, wie hoch ihr Kostenanteil ausfällt, kann die Bahn nicht ernsthaft erwarten.