Bis Dienstagmittag war es nur ein Gerücht, dass das Modeunternehmen Wöhrl vom Atrium an der Ludwigstraße in das ehemalige Kaufhaus Honer ziehen würde. Nun bewahrheitet sich, was die Spatzen seit Monaten von den Bamberger Dächern pfeifen: Am Donnerstagnachmittag wollen Vertreter der Unternehmensgruppe Wöhrl und ihr künftiger Bamberger Vermieter, Franz-Josef Honer, den Umzug offiziell bekannt geben.

Im Rathaus und im örtlichen Einzelhandel löste bereits die Vorab-Information breite Zustimmung aus. Für Claus Hofmann, den Ortsvorsitzenden des Einzelhandelverbandes, ist es eine gute Nachricht. Der Kaufmann aus der Hauptwachstraße erwartet "eine spürbare Belebung der Innenstadt", weil mit Wöhrl ein weiterer Magnet in die Stadtmitte komme.

Wöhrl: Bereicherung für Bambergs Innenstadt

"Wir heißen die Firma Wöhrl herzlich willkommen. Sie stellt eine echte Bereicherung der Innenstadt dar!" sagte Alfons Distler, Vorsitzender des Vereins Stadtmarketing und Geschäftsleiter von Karstadt. Er tat dies aber nicht, ohne nochmals ausdrücklich das Ende der über 80 Jahre währenden Ära Honer zu bedauern. Seine Begründung: Die Sortimente der beiden Innenstadt-Kaufhäuser hätten sich "ganz toll ergänzt". Honer hat laut Distler eine spezielle Zielgruppe bedient. Er schließt offensichtlich nicht aus, dass dieser Kundenkreis dem Bamberger Handel verloren gegangen sein könnte.

Seit 1. September ist das private Kaufhaus am Maxplatz geschlossen. Die Immobilie steht leer, die Schaufenster sind mit Papierbahnen verhängt, auf denen mit überdimensionalen Fragezeichen die Worte "demnächst hier" prangen. Sie befeuerten noch das Rätselraten um das, was im ehemaligen Kaufhaus kommen mag.



Zum Gerücht, dass Wöhrl dort auf seiner stadtbekannten Suche nach einer Alternative zum Einkaufszentrum an der Ludwigstraße fündig geworden sein soll, gab es bisher weder von Hausherr Honer noch von Wöhrl einen Kommentar. Honer hatte allerdings immer versprochen, nach der Kaufhaus-Schließung für Mieter zu sorgen, der oder die gut für die Einkaufsstadt Bamberg sind.

Das ist das bundesweit tätige Modeunternehmen aus Nürnberg zweifellos. Für Klaus Stieringer, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, steht deshalb fest: "Wöhrl wird dazu beitragen, die Einkaufsstadt Bamberg im Zentrum noch ein bisschen attraktiver zu machen."

Auch seitens der Politik wird der Entschluss des Wöhrl-Vorstandes, an den Maxplatz zu ziehen, begrüßt. "Ich bin sicher, dass die unternehmerische Entscheidung richtig ist und hoffe, dass auch die bisherigen Mitarbeiter von Honer dort eine neue Chance finden", sagte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in einem ersten Kommentar. Er erwartet sich von dieser Nachfolgeregelung für die Honer-Immobilie eine Magnetwirkung, die nur positiv für den gesamten Handel im Zentrum sein könne.

Die Hoffnung bzw. den Wunsch, dass die eine odere andere ehemalige Honer-Beschäftigte am alten Platz eine neue Stelle finden möge, hegt auch Klaus Stieringer. "Keiner kennt die Kunden der Innenstadt besser als sie", appelliert er an die Wöhrl-Verantwortlichen. Er geht davon aus, dass das Modehaus am neuen Standort zusätzliches Personal braucht, weil die Verkaufsfläche größer sein werde als im Atrium. Mit der Schließung des Traditionskaufhauses Honer waren alle Arbeitsplätze verloren gegangen.

Atrium: Entwicklungsdruck steigt

Starke sieht mit dem Auszug von Wöhrl einen massiv steigenden "Entwicklungsdruck" auf das Atrium zukommen. Er fordert die Eigentümer auf, ein Gesamtsanierungskonzept zu entwickeln: "Es ist höchste Zeit, dass man sich dort in Bewegung setzt." Den für das Einkaufszentrum Verantwortlichen stellt der Oberbürgermeister zugleich die Unterstützung der Stadt Bamberg für "alle konstruktiven Vorschläge" in Aussicht, "die dazu dienen, diese Immobilie neu zu entwickeln und den Bahnhofsvorplatz wiederzubeleben".

Wöhrl ist der letzte große Mieter, der es noch im "Atrium" aushält. Mehr als die Hälfte der Flächen steht schon leer. Der Weggang des Modegeschäfts könnte nicht nur für die Innenstadt, sondern auch für das "Atrium" eine gute Nachricht und eine Chance sein, meint Bambergs Citymanager. Laut Stieringer ergeben sich dann die räumlichen Voraussetzungen für eine großflächige Umgestaltung und Renovierung.

Bei der Voelkel Company, die das Bamberger Einkaufszentrum an der Ludwigstraße verwaltet, will man die neuesten Entwicklungen nicht kommentieren. Einen Centermanager vor Ort gibt es nicht mehr. Die Ansprechpartnerin für die Atrium-Mieter sitzt in Hamburg und bedauerte am Telefon, dass sie nichts sagen könne: weder zu der Wöhrl-Entscheidung für den Maxplatz noch zu den Gerüchten, die sich seit Monaten um einen angeblichen Verkauf des Einkaufszentrums ranken.