Nach fast vier Jahren Arbeit hat der Regionale Planungsverband Oberfranken-West den Regionalplan Windenergie beschlossen. Ganz vollendet ist das Werk damit jedoch noch nicht. Drei Vorranggebiete für die Windkraftnutzung im Landkreis Bamberg benötigen noch einen Beschluss des Kreistags, um endgültig in die Liste aufgenommen zu werden.

Dabei geht es um das Vorranggebiet 302 oberhalb von Tiefenellern und das Vorranggebiet 334 zwischen Neudorf, Ludwag (beide Scheßlitz) und Poxdorf (Königsfeld). Außerdem will der Markt Heiligenstadt, dass das Vorranggebiet 139 Brunn-Nord von 40 auf 180 Hektar vergrößert wird. Für dieses Vorhaben sind die Hürden noch etwas höher, da sich Widerstand dagegen regt. Weniger in Brunn, sondern mehr im benachbarten Hohenpölz.
Für ein Bürgerbegehren wurden zwar über 500 Unterschriften gesammelt wurden - allerdings formal fehlerhaft. Der Heiligenstadter Marktgemeinderat hat es darum durch ein Ratsbegehren ersetzt. Das führt nun zu einem Bürgerentscheid am 20. Juli darüber, ob der Markt Heiligenstadt seine Windparkpläne stoppen soll.

Das jedoch könnte das Aus bedeuten für ein Vorzeigeprojekt der Energiewende im Landkreis. Denn geplant ist bisher, dass Heiligenstadt - mit Beteiligung seiner Bürger - mit den Regionalwerken sowie den Stadtwerken Ebermannstadt und Bamberg acht Windkraftanlagen errichtet, die nicht nur Strom für die Region produzieren, sondern auch die Wertschöpfung aus der Energieversorgung hier halten sollen.

Am Tag nach der Abstimmung in Heiligenstadt soll dann der Kreistag über die Zukunft der drei Vorranggebiete entscheiden. Der Knackpunkt bei allen drei Flächen: Sie liegen im Landschaftsschutzgebiet Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst. Und das war für den Planungsverband in der ersten Runde ein "hartes Ausschlusskriterium". Anders noch im alten Regionalplan: So stehen etwa unmittelbar neben der Gemarkung Hohenellern, wo Litzendorf drei Bürgerwind räder errichten möchte, bereits mehrere Anlagen im Landschaftsschutzgebiet - das aber 2002 als Vorbehaltsgebiet für Windenergie ausgewiesen worden war.

Das Litzendorfer Problem ist also ganz anders gelagert, als das von Heiligenstadt. Hier gibt es vor Ort kaum Gegner, sondern eine breite Mehrheit für die Windräder. Ihr Bau hängt jedoch stark davon ab, wann er beantragt werden kann. Denn zum einen schwebt da immer noch die Drohung einer bayerischen 10H-Abstandsregelung im Raum, zum anderen steht eine Änderung der Ökostromförderung an. Bei beidem müssen die Litzendorfer darauf hoffen, dass sie noch in eine Bestandsschutzregelung kommen.

Die Verzögerung der Kreistagsentscheidung könnte sich hier noch als fatal erweisen, denn eigentlich hätte der schon im Februar eine Entscheidung treffen sollen. Nachdem sich der Kreisausschuss bereits Ende Januar klar für die Ausnahmeregelung ausgesprochen hatte, stand ein entsprechender Beschluss auch auf der Tagesordnung der darauffolgenden Kreistagssitzung. Doch ein Schreiben der Regierung von Oberfranken, das Zweifel an der Zuständigkeit des Landkreises anmeldete, führte zu einer Vertagung.

Dazwischen lag nun die Kommunalwahl und die Konstituierung des neuen Kreistags. Am Montag wäre nun Gelegenheit gewesen, das Thema erneut zu beraten. Doch mit der Hauptbegründung, man wolle das Ergebnis des Bürgerentscheids in Heiligenstadt abwarten, wurde die Sitzung abgesagt.

Am Montag, 21. Juli, soll es nun also so weit sein. Als Empfehlung gibt es immer noch den Beschluss des Kreisausschusse vom Februar. Der hatte sich im Falle Tiefenellern und Neudorf einstimmig (jeweils 11:0) dafür ausgesprochen, Ausnahmen für Windräder im Landschaftsschutzgebiet zuzulassen. Bei Brunn-Nord gab mit 9:2 Stimmen eine klare Mehrheit.