"Wie konnte das nur passieren?" Eine Frage, die sich nach dem 13. November 2017 sicher viele Italiener gestellt haben. Der Tag wird wohl in die italienische Fußballgeschichte eingehen. Als Datum des Desasters, womit keiner gerechnet hatte: Die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland wird ohne den viermaligen Titelträger stattfinden. Wie das nur passieren konnte, diese Frage stellt sich Valentina Santiloni auch in dieser Woche wieder.

Mit der WM in vollem Gange, fällt der Spaziergang durch die Bamberger Gassen schwer: Jubel hier, Fahnen da, Public Viewing dort. "Ich fühle mich betrogen - als hätte ich die Liebe meines Lebens mit einer anderen Frau erwischt", sagt Santiloni. "Ich bin enttäuscht und traurig."

Dabei habe sie sich schon so gefreut, die Spiele in Bamberg zu sehen. Santiloni stammt aus Rom und lebt seit 2017 in der Domstadt. "Der eigenen Mannschaft in einem anderen Land zusehen, das ist etwas Besonderes - gerade weil man nicht in Italien sein kann."

Sie könne sich noch gut an die WM 2006 erinnern, auch an die TV-Interviews mit Italienern, die den Sieg in Deutschland feierten. Dieses besondere Gefühl des Zusammenhalts sei im Ausland eben noch stärker. "Und jetzt: Alle haben Spaß, treffen sich - und ich fühle mich als einzige ausgeschlossen."


Party ohne Italien

"Das ist, als wären alle zu einer Party eingeladen - und du darfst nicht rein", ergänzt Luca Montalto. Auch wenn der Sizilianer nicht so leidenschaftlich wie seine Frau Valentina trauert, war das vorzeitige Aus seiner Mannschaft ein Schock für ihn.

"Wir sind schon so oft im letzten Moment noch reingekommen - und haben es dann sogar bis ins Finale geschafft", sagt er und erinnert an die WM 1994. "Wir waren vielleicht nie die Besten, aber immer gefährlich und unberechenbar", sagt er. Deswegen sei die Enttäuschung umso größer. Doch die Italiener sparen sich den Jubel keineswegs bis 2022 auf. Viele Fußballfans haben sich kurzerhand entschlossen, die Isländer zu unterstützen. "Die größte Sportzeitung Italiens hat in einer Aktion dazu aufgerufen, der isländischen Mannschaft die Daumen drücken", erzählt Montalto.

"Die sind eben sympathisch, nett - und ungefährlich", sagt er lachend. "Hauptsache nicht Deutschland", sagt Valentina Santiloni schon direkter - und erklärt auch, warum das für den Stolz der Italiener sehr, sehr wichtig sei: "Wir haben vier Weltmeistertitel, Deutschland hat vier Titel - da darf kein Ungleichgewicht entstehen."

Ganz anders sieht das Jaitze Veeman. Der Niederländer stammt aus Leeuwarden, lebt aber seit eineinhalb Jahren in Bamberg. "Um ganz ehrlich zu sein: Ich war schon immer ein Unterstützer der deutschen Mannschaft", sagt er. Wirklich traurig, dass die Landsleute nicht antreten dürfen, sei er nicht. Denn auch der dreimalige Vizeweltmeister hat kein Ticket für die WM ergattern können - nicht so tragisch, geht es nach Veeman.


Alle Augen auf Deutschland

"Früher habe ich noch den Niederländern die Daumen gedrückt", sagt er. "Aber da hatten wir noch bekannte Namen in der Mannschaft." Er denke da an Bergkamp oder Van der Sar. Mittlerweile könne er spontan nicht einmal sagen, wer überhaupt in der Nationalelf kickt - beim deutschen Kader sieht das anders aus, "Ich freue mich sehr, meine erste Weltmeisterschaft in Deutschland mitzuerleben, ich bin sehr aufgeregt", sagt er - guter Hoffnung, dass es das deutsche Team weit bringt. "Ein bisschen dürfen sie ja gewinnen", lenkt auch Valentina Santiloni ein. "Aber eben nicht zu viel."