Jetzt sind die bundesweiten Streiks der IG Metall auch in der Region Bamberg angekommen. So traten am Mittwoch rund 90 Beschäftigte bei der Firma Wieland vors Werktor in der Rodezstraße für einen rund einstündigen Warnstreik. In Scheßlitz gingen bei der Firma Albea um die 150 Beschäftigten auf die Straße. Bayernweit streikten in den vergangenen Tage etwa 15 000 Beschäftigte der Metallindustrie.

Die Forderungen der IG Metall lauten sechs Prozent mehr Lohn, bezahlte freie Tage für Auszubildende vor deren Prüfung sowie eine Wahloption auf kürzere Arbeitszeit. "Sechs Prozent mehr Lohn sind durchaus gerechtfertigt. Der Wirtschaft geht es gut, die Auftragsbücher sind voll und somit wollen wir auch ein Stück vom Kuchen abhaben", forderte Marcel Adelhardt, Gewerkschaftssekretär der IG Metall, beim Warnstreik vor dem Wieland-Tor.

Zudem soll es künftig nach dem Willen der Gewerkschaft auch flexiblere Arbeitszeiten geben. Dazu soll jeder Beschäftigte frei entscheiden können, ob er seine Arbeitszeit auf 28 Stunden pro Woche reduzieren möchte. Gleichzeitig soll ihm aber jederzeit eine Rückkehr in die Vollbeschäftigung offen stehen. "Es geht uns hier nicht um eine flächendeckende Senkung der Arbeitszeiten auf 28 Wochenstunden, sondern vielmehr um eine Verkürzung der Vollzeit für Arbeitnehmer, die beispielsweise Angehörige pflegen oder sich intensiver in die Erziehung ihrer Kinder einbringen möchten", betonte der Gewerkschaftssekretär. Die Reduzierung soll auf 24 Stunden befristet sein und bis zu 28 Stunden in der Woche möglich sein.

Gefreut über die Beteiligung am Warnstreik bei der Firma Wieland hat sich deren Betriebsratsvorsitzender Uwe Schuhmann: "Es ist an der Zeit, dass wir unseren Anteil abbekommen, zumal es dem Betrieb wieder besser geht." Daher sei es das gute Recht der Beschäftigten, dass sie ihren Anteil vom Kuchen bekämen.

Die solidarischen Grüße der katholischen Betriebsseelsorge überbrachte Manfred Böhm vom Arbeitnehmerpastoral Bamberg. Er unterstrich, dass mit Geld auch Lebenschancen verteilt würden und so eine Teilhabe in der Gesellschaft überhaupt erst möglich sei. "Es geht bei Lohnverhandlungen immer um die Wertschätzung von Arbeitnehmern. Was seid ihr wert? Diese Frage drückt sich auch in Geld aus", so der Betriebsseelsorger.

In den nächsten Tage sollen die Streiks der IG Metall weitergehen. So sind beispielsweise für den Donnerstag Warnstreiks bei der Firma Bosch angekündigt und zwar um 9.15 Uhr vor dem Werktor in der Robert-Bosch-Straße 40. Hauptredner werden der Betriebsratsvorsitzende Mario Gutmann und der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, Matthias Gebhardt, sein. Hierzu werden laut Gewerkschaftsangaben circa 800 bis 1000 Beschäftigte vor Ort sein. Auch bei der Firma Trench, vor dem Werktor in der Böttgerstraße, ist um 13 Uhr ein Warnstreik angekündigt. Rund 100 beschäftigte werden hierzu erwartet. Hauptredner werden der Betriebsratsvorsitzende Robert Zeis sowie Gewerkschaftssekretär der IG Metall Marcel Adelhardt sein.