Der gelbe Bagger rostet. Wer als metallener Nachbar neben einem riesigen Salzberg wohnt, bekommt früher oder später im wahrsten Sinne des Wortes den Lack ab - auch, wenn dieser erst zwei Jahre alt ist. 1000 Tonnen Streusalz sind in der Halle des Entsorgungs- und Baubbetriebs (EBB) eingelagert.

"Wir brauchen gewöhnlich etwa 700 bis 800 Tonnen pro Jahr", sagt Bastian Schmitt, stellvertretender Winterdienstleiter. "Aber was ist schon ein ,gewöhnlicher' Winter?" 2009 habe man rund 1500 Tonnen Streusalz in Bamberg verteilt, im Super-Winter 2010 sogar etwa 1900 Tonnen. Und dieses Jahr?

Am meteorologischen Frühlingsanfang am 1. März ist der weiße Salzberg noch immer riesig. Etwas mehr als die Hälfte der üblichen Menge wurden bisher auf Straßen und Brücken gestreut. Aktuell sind 550 Tonnen Streusalz und 500 Tonnen Splitt verbraucht, wobei der Großteil des Splitt in Streukästen für Anwohner lagert.
Der Splitt wurde bisher kaum gebraucht. Zwar war der Winter 2013/2014 relativ schneearm. Aber ganz so eisfrei, wie es scheinen mag, war er nicht. "Wir sind über 30 Einsätze gefahren", sagt Schmitt. Davon bekommt nur kaum jemand was mit.

Winterdienst war schon da

Denn wenn um sieben die Menschen aufstehen und sich bereit für die Arbeit machen, ist das Eis weg - weil der Winterdienst bereits um vier Uhr morgens draußen war und gestreut hat. In den vergangenen Tagen allerdings nicht unbedingt - "außer auf der Pfisterbrücke oder in der Panzerleite. An Punkten wie diesen streuen wir schon mal prophylaktisch", erläutert Schmitt. "Ansonsten steht unser Winterdienst-Einsatzleiter um vier Uhr morgens auf und schaut, ob gestreut werden muss."

Und wenn nicht? Dann mache man die klassischen Winterarbeiten. Der EBB kümmert sich um den Wege-Unterhalt und Gehölzschnitt. "Zum Beispiel die Wanderwege um die Altenburg herum, die wachsen immer zu. Außerdem müssen wir Fuß- und Gehwege herrichten und Straßenschäden beheben. Schlaglöcher entstehen immer", erklärt der Mann vom EBB. Auch Gräben wollen gesäubert sein. "Kommen wir in sehr schneereichen Wintern nicht dazu, rufen im Frühjahr schon mal Anwohner an und fragen: ,Kehrt ihr das wohl nicht weg? Wie schaut denn das aus?", wie Schmitt erläutert. "Zudem haben wir in Bamberg viel historisches Pflaster, das regelmäßig repariert werden muss."

Durchschnittstemperatur 2,1 Grad

In diesem Winter halten sich zumindest die Frostschäden in Grenzen. Wie Zahlen des Deutschen Wetterdienstes belegen, lag die Durchschnittstemperatur in Bamberg von Dezember bis Februar bei 2,1 Grad. In den schneereichen Jahren 2009 und 2010 war es im gleichen Zeitraum durchschnittlich minus 1,1 und minus 0,9 Grad kalt.
Wobei Schnee nicht für jeden ein Problem ist: "Das ist eine prima Isolation für Pflanzen im Boden. Schlimm wird's erst, wenn sie halb ausgetrieben haben und dann Anfang Mai der Spätfrost kommt." Das sagt der Mann, der in der Stadt Bamberg Herr über die Pflanzen ist: Robert Neuberth, Leiter des Garten- und Friedhofsamtes.

Während sich der EBB um die großen Straßenzüge kümmert, übernimmt das Gartenamt die Nebenwege. Dessen klassische Aufgaben im Winter lassen sich mit einem sperrigen Wort zusammen fassen: "Gehölzschnittmaßnahmen", also Bäume und Hecken schneiden. "Wir sind auch ohne Schnee voll ausgelastet, da wir durch die Landesgartenschau ein weiteres Areal dazu bekommen haben", erläutert Neuberth. Ganze 300 Hektar Grünfläche bearbeitet das Gartenamt. Da fällt Einiges an Holzschnitt und Laub an. Aktuell richtet das Gartenamt zudem Pflanzflächen her.

Was ist der Unterschied zu einem heftigen Winter? "In solchen Extremsituationen kommen wir nicht zu unserer eigentlichen Arbeit, der Gehölzpflege. Da bleibt schon einmal was liegen", sagt Neuberth.
Das ist heuer nicht so. Weil kein Schnee liegt, kann man schon erste Ergebnisse der Arbeit des Gartenamts bewundern: Am Schillerplatz etwa spitzen Stiefmütterchen aus dem Boden. Sie wurden bereits im Herbst gepflanzt und bleiben bis etwa Mai stehen. Nach diesem so genannten "Frühjahrsflor" kommt dann der "Sommerflor", der Mitte Mai gepflanzt wird und bis Oktober stehen bleibt.

"Wechselflor" in Bamberg

Die Pflanzflächen auf öffentlichen Plätzen, die mit diesem "Wechselflor" gestaltet werden, sind zusammen etwa 2600 Quadratmeter groß, wie Neuberth erläutert. Hinzu kommen 7200 Quadratmeter Stauden - und Rosenbeete.

Der Gartenamtsleiter vermutet: "Beim Wetter wird wohl noch ein Querschläger kommen. Es wird schon noch mal kalt werden." Zumindest dem Frühjahrsflor dürfte das nicht zu viel ausmachen. "Der ist abgehärtet. Aber Privatleute sollten jetzt noch nichts pflanzen, jetzt ist noch die Zeit des Baumschnitts", erklärt er. Mitte Mai sei normalerweise der letzte Eisheilige vorbei. Aber wer weiß das schon genau? "Im März und April will immer jeder, dass Frühling ist. Aber ich trau der Sache nicht."