"Was zu viel ist, muss weg." Anton Geiling meint die Wildgänse, die in den letzten Jahren zu einer regelrechten Plage geworden sind: Kanada-Gänse, Grau-Gänse, Nil-Gänse. Wo sich ein Schwarm auf einem Acker zu schaffen macht, bleibt dem Landwirt nur noch eines - Ärger. Was er gesät hat, ist verschwunden.

Wildgänse dürfen zwar zu bestimmten Zeiten geschossen werden. Bislang hat das aber keinen nennenswerten Erfolg gebracht. Geiling weiß, wovon er spricht: Jahrelang hat er eine Landwirtschaft betrieben, seit Jahrzehnten ist er Jäger und Spezialist im Umgang mit dem Betäubungsgewehr und schließlich ist der 69-Jährige Naturfreund.


Im Steigerwald aufgewachsen

Als Sohn eines Landwirtes und Jägers ist er im Steigerwalds aufgewachsen und hat sich von jeher dafür interessiert, was um ihn herum kreucht und fleucht. So kennt er nicht nur die heimischen Vögel, sondern auch deren jeweiligen Gesang, den er gleichfalls zu imitieren versteht.

Was er nicht versteht, das ist so manche Vorgabe und manches Vorgehen. Was er mit verständnislosem Kopfschütteln kommentiert ist die Tatsache, dass einerseits Wildkatzen ausgesetzt wurden und man sich andererseits über den Rückgang von Auerhähnen wundert. "Ist doch klar, dass die einen die anderen jagen."
Analog dazu Fressfeinde auf Wildgänse anzusetzen ist laut Geiling allerdings auch nicht das Mittel der Wahl. Geplant war zunächst, Füchsen den Zugang zu den vermuteten Brutplätzen auf Main- und Baggersee-Inseln zu schaffen, damit sie die Eier fressen. Jägern verbietet das Jagdgesetz die Entnahme von Eiern aus Wildvogel-Nestern.


Füchse können nicht unterscheiden
Doch zurück zu der "Fuchs-Strategie". Da greift sich Geiling an die Stirn. Man hätte den Füchsen dann ja wohl bei beibringen müssen, dass sie sich auf Wildganseier beschränken und sich nicht auch auf die Gelege geschützter Vögel wie etwa der Rohrdommel stürzen. Dank des Intervention des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) wurde von der Verlandung der Inseln Abstand genommen, freut sich Geiling. Als Jäger ist er auch im Maintal aktiv und erlebt die Wildgans-Problematik hautnah mit. Als einmal Hochwasser Wildgansgelege bedrohte, rettete ein Jagdpächter etliche Eier vor den Fluten und gab sie dem Mittelsteinacher.



Man muss wissen, Anton Geiling ist ein ebenso gefragter wie erfahrener Mann, wenn es um die Aufzucht verwaister Wildtiere geht: An die 20 Rehkitze hat er schon hochgepeppelt, Waschbären, Wildschweine - auch mit einander - und vor allem gemeinsam mit dem jeweiligen Jagdhund als Spielgefährten. Es hat sich eben herumgesprochen, dass Anton Geiling ein Händchen für Wild-Tiere hat. Wenn die Findlinge groß gepäppelt sind, weiß er in Tierparks dankbare Abnehmer. Für das, was aus den geretteten Wildganseiern schlüpfen würde, hatte der "Toni" freilich andere Pläne: Den Kochtopf.


Zuerst in den Brutapparat
Aber zuerst kamen die Eier in den Brutapparat, die Küken durften dann mit gemeinsam mit Hausgans-Küken aufwachsen. "Ich wollte probieren, ob das klappt." Es klappte. Und im Gegensatz zu den domestizierten Gänsen schrumpelten die wilden im Kochtopf nicht zusammen. "Und sie schmeckten hervorragend," gibt der Mittelsteinacher das Ergebnis wieder.

Weitere Erkenntnisse: "Die Tiere werden relativ zahm, man muss ihnen allerdings die Flügel stutzen", damit sie nicht davon fliegen. Nach seinen Erfahrungen hätte der Mittelsteinacher nun einen ganz persönlichen Vorschlag, um die Zahl der Wildgänse auf ein verträgliches Maß zu reduzieren: Beim Fressen auf den Feldern - sie haben bevorzugte Flächen, auf denen die Schwärme sich aufhalten - sollte man die Jungtiere im Zeitraum vom Schlüpfen bis zur ersten Mauser mit Netzen einfangen. Also im Alter bis zweieinhalb Monate, weil sie dann noch nicht fliegen können. Die Jagd mit Schrotgewehren findet Geiling relativ uneffektiv: "Ein, zwei Tiere erwischt man, der große Rest entkommt. Gänse sind schlau und erkennen beim nächsten Mal die Gefahr," weiß der Jäger. Außerdem hätte das Fangen mit Netz den Vorteil, dass man beim Verzehr nicht auf Schrotkugeln stößt.

Neues Projekt startet im Februar
Im Februar soll übrigens ein auf drei Jahre ausgelegtes Wildgans-Projekt der Landesanstalt für Landwirtschaft gestartet werden, berichtet Dieter Heberlein, Pressesprecher des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Oberfranken. Immer wieder werden an den BBV von Wildgänsen herrührende Schadensmeldungen herangetragen. "Die Schäden nehmen zu," weiß Heberlein. Zwar gibt es die Möglichkeit der Entschädigung für Landwirte. Doch nur bei genau dokumentierten Schäden, die dann nachweislich auf Wildgänse zurück zu führen sein. Dafür sind jeweils betroffene Flächen vom Wildschadenschätzer (in jedem Landkreis gibt es dafür etwa zwei bis fünf ehrenamtliche, vom Landratsamte bestellte und geschulte) begutachet werden. Die Gebühr pro Begutachtung liegt bei etwa 80 bis 140 Euro.

Und wenn, dann muss eine Summe von 2500 Euro zusammenkommen. Alles in allem recht aufwendig. Nun sollen Eigentümer betroffener Flächen, Landwirte, Jagdpächter und Bürgermeister mit einander Lösungen erarbeiten. Mal sehen, ob Geilings Vorschlag auf Gehör stößt.

Mit der Wildgans-Thematik befasst sich am Landratsamt Bamberg auch Jürgen Reinwald und zwar im Fachbereich 33 - Gewerberecht, Jagd- und Fischerei. Wie er dem FT auf Nachfrage in einer Mitteilung erklärt, gab es im vergangenen Jahr eine Abschuss-Erlaubnis für Wildgänse. Die unterliegen in Bayern generell dem Jagdrecht. Für Bläss-, Saat, Ringel- und Kanadagans gab's bis Mitte des Jahres eine Jagdzeit von. November bis 15. Januar; für Graugänse vom 1. bis 31. August sowie vom 1. November bis 15. Januar. Im August erfolgte aber eine Neufestsetzung und Arten wie die Nilgans wurden zusätzlich aufgenommen. Grau-, Nil-, und Kanadagans dürfen seitdem von 1. August bis 15. Januar bejagt werden.



Enorme Fraßschäden
Da allerdings in der Landwirtschaft vor allem entlang des Mains und zwar von Zapfendorf bis Viereth enorme Fraß-Schäden sowie Schäden durch Verkotung gemeldet worden waren, hat das Amt bei schwerwiegenden Fällen die, entsprechend dokumentiert sein mussten, die Bejagungszeit verlängert.

Für den Zeitraum 2012/2013 sind 139 erlegte Wildgänse dokumentiert, für 2013/14 sind es bereits 302. Wie Reinwald dazu weiter ausführt, könne der Anstieg sowohl aus der verlängerten Jagdzeit, aber auch aus einem Anstieg der Population resultieren. Dass sich viele über die ungebetenen Gäste ärgern, liegt auf der Hand. Was wenn jemand so ein Tier erschießt?

Jagdschein auf dem Spiel
Dann hat er ein Problem, signalisiert der Ansprechpartner vom Amt. Wenn der Jäger dies außerhalb der Jagdzeiten tut, begeht er eine Ordnungswidrigkeit und ihm droht nicht nur ein Bußgeld, es steht obendrein der Jagdschein auf dem Spiel. Wenn ein an der Aufzucht beteiligtes Elterntier erschossen wird, ist das eine Straftat und der Staatsanwalt ermittelt. Sollte jemand ohne Jagdschein eine Wildgans schießen, handelt es sich obendrein um Wilderei und einen Verstoß gegen das Waffengesetz. Für weiter gehende Informationen zur Wildgans-Thematik empfiehlt Reinwald den Untersuchungsbericht der TU München "Ökologie und Management von Wildgänsen in Bayern" http://wildio.wzw.tum.de/index.php?id=99