Auf 710 Metern Höhe thront die monumentale Christusstatue über der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. Nachts strahlt sie in hellem Licht. Moderne LED-Projektoren sind dazu seit zwei Jahren im Einsatz. Rund 300 Stück. Sie anzuschließen und damit elektrisch zu verbinden, war keine leichte Aufgabe. Sie sitzen an schwer zugänglichen Stellen, hinzu kommen Probleme wie Staub, Sonneneinstrahlung und Nässe.

Gefragt war ein unkompliziertes Verkabeln. Die Lösung fanden die Planer in Bamberg. Eine Rundstecker-Verbindung der Firma Wieland Electric. Schnell zusammengesteckt und wieder gelöst, dazu robust und langlebig.
Wenn es darum geht, elektrische Kontakte herzustellen, die auf einfache Weise wieder gelöst werden können, haben die Bamberger jahrzehntelange Erfahrung. Seit 1910 gibt es die Firma. Eine wegweisende Erfindung brachte Wieland 1925 den Durchbruch: eine Klemme mit geteiltem Isoliermantel aus Porzellan und einem Spannring - die sichere "Wieland-Klemme".

Auch in Windkraftanlagen

Anschlussklemmen werden auch heute noch bei Wieland produziert. Millionenfach im Jahr. "Aber die normale Klemme reicht längst nicht mehr", sagt Oliver Eitrich, einer der beiden Geschäftsführer. Wieland ist breit aufgestellt - und steht inzwischen auf zwei großen Standbeinen. Ungefähr 60 Prozent des Umsatzes (die Wieland-Gruppe erwirtschaftete nach eigenen Angaben zuletzt rund 250 Millionen Euro) erzielt das Unternehmen mit Produkten für die Industrietechnik. Dies sind in der Regel Erzeugnisse im und rund um den Schaltschrank, also Installationssysteme und Automatisierungskomponenten für sämtliche Branchen.

Die restlichen 40 Prozent kommen vom zweiten Standbein: der steckbaren Gebäude installation. Wenn es darum geht, in Gebäuden wie den Twin Towers in Kuala Lumpur, der Allianz-Arena in München oder eben an Standorten wie dem Corcovado in Rio mit seiner Christusstatue die Elektroinstallation zu liefern, dann ist Wieland Marktführer bei den steckbaren Verkabelungen.

"Sicherheit und Geschwindigkeit", sagt Oliver Eitrich, dies seien die großen Vorteile bei der Anwendung von Wieland-Steckverbindern. Der Geschäftsführer nimmt ein graues rechteckiges Teil zur Hand. "Ein schwerer Steckverbinder, spritzwassergeschützt", erklärt er. Man könne damit eine Gartenteichpumpe anschließen oder auch eine große Windkraftanlage zu Lande oder auf dem Meer. Solche Wieland-Stecker sind in jedem Kontinent an Windkraftanlagen zu finden. Überhaupt ist der Markt der erneuerbaren Energien zu einem gewichtigen Betätigungsfeld für Wieland geworden. Die Photovoltaik-Branche setzt zum Beispiel auf Rundstecker von Wieland. "Die Marktführer von Wechselrichtern in China sind unsere Kunden", sagt Eitrich.

So bodenständig die Wurzeln, so international ist das Geschäft des Familienunternehmens Wieland. Ulrich Schaarschmidt, der andere Geschäftsführer neben Eitrich, spricht von einem "kontinuierlich steigenden Anteil im Rest der Welt", auch wenn ein Drittel des Umsatzes auf den deutschen Markt entfalle. Die Wieland-Gruppe mit ihren mehr als 2000 Mitarbeitern besitzt neben zahlreichen Vertriebsgesellschaften auch Produktionswerke in Tschechien (rund 500 Mitarbeiter) und China (rund 100 Mitarbeiter). Am Sitz, in den Werkteilen in Bamberg und Umgebung, arbeiten derzeit 841 Menschen.

An der Ausrichtung mit zwei Standbeinen werde Wieland festhalten, bekräftigte Schaarschmidt. Derzeit sei man dabei, in neue Produkte und neue Produktionsanlagen zu investieren, nachdem "das Jahr 2012, was das Ergebnis betrifft, deutlich über den Erwartungen" gelegen habe. Investitionsschwerpunkt werde Bamberg sein. Dazu habe Wieland mit der Gewerkschaft einen Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen. Die Mitarbeiter arbeiteten bis März 2014 pro Woche 37,5 Stunden. Im Gegenzug gebe es eine Beschäftigungssicherung bis Mitte 2014.

Unter den innovativsten Firmen

Eines dieser neuen Produkte ist zum Beispiel ein weiterentwickeltes Sicherheitsrelais. Die Intelligenz, die aufgrund von Prozessoren in so einem Teil steckt, ist für den Laien schwer zu erkennen. Sie bleibt dem Betrachter verborgen. So ein Sicherheitsrelais, wie es in der Industrie genauso wie in Gebäuden oder auch Windkraftanlagen zur Anwendung kommen kann, sorgt zum Beispiel dafür, dass eine Maschine bei Gefahr selbstständig zum Stillstand kommt. "Die Technik wird immer ausgeklügelter und unsere beiden Standbeine entwickeln sich immer mehr von der Elektromechanik in Richtung Elektronik", sagt Eitrich.

Die Innovationsbemühungen von Wieland wurden gestern Abend in Berlin gewürdigt. Die Firma erhielt den Award als eines der Top 100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand.