Am Abend des 16. Juni 2016 hatte ein Wolkenbruch im Norden des Landkreises innerhalb kurzer Zeit große Wassermassen herabregnen lassen, die sich ihren Weg durch die hügelige Landschaft suchten. In Deusdorf bildete sich in der Flur so viel Oberflächenabfluss, dass sich die Straße die Sandleite hinunter zu einem Bächlein entwickelte, das unten an der Mühle den Kreuzungsbereich überflutete. Noch weiter die Lauter hinab im gleichnamigen Ort wateten die Anwohner in der Au in Gummistiefeln durch ihre Straße.

Auch drei Jahre nach dem Starkregen-Ereignis beschäftigen sich die Bürger in Lauter mit der Frage, wie ein einziger Wolkenbruch so große Folgen verursachen konnte. Um diese Frage zu klären, war nun Martin Löffler in den Gemeinderat eingeladen. Der Hydrologe vom Bamberger Ingenieurbüro Gaul rekonstruierte die Vorgänge an jenem Juniabend, um Schutz-Maßnahmen abzuleiten.

"Überflutungen im Ortsbereich sollen künftig vermieden werden", brachte Bürgermeister Armin Postler (CSU) das Ziel des sogenannten "Sturzflutrisiko-Managements" auf den Punkt. Wissenschaftlich näherte sich Löffler in seinem Vortrag den Ursachen für die Überflutungen. Dabei unterschied er zwischen Starkregen und Hochwasser. Während der Oberlauf der Lauter eher vom Starkregen beeinflusst wurde, also von viel Oberflächenwasser in der Flur, trat die Lauter flussabwärts über ihre Ufer - und verursachte Hochwasser. "Hier im ganzen Gebiet haben wir es also mit einer Mischung aus Hochwasser und Starkregen zu tun."

Wie ein Detektiv nutzte der Ingenieur bei seiner Analyse digitale Geländemodelle und moderne Rechensimulationen, um den Weg des Wassers zu rekonstruieren. Die Ergebnisse verglich er dann mit historischen Karten. Und siehe da: Das Wasser hatte sich im Juni 2016 wieder uralte Fließpfade gesucht, die von den Kartographen schon vor Jahrhunderten eingezeichnet worden waren.

Besonders deutlich wurde das in der Au in Lauter. Dort haben die Menschen den natürlichen Flusslauf künstlich verändert. "Die Lauter fließt heute oben rum. Der eigentlich tiefste Fließpfad liegt aber viel niedriger in der Au" - dort wo 2016 die Anwohner in Gummistiefeln herum gewatet waren. Es wurde deutlich: Wo Flüsse eingeengt werden, holen sie sich bei Hochwasser ihre alten Wege zurück. Die Arbeit des Hydrologen hat damit aber erst begonnen. In der nächsten Phase sollen dann detailliertere Modelle erstellt werden - um später mit Hilfe von Fördergeldern Schutz-Maßnahmen zu entwickeln. Mancherorts reiche schon ein zehn Zentimeter hoher Bordstein, um Starkregenwasser umzuleiten, berichtete Löffler - jedoch gilt: Weder Ober- noch Unterlieger dürfen durch Maßnahmen Nachteile erleiden.

So ist es nur logisch, dass auch die Nachbarn mit ins Boot geholt werden, wie Gemeinderätin Hildegard Weigmann (CSU) mahnte. Besonders die Baunacher Unterlieger der Lauter. "Wenn es Hochwasser gibt, ruft mich der Baunacher Bürgermeister an und fragt, was die Lauter bei uns macht. Eine halbe Stunde später schlägt es dann bei ihnen ein", erzählte Bürgermeister Postler (CSU).

"Das Sturzflutrisikomanagement ist auch bei uns ein Thema", bestätigte sein Baunacher Amtskollege Ekkehard Hojer (CBB). Doch nicht nur die Lauter machte Probleme. Der Sendelbach trat im Juni 2016 ebenfalls über seine Ufer. In Dorgen- und Priegendorf standen die Hauptstraßen zeitweise einen halben Meter hoch unter Wasser. In Dorgendorf rissen Arbeiter eigens eine Straße auf, um den Strom abzuleiten. Das Wasser drang in mehrere Häuser. Hojers Fazit damals: "Die hat es ziemlich böse erwischt." Nun arbeiten Baunach und Lauter gemeinsam an einem Konzept. Im Juni wird Löffler dazu auch im Stadtrat sprechen. Für das Baunacher Gewerbegebiet Eichen hat der Hydrologe bereits beispielhaft eine detaillierte Simulation begonnen, wo Fließpfade verlaufen und wo schon kleinere Baumaßnahmen Abhilfe versprechen.

Den Bericht und Fotogalerien zum Starkregen 2016 finden sich hier.

Die Starkregenfälle haben 2016 auch Breitengüßbach erwischt. Ein Regenrückhaltebecken bei Zückshut lief über, berichtete damals Bürgermeisterin Sigrid Reinfelder (UBB). Technisches Hilfswerk und Feuerwehr stapelten Sandsäcke und evakuierten ein Mehrfamilienhaus.

Maßnahmen in Breitengüßbach

Als neuralgische Hochwasserpunkte gelten tieferliegende bebaute Flächen entlang der Gewässer Güßbach und Kesselgraben sowie die Brücken-Engstellen bei der Bahnlinie und der Bundesstraße 4. Steile Hangflächen mit angrenzender Bebauung sind bei Starkregen anfällig.

Auch in Breitengüßbach sind mittlerweile Maßnahmen ergriffen worden. Wie Markus Schmitt aus der Verwaltung berichtet, wurde das Ufer am Kesselgraben in Zückshut abgeflacht und naturnah gestaltet. "Damals vom Hochwasser ausgespülte Uferbereiche in Breitengüßbach wurden mit Wasserbausteinen gesichert." Auflandungen aus dem Güßbach in Breitengüßbach und aus dem Kesselgraben in Zückshut wurden ausgebaggert. Außerdem wurden am bestehenden Hochwasserrückhaltebecken oberhalb der Bebauung von Breitengüßbach Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt.

Ein besonderes Augenmerk richtet sich auch darauf, Straßeneinläufe regelmäßig zu reinigen. Denn schon ein einziger verstopfter Gulli kann Hochwasser verursachen. "Außerdem haben wir ein Fachbüro mit der Aufstellung eines integralen Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzeptes für den Güßbach beauftragt", berichtet Schmitt. Ziel ist es, Zückshut vor einem hundertjährlichen Hochwasserereignis zu schützen. "Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, werden aber zeitnah erwartet."

Mammutaufgabe in Scheßlitz

Überall im Landkreis rüsten sich Gemeinden vor dem Wasser - zum Beispiel in Scheßlitz. "Bei uns sieht man regelrecht, wie das Wasser in der Fläche in Richtung Stadt fließt. Brennpunkt ist dann Wiesengiech, wo Land unter ist", berichtet Bürgermeister Roland Kauper (CSU). "Das Wasser kommt schnell und geht schnell wieder." Zeckendorf und Peulendorf seien ebenfalls neuralgische Punkte.

Der Hochwasserschutz sei eine Herausforderung. Scheßlitz müsse eigentlich vier bis fünf Dämme bauen, um Ortsteile zu schützen - finanziell ein Mammutprojekt. Momentan arbeite man an einer kleinen "Akut-Konzeption" für Wiesengiech. Eine hundertprozentige Sicherheit werde es nie geben. "Es wird Jahre und Jahrzehnte dauern, bis wir alle Dämme gebaut haben", sagt Kauper.