Das Projektil durchschlug die Lunge und blieb kurz vor dem Herzen stecken: Kater Paul ist am Montag vor einer Woche in der Oberen Seelgasse offenbar Opfer eines Tierhassers geworden. Nicht der erste Fall. Schon vor einem Jahr wurde nur unweit des Tatorts eine Katze getroffen. Wer schießt mitten in der Stadt mit einer Kleinkaliberwaffe auf Tiere? Das fragen sich nicht nur die Anwohner - sondern auch die Polizei.
"Die Lunge ist kollabiert. Durch das Loch ist Luft in den Körper eingedrungen": Tierärztin Anja Hentschel blickt auf die Röntgenbilder. Darauf ist deutlich die Kugel zu sehen. Herausoperieren wäre zu gefährlich, würde mehr Schaden anrichten. Die Mediziner um Dr. Martin Nunez in der Tierklinik Anicura in Gaustadt pumpten mit einem Schlauch mehrmals täglich Flüssigkeit aus der Lunge - und schafften es, dass sich Pauls Zustand stabilisiert. Über den Berg ist der Kater noch nicht. Zu groß sind die Verletzungen, die durch den Schuss aufgerissen wurden.
"Die Ärzte haben uns erklärt, dass der Schütze aus nächster Nähe abgedrückt haben muss", berichtet Christian Schwarz, während seine Freundin Xenia Kusnezow den abgemagerten Patienten auf dem Behandlungstisch krault. Mit letzter Kraft hatte sich der zweijährige Kater am Montagabend in die Wohnung der drei geschleppt. Der Tatort kann also nicht weit entfernt liegen. Irgendwo im Bereich Obere Seelgasse.
Es war nicht der erste Fall. "Mein Kater Poldi ist im März 2017 ebenfalls hier angeschossen worden", berichtet Anna Batz, die nur wenige hundert Meter entfernt wohnt. Ein Durchschuss durch den Bauchraum, der Därme, Milz und Leber verletzt hatte. Eine aufwendige Operation rettete damals das Tier. "Gleiches Projektil, auch aus nächster Nähe", erzählt Batz.
Bei dem Projektil zwischen Pauls Rippen handelt es sich laut Polizei um eine sogenannte Diabolo-Kugel mit angespitztem Metallkopf für mehr Durchschlagskraft. "Bei dieser Art der Munition ist man eigentlich nicht mehr im Luftgewehr-, sondern schon eher im Bereich Kleinkaliber", erklärt Polizeisprecher Harald Vater. Die Ermittlungen wegen Tierquälerei und Sachbeschädigung laufen. Die Bamberger Beamten prüfen eingegangene Hinweise und hoffen auf weitere Angaben von Zeugen.
Die Anwohner im Berggebiet sind alarmiert. Wohnt der Schütze in der Nachbarschaft? "Wir haben alle Kinder. Denen müssen wir erklären, warum jemand auf Katzen schießt. Der Schulweg verläuft hier entlang", sagt Batz. Sie kommen an Laternenmasten vorbei, an denen Zettel mit Zeugenaufrufen hängen.
Im Bamberger Tierschutzverein wundert sich Vorsitzender Peter König über die Attacken. "So etwas passiert zum Glück sehr selten. Heute sensibilisieren wir schon die Kinder für den Tierschutz." Früher habe es noch ein anderes Verständnis gegeben. "Es sind vor allem die älteren Generationen, die es noch gewohnt waren, auf Vögel zu schießen", sagt König. Das sei glücklicherweise vorbei.
Zeugenhinweise nimmt die Polizei in Bamberg unter der Telefonnummer 0951/9129-210 entgegen.

Sebastian Schanz