Prozesse mit großem Medien- und Zuhörerinteresse gibt es im Gerichtsgebäude am Wilhelmsplatz immer wieder. Der letzte, bei dem die Justiz den Publikumsansturm mit Platzkarten zu bewältigen versuchte, war 2001 der Aufsehen erregende Fall einer Leichenschändung.

Lange hatte die Polizei nach dem Unbekannten gefahndet, der im November 1999 den toten Körper einer 14-Jährigen aus der Aussegnungshalle in Buttenheim gestohlen hatte.

Als dem Mann, der die Leiche auch sexuell missbraucht und zerstückelt hatte, der Prozess gemacht wurde, standen die Leute um einen Platz im Sitzungssaal Schlange. Der angeklagte Familienvater wurde zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

1994 ahndete die Bamberger Justiz den grausamen Tod des eineinhalbjährigen Tobias Hofmann. Auch damals standen manche Leute extra bald auf, um eine Platzkarte für den Schwurgerichtssaal zu ergattern.

Ab 7 Uhr wurden sie ausgegeben, um 5 Uhr warteten die ersten Besucher. Viele wollten sich selbst ein Bild von dem Ehepaar aus Hirschaid machen, das der bundesdeutschen Öffentlichkeit Wochen lang die Entführung seines Kindes vorgespielt hatte - Appelle vor laufenden Fernsehkameras an die angeblichen Entführer inklusive.

Tatsächlich war das Kind daheim an den Folgen eines Fußtritts gestorben. Aus Angst vor einer Aufdeckung ihrer Tat hatten die Eltern den kleinen Körper zerstückelt und in den Müll geworfen. Die Mutter erhielt neun, der Vater sieben Jahre Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Mordprozess im Ballsaal

Einmalig in der Bamberger Justizgeschichte dürfte der Mordprozess gegen fünf Jugendliche gewesen sein, der 1981 im Freizeitwerk St. Heinrich über die Bühne ging. Der Saalbau in Bamberg-Ost war bis zu seinem Abriss vor Jahren ein beliebter Veranstaltungsort für alle möglichen Gelegenheiten.

In der Vorweihnachtszeit 1981 war aus dem Ballsaal ein Gerichtssaal geworden, weil es vor der Generalsanierung im Haus am Wilhelmsplatz keinen Raum gab, der groß genug für die rund 50 Prozessbeteiligten gewesen wäre.

Zuschauer gab es damals keine; die Jugendkammer tagte mit Rücksicht auf die minderjährigen Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die 15 bis 19 Jahre alten Burschen wurden zu Jugendstrafen zwischen sechs und zehn Jahren verurteilt. Sie hatten eine 16-jährige Bambergerin vergewaltigt und ermordet.