Der 24. Dezember, Familien sitzen im weihnachtlich beleuchteten Wohnzimmer, packen Geschenke aus und lassen sich den traditionellen Braten schmecken. Nicht so Millionen Deutsche - sie retten, operieren, löschen oder kümmern sich um Kranke und Bedürftige. Daniel Brutscher ist einer von ihnen. Der 30-Jährige ist stellvertretender pflegerischer Leiter der Notaufnahme des Klinikums Bamberg.

Um 21 Uhr beginnt sein Dienst am 24. Dezember, bis 6.30 Uhr am Folgetag. Das Arbeiten an Feiertagen ist für ihn kein Problem: "Im Krankenhaus herrscht Schichtbetrieb, sieben Tage die Woche, normale Bürozeiten gibt es hier nicht. Das weiß jeder, der eine Anstellung im Krankenhaus antritt. Natürlich wäre es schön Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen aber ich freue mich, wenn ich Patienten helfen kann - auch und vor allem zu Weihnachten. Denn gerade in dieser Zeit rücken wir doch alle ein bisschen enger zusammen."

Die Schichtpläne hängen bereits zwei Monat vorher aus, die Möglichkeit Dienste untereinander im Kollegenkreis zu tauschen ist jederzeit möglich. "Allerdings ist ein Dienst - entweder an Weihnachten oder an Silvester - Pflicht", so Brutscher.

Trotz Krankenhausalltag hält der weihnachtliche Geist auch auf den Stationen im Klinikum Bamberg Einzug. Wo möglich, wird liebevoll geschmückt. "Vordergründig dekorieren wir natürlich für die Patienten, denn diese leiden meist sehr darunter, dass sie Weihnachten im Krankenhaus und nicht bei ihrer Familie verbringen. Aber natürlich versuchen wir auch für uns eine feierliche Atmosphäre herzustellen. Im Kollegenkreis werden kleine Leckereien mitgebracht oder wir trinken in einer ruhigen Minute gemeinsam einen Tee", erzählt der 30-Jährige.

Im Notfallbetrieb herrscht jedoch nur selten Zeit für Besinnlichkeit. Knapp 300 Patienten wurden im letzten Jahr an Heilig Abend und den Weihnachtsfeiertagen in der Bamberger Notaufnahme versorgt. "In den meisten Fällen handelte es sich um Schnittverletzungen oder Patienten mit Magenproblemen", erklärt der stellvertretende pflegerische Leiter.

Ein Kurzinterview mit Daniel Brutscher

Herr Brutscher, in der Notaufnahme in Bamberg sind Sie es gewohnt an den Feiertagen zu arbeiten. Ist das Arbeiten an Heilig Abend dennoch belastend für Sie?

Daniel Brutscher: "Nein, überhaupt nicht. Natürlich wäre es schön den Weihnachtsabend mit meiner Familie zu verbringen aber ich liebe meinen Job und wusste bereits vor Antritt meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, dass Feiertagsdienste im Krankenhaus dazu gehören. Ich freue mich, wenn wir Patienten helfen können - egal wann."

Werden über Weihnachten mehr Patienten in die Notaufnahme eingeliefert als sonst?

Daniel Brutscher: "Die Anzahl der Einlieferungen bewegt sich im Durchschnitt, ist nicht wesentlich höher oder niedriger. 2016 haben wir am 24. Dezember 95 Patienten behandelt, am 1. Weihnachtsfeiertag 114 Patienten und am 26. Dezember waren es 89 Patienten. Allerdings handelt es sich um andere Verletzungen. Typisch sind beispielsweise Schnittverletzungen. Aber auch Patienten mit Magenproblemen sind keine Seltenheit."

Bleibt zwischen den Notfällen dennoch Zeit für Besinnlichkeit?

Daniel Brutscher: "Das hängt natürlich von der Art der Verletzungen ab, die reinkommen. Aber natürlich versuchen wir, den weihnachtlichen Geist auch auf der Station Einzug halten zu lassen. Wo möglich, wird weihnachtlich dekoriert. Vordergründig tun wir dies natürlich für die Patienten, denn diese leiden meist sehr darunter, dass sie Weihnachten im Krankenhaus und nicht bei ihrer Familie verbringen. Aber natürlich versuchen wir auch für uns eine feierliche Atmosphäre herzustellen. Im Kollegenkreis werden kleine Leckereien mitgebracht oder wir trinken in einer ruhigen Minute gemeinsam einen Tee."