Dabei gehe es nicht nur darum, den Wasserhahn beim Zähneputzen unnötigerweise laufen zu lassen. "Zu den 130 Litern Trinkwasser, die ein Westeuropäer pro Tag verbraucht, kommen noch 4000 Liter so genanntes indirektes Trinkwasser hinzu", sagte Schick und erläuterte, dass für die Produktion einer Tasse Kaffee im gesamten Herstellungsprozess 140 Liter Wasser benötigt werden, und ein Kilo Rindfleisch 15.000 Liter Wasser verbrauche. "Wer im Schnellrestaurant einen Hamburger für einen Euro bestellt, muss daran denken, dass er damit 2400 Liter Wasser verbraucht", sagte Schick, der auch Weltkirche-Bischof der katholischen Kirche in Deutschland ist.

Weltweit sei das Water-Grabbing derzeit ein größeres Problem als das Land-Grabbing. Wasser werde in Zukunft mehr zur Mangelware als bebaubares Land. "Wasser darf nicht zur Handelsware werden, die sich die Armen nicht leisten können", mahnte Schick.

Weil Deutschland ein regenreiches und somit kein wasserarmes Land sei, spiele Wasserknappheit hier im Alltag keine Rolle. "Weil wir ausreichend Wasser mit hervorragender Qualität haben, können wir uns den Luxus erlauben, für das Bewässern der Gärten, das Waschen und Fensterputzen Trinkwasser zu benutzen, während in anderen Ländern nur abgekochtes oder gekauftes Wasser zum Verzehr geeignet sei.

"Der Mangel an Wasser bedroht in vielen Teilen der Welt, die Lebensgrundlage der Menschen und löst große Flüchtlingsströme aus", sagte Schick und fügte hinzu: "Der Zugang zu sauberem Wasser entscheidet oft über Leben und Tod. Wasser ist ein Menschenrecht." 800 Millionen Menschen müssten weltweit auf sauberes Trinkwasser verzichten. In Kenia müssten Mütter 20 Kilometer laufen, um für ihre Familien Wasser zu holen. Auch wenn der Wassermangel in den Entwicklungsländern nicht durch Wassersparen in Deutschland beseitigt werden könne, sei ein achtsamer Umgang mit der wertvollen Ressource erforderlich.

Der Weltwassertag ist ein Ergebnis der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 und wird seit 1993 jährlich am 22. März begangen. Er steht 2015 unter dem Motto "Wasser und nachhaltige Entwicklung". red/tos


Polens Angst vor Wassermangel - Grundwasser soll wieder steigen

Ein Land zwischen Wassermangel und Jahrhunderthochwasser: Polen hat nur so viel Grundwasser wie Ägypten und liegt selbst hinter Ländern wie Spanien, die gerade in den Sommermonaten von Dürren geplagt werden. Dies war die alarmierende Bilanz des stellvertretenden polnischen Umweltministers Stanislaw Gawlowski zum Weltwassertag im vergangenen Jahr. Zum selben Gedenktag an diesem Freitag sieht es nur wenig besser aus. Aber es gibt viel Pläne, Wasser zu speichern.

Karge Wüstenlandschaft wie in Nordafrika - das Bild scheint so gar nicht zum Vergleich mit Polen zu taugen, wo Weichsel und Oder in den vergangenen 20 Jahren wiederholt mit einem "Jahrhunderthochwasser" über die Ufer traten und Zerstörung durch Wassermassen brachten. Gilt nicht Masuren als das "Land der tausend Seen", sind nicht im Nordosten Polens die Biebrza-Sümpfe und die Flussauen von Narew und Bug ein Paradies für eine der größten Storchenpopulationen in Europa?

Die Zahlen, die Gawlowski nannte, klangen dramatisch: Nach Angaben des Amts für Wasserwirtschaft entfielen nur durchschnittlich 1580 Kubikmeter Wasser auf jeden Einwohner Polens, im europäischen Vergleich dagegen seien es durchschnittlich 4560 Kubikmeter.

Der Wasserbericht des Umweltministeriums, der im vergangenen Sommer im Warschauer Parlament vorgestellt wurde, basiert auf diesen Zahlen. Allerdings wird in dem alle zwei Jahre veröffentlichten Bericht die Dramatik etwas zurück genommen. Denn Grundlage des Berichts sind die Niederschläge, Wasserstände und -vorräte der Jahre 2012 und 2013 - und eine lange Dürreperiode im Sommer 2012, einem der trockensten Jahre seit langem. Die Werte lagen deutlich unter den Mittelwerten der langjährigen Messungen. In manchen Orten mussten die Behörden Tankwagen mit Trinkwasser ordern.

Ein Bericht von Paulina Orlinska-Wozniak vom Institut für Meteorologie und Wasserwirtschaft in Warschau weist ebenfalls auf teils krasse Unterschiede zwischen Regionen und Jahreszeiten hin. "Wasserdefizite in Polen sind nicht das Ergebnis eines allgemeinen Wassermangels, sondern von Wassermangel am jeweiligen Ort und in entsprechender Qualität", warnt sie vor Verallgemeinerungen.

Allerdings könnten die Regenwasserreservoirs und Staubecken mit einem Gesamtvolumen von etwa vier Milliarden Kubikmetern keinen vollen Schutz vor Hochwasser- oder Dürreperioden garantieren. Angesichts der Klimaveränderungen, die sich nach Expertenangaben auch in Polen bemerkbar machen, ist ein Dürresommer nicht mehr die Ausnahme.

Hier sieht auch Gawlowski dringenden Handlungsbedarf für die kommenden Jahre. "Wir müssen einen Renaturierungsprozess beginnen, um das Wasser dort zu halten, wo es sich jahrelang auf natürliche Weise ansammelte." Nun machten sich die Sünden der Vergangenheit bemerkbar: "Wir haben die Sümpfe ausgetrocknet, die ein natürliches Wasserreservoir sind", tadelte er den Umgang mit Feuchtgebieten außerhalb der Naturschutzgebiete.

Erste Schritte zur Rückkehr zur Natur wurden bereits unternommen. Zusammen mit der Verwaltung der staatlichen Wälder investierte das Umweltministerium mehr als 500 Millionen Zloty (etwa 120 Millionen Euro) in den Bau sogenannter kleiner Rückhaltereservoirs. Langfristig soll so der Grundwasserspiegel wieder ansteigen. "Die Einzelkosten sind gering, aber die Zahl der Einzelprojekte geht in die Tausende", betonte der Vizeminister.
Die Zahl der Sammelbecken, in denen bei Hochwasser Wasser aufgefangen wird, soll erhöht werden. Derzeit würden nur fünf bis sechs Prozent des Oberflächenwassers in solchen Rückhaltebecken gesammelt. Ziel des Umweltministeriums ist, etwa zwölf Prozent des Wassers zu sammeln. Noch in diesem Jahr soll der Bau eines neuen Stausees im südpolnischen Swinna-Poreba abgeschlossen werden, der mehr als 160 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen kann. Auch ein Wasserkraftwerk ist geplant. dpa


Nachhaltige Wasserversorgung - nur ohne Überdüngung

Anlässlich des für den 22. März von der UNESCO ausgerufenen Weltwassertages hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft gewarnt und verstärkte Anstrengungen beim Schutz der Gewässer vor Überdüngung und Pestiziden gefordert. "Zu den Hauptverschmutzern des Grund- und Oberflächenwassers in Deutschland, Europa und weltweit gehört die industrielle Agrarwirtschaft mit ihren hohen Nitrat- und Pestizideinträgen. Auch das in deutschen Discountern scheinbar so billige Fleisch wird teuer erkauft, unter anderem mit einer Verschlechterung der Grundwasserqualität", sagte die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning.

Drei Viertel des Trinkwassers in Deutschland würden aus Grundwasser gewonnen, wobei mehr als die Hälfte der Grundwassermessstellen inzwischen besorgniserregende Nitratbelastungen aufweise. Die Hauptursachen dafür seien zu lasche Umweltgesetze, die Überdüngung mit Gülle aus der Massentierhaltung und Maismonokulturen. Geeignete Gegenmittel sieht der BUND in der Umstellung auf eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft sowie in einem strengeren Düngerecht inklusive der Einführung sogenannter "Hoftorbilanzen".

"Agrarminister Christian Schmidt muss das Düngerecht zügig reformieren und Oberflächen- und Grundwasser vor Belastungen aus der industriellen Agrarwirtschaft schützen. Bund und Länder müssen gemeinsam für wirksame Kontrollmechanismen sorgen. Für sämtliche Agrarbetriebe ist die Einführung einer Hoftorbilanz erforderlich, die alle Nährstoffströme erfasst, die in die Betriebe hinein- und hinausgehen. So wird die Herkunft von zu viel Gülle und Dünger sichtbar und beides kann gezielt verringert werden", sagte der BUND-Wasserexperte Sebastian Schönauer.

Erfreulich sei, dass der Fleischkonsum in Deutschland inzwischen sinke. Im Gegensatz dazu stehe jedoch die zunehmende Exportorientierung der Fleischproduktion. Nach Ansicht des BUND trügen die politisch Verantwortlichen in Brüssel und Berlin mit schwachen Tierschutzstandards, indirekten Subventionen für industrielle Tierställe und Schlachthöfe sowie mit Zuschüssen für die Fleischlagerung erheblich dazu bei. "Rechnerisch wird inzwischen jedes fünfte Masthuhn und jedes sechste Schwein exportiert, die Gülle aus den Tierfabriken hingegen bleibt hier und belastet unsere Gewässer", sagte Benning. "Die Anzahl der gehaltenen Tiere pro Hof muss den verfügbaren Flächen und die produzierte Menge an Fleisch und Milch dem tatsächlichen Inlandsbedarf angepasst werden", forderte die BUND-Agrarexpertin.

Um dauerhaft eine Weltbevölkerung von bald 10 Milliarden Menschen zu ernähren, müssten vor allem in den reichen Industriestaaten Fleischproduktion und -konsum verringert werden. "Zwischen 2014 und 2020 erhält die exportfixierte Agrar- und Ernährungsbranche in der EU rund 400 Milliarden Euro an Steuergeldern - bisher ohne besondere Umwelt- und Tierschutzvorgaben. Für eine bäuerlich-ökologische Agrarwende wäre genug Geld vorhanden. Stattdessen trägt die ungerechte und umweltfeindliche Ausschüttung der Gelder vor allem an industrielle Agrarbetriebe dazu bei, Böden und Gewässer zu schädigen", so Benning. ots