Der Saalbau der Familie Grell war in den 70er bis 90er Jahren der Treffpunkt der Jugend im Aurachtal und an fast jedem Wochenende spielten Coverbands wie "Happy Jack" oder "Sound City Group" auf der Bühne im "Weißen Lamm". Am 6.Januar 2016 schlossen die Eigentümer Andreas und Helene Grell nach 246 Jahren dann auch die Schank- und Speisewirtschaft. Der Saal im Weißen Lamm wurde in den letzten Jahren nur noch sporadisch genutzt, zum Beispiel an der Walsdorfer Kirchweih, für das Walsstock-Festival oder beim 500-jährigen Reformationsjubiläum im vergangen Jahr.

Die Gemeinde Walsdorf hat daher 2017 eine Machbarkeitsstudie bei der DSK (Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft) und dem Architekturbüro Drescher in Auftrag gegeben. Für dieser Studie wurde bereits im November 2017 ein Workshop durchgeführt, bei dem die Gemeindebürger ihre Anregungen und Wünsche einbrachten. Alexander Eberl von der DSK hat einen Zwischenbericht der Machbarkeitsstudie in einer Bürger-Informationsveranstaltung im Sitzungsraum des Feuerwehrgerätehauses nun vorgestellt.

Als Ergebnisse aus dem Workshop wurde Folgendes festgestellt: Ein Konfliktpunkt ergäbe sich, wenn der Saal als attraktiver Anlaufpunkt für Jugendliche genutzt und zugleich auf dem Gelände altengerechtes Wohnen ermöglicht würde. Bei einem Ortstermin mit Bürgermeister und Jugend Ende Dezember ging es um alternative Räumlichkeiten für die Jugendlichen, z. B. die Herzogscheune.


Mietwohnraum ist knapp

Einigkeit besteht darüber, dass Mietwohnraum in Walsdorf knapp ist (nicht nur für altengerechte Wohnungen, sondern für alle Generationen), eine öffentliche Nutzung des Hofbereiches wünschenswert (Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten) wäre, ebenso Parkmöglichkeiten nicht nur für die geplanten Nutzungen, sondern weitere, öffentliche Parkplätze. Einig ist man sich auch darüber, dass die Gaststätte "Weißes Lamm" mit dem angrenzenden Saal und dem Wohnbereich nicht erhaltungswürdig bzw. -fähig ist. Stattdessen wird ein gastronomischer Neubau gewünscht, falls eine realistische Chance auf einen Pächter besteht.

Im Workshop mit den Bürgern gab es folgende Anregungen:
- Wohnraum für ältere Menschen vorrangig für Einheimische; die im Gegenzug unter Umständen frei werdenden Wohnhäuser könnten dann jungen Familien angeboten werden.
- Eine Tagespflege könnte eventuell alternativ im Bereich des Kindergartens gebaut werden.
- Für den Fall der Schaffung von Wohnraum sollte ein neues gastronomisches Angebot geschaffen werden, um Leben in die Dorfmitte zu bekommen.

In einer Expertenrunde im Landratsamt Bamberg, mit allen beteiligten Behörden, wurden die Ergebnisse aus dem Workshop diskutiert. Die beteiligten Behördenvertreter sahen die Aufrechterhaltung der Gaststättenkonzession in dem bestehenden Umfang aus brandschutztechnischen Gründen sehr kritisch, wobei eine typische Schank- und Speisewirtschaft grundsätzlich möglich wäre. Am Ende wurde eine Wohnraumnutzung in irgendeiner Form favorisiert.


Für Familien und Senioren

Die DSK schlägt für eine Wohnraumnutzung Folgendes vor:
- Saal-Seite: kleine Ein- bzw. Zweiraumwohnungen für Senioren (40-60 m²), Wohnungen für Alleinerziehende (nach SGB II ca. 60-70 m²), Wohnungen für Familien (nach SGB II ca. 90 m² bei zwei Kindern), Wohnungen für Menschen mit Behinderung (nach SGB II angemessen: 47 m² für 1 Person plus 15 m² bei Rollstuhlfahrern). Zusätzlich sollten Räume für eine Tagesgastronomie mit notwendigen Nebenflächen und Außenbereich sowie Raum für ein kleines Büro (z.B. Quartiersmanagement) geschaffen werden.
- Ochsenstadl-Seite: frei finanzierte Wohnungen (kleine Appartements für Studenten, klassischem Wohnraum für Zwei-Personen-Haushalte, Wohnungen mit ein oder zwei Kinderzimmern
- Freibereich: Flächen für drei bis fünf Wohnmobilstellplätze mit öffentlicher Toilette und ggf. Duschmöglichkeit; Spielplatz und/oder Bewegungsgarten; Pavillon.

Im nächsten Schritt soll in Gesprächen mit der Familie Grell, möglichen Investoren und der Gemeinde Walsdorf eine mögliche Umsetzung der Planung besprochen werden und das Ergebnis dem Gemeinderat vorgelegt werden.