Alle drei Hackschnitzelheizkraftwerke im Landkreis - Forchheim Nord, Gräfenberg und Ebermannstadt - wurden von der Biomasseheizwerk GmbH gebaut, beliefert und betrieben. 48 Landwirte aus dem Landkreis sind inzwischen Gesellschafter der Firma. Nun, nach 20 Jahren, war der Vertrag für das älteste Heizwerk Forchheim-Nord ausgelaufen und wurde vergangenes Jahr neu ausgeschrieben. Die Biomasse GmbH ist raus, den Zuschlag erhielt Naturstrom AG als wirtschaftlichster Bieter der europaweiten Ausschreibung.

Die Naturstrom AG betreibt das Heizkraftwerk seit September. Mit Erdgas, nicht mit Hackschnitzeln. Das und auch der Angebotspreis haben bei etlichen Landwirten für Kopfschütteln und Verwunderung gesorgt. "Eine regionale Wertschöpfungskette für Schwachholz aufzubauen, - neutral, war vom damaligen Landrat Glauber gewollt. Der Landwirt soll Energiewirt werden", erklärt Wolfgang Windisch, der Geschäftsführer der Biomasse GmbH, den Grundgedanken, als das Hackschnitzelheizwerk Forchheim Nord vor 20 Jahren in Betrieb genommen wurde. Gerade nach so trockenen heißen Sommern wie dem vergangenen gibt es viel Schad- und Käferholz. Einen Markt für dieses Schwachholz gibt es nicht, umso mehr waren die Land- und Forstwirte froh, mit dem Hackschnitzelheizkraftwerk eine Verwertungsmaschine zu haben.

Über 1000 Tonnen wurden für das Hackschnitzelheizwerk Forchheim-Nord geliefert. "Nun bleiben diese Schadhölzer entweder in den Wäldern liegen oder werden auf ein Lager gestapelt", sagt Windisch.

Der Nachteil: Der Borkenkäfer könnte sich wieder vermehrt ausbreiten. Um den Zuschlag bei der Ausschreibung wieder zu erhalten, habe man sich besonders angestrengt und konnte einen Preis von 78,50 Euro netto für die Megawattstunde bieten. "Der bayerische Durchschnittspreis liegt bei 90 Euro pro Megawatt", sagt Windisch.

Seine Landwirte wunderten sich, wie Naturstrom AG mit 61 Euro weit günstiger anbieten könne. "Die Naturstrom Nahwärmekonzepte setzen auf effiziente Technologien, die aus regionalen und nachhaltigen Rohstoffen Energie gewinnen", erläutert Tim Loppe, Leiter der Pressestelle bei der Naturstrom AG. Überwiegend kommen Waldhackschnitzel von privaten Waldbesitzern aus der Region, in einem Umkreis von 40 Kilometer zum Einsatz.

"Um einen durchweg reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, setzen wir auf bewährtes Personal vor Ort. Daher wurde der Heizwart, der bereits beim vorherigen Betreiber angestellt war, von der neuen Betreibergesellschaft übernommen", ergänzt Loppe. Bisher allerdings wird Forchheim-Nord nicht mit Hackschnitzeln, sondern ausschließlich mit Erdgas betrieben. Das begründet die Firma Naturstrom AG mit den anstehenden Umbauarbeiten, um die Anlage auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.

"Vom Landkreis wurden die Umweltbestimmungen verschärft", sagt Klimaschutzbeauftragter Dominik Bigge. Vor allem wurde der Primärenergiefaktor gesenkt. Das ist der Anteil zwischen Holz und Gas. Künftig solle der Holzanteil größer sein.

Gesetzliche Bestimmungen

Auch der Emissionsschutz wurde verschärft. Die Werte werden sich nach den Umbaumaßnahmen verbessern, heißt, weniger Feinstaub wird freigesetzt. Für die Umbaumaßnahmen hat Naturstrom ein Jahr Zeit. Kontrolliert wird das vom Forchheimer Landratsamt.

"Die Umbaumaßnahmen liegen im Zeitplan", versichert Pressesprecherin Kathrin Schürr. Nur bis der Umbau abgeschlossen ist, darf ausschließlich mit Gas beheizt werden. "Der Gaskessel ist an die öffentliche Gasversorgung angebunden. Das eingesetzte Erdgas ist zu 100 Prozent klimaneutral und kommt von Naturstrom. Die klimarelevanten Emissionen werden über Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern kompensiert. Die Projekte sind nach dem Gold-Standard zertifiziert, den federführend der Umweltverband WWF unter Beteiligung des Bundesumweltministeriumsentwickelt hat", bekräftigt Loppe.

Im September müssen die Umbauarbeiten fertig sein. Auch im Gräfenberger Hackschnitzelheizwerk läuft in wenigen Jahren der Vertrag aus und Umbauarbeiten stehen an. Die Stadt hat überlegt, das Heizwerk selbst zu übernehmen, aber auch Gespräche mit der Biomasse GmbH geführt. Noch beliefern sie das Heizwerk. Doch 1000 Tonnen Hackschnitzel bleiben künftig übrig.