Dass die Stimmung an diesem Abend durchaus eine besondere war, zeigte sich an der Reaktion auf einen vermeintlich harmlosen Nebensatz. "Wir fahren ja alle Auto", hatte Harald Lang, der Leiter des städtischen Konversionsamtes, eher beiläufig gesagt, als er von der Verlagerung der Armeestraße im Süden sprach. Dafür erntete er freilich Rufe wie "Frechheit, ich fahre kein Auto!" Lang war einer der Hauptredner der Infoveranstaltung zum Gewerbepark. Er führte im voll besetzten Pfarrsaal von Sankt Kunigund recht unaufgeregt durch eine komplexe Materie und vier Jahre Beplanungsverfahren.
Gerade würden die Stellungnahmen der zweiten Bürgerbeteiligung abgearbeitet. "Die geplante zivile Nutzung vormaliger Militärflächen ist vorbildlich", stellte Lang heraus. Wenn von 3054 Hektar Gesamtfläche des Landschaftsschutzgebietes Hauptsmoorwald gerade einmal 55 Hektar überplant würden, sei das "keine echte Gefährdung des Hauptsmoorwaldes". Die Planungen hätten sich gegenüber 2015 schon erheblich verändert, der Waldanteil ist deutlich größer, der Gewerbeanteil sehr viel kleiner geworden.
Finanzreferent Bertram Felix beschrieb die Herausforderungen der kommenden Jahre, unter anderem die Sanierung von vier Gymnasien und einem Dutzend Grundschulen. Wirtschaftsreferent Stefan Goller verwies auf die Gewerbesteuer als "wichtigste originäre Einnahmequelle", aus Flächenmangel könne man kaum noch ein Unternehmen ansiedeln. "Wenn wir wertvolle Arbeitsplätze schaffen wollen, brauchen wir diese Gewerbeflächen", stellte Goller heraus. Der Bedarf liege bei 90 Hektar, man habe aber nur 20 Hektar zur Verfügung. Hinzu kämen viele Betriebe, die im Stadtgebiet wachsen möchten und dafür einen neuen Standort brauchen. Dadurch könnten auch wieder neue Flächen für die Wohnbebauung frei werden.

"Wir sollten einige Minuten unterstellen, dass der Andersdenkende auch recht haben könnte", hatte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) zu Beginn der Veranstaltung gefordert. Worauf es aus dem Publikum gleich zurückhallte: "Ihr aber auch!" Starke verwies erneut auf die Erblast der Gebietsreform, die Bamberg kaum Flächen zur Gewerbeentwicklung biete, Neuansiedlungen und Firmenverlegungen seien äußerst schwierig. Zugleich wachse die Stadt, die Infrastruktur müsse angepasst werden, dafür brauche man auch die nötigen finanziellen Ressourcen. "Wir wollen die Konversion mit Maß und Ziel umsetzen und dabei auch ökologische Bedürfnisse einbeziehen", sagte Starke.
Für einige Aufregung sorgte zu Beginn die Ankündigung von Moderator Mischa Salzmann, dass für Publikumsfragen am Ende noch 30 Minuten blieben. Das revidierte später OB Starke und versprach: "Keine Frage soll unbeantwortet bleiben."

Konversionsreferent Christian Hinterstein gab einen Überblick über den bisherigen Verlauf der Konversion in Bamberg. 2012 hatte der Stadtrat beschlossen, durch die Konversion freiwerdende Flächen von der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) zu erwerben. Die Stadt ist der exklusive Verhandlungspartner der Bima, für das Muna-Gelände läuft derzeit das Wertermittlungsverfahren. "Die Bima darf keine Flächen unter Wert veräußern und die Stadt nur kaufen, wenn Kaufpreis und Altlastensanierung refinanziert werden können", machte Hinterstein deutlich. Ansonsten bleibe die Bima Eigentümer, das Gelände umzäunt und nicht zugänglich, es gebe kein Gewerbegebiet, keine Sanierung von Altlasten und auch kein neues Naturschutzgebiet.
Gerhard Spörlein vom Bund Naturschutz warf die Frage auf, wie lange das Gewerbegebiet denn ausreichen würde, wenn es dazu kommt. Er forderte weniger Flächenversiegelung und nachhaltige Planungen. Dass man Gewerbeflächen auch durch Aufstocken bestehender Gebäude schaffen könnte, stieß bei Lang auf Widerspruch. "Fast alle Bebauungspläne in Bamberg haben Höhenbeschränkungen. Wir dürfen und werden nicht in die Höhe bauen."
Björn Scharf von der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" sprach unter anderem die gesundheitliche Belastung durch Lärm und Schadstoffe in den angrenzenden Wohngebieten an. "Ich tue mich weiter schwer damit, einzusehen, dass der Bebauungsplan nicht in Gänze abzulehnen ist", sagte er und bemängelte, dass es bislang keine Informationsveranstaltungen oder Bürgerforen dazu gegeben habe. Lang erwiderte, dass das am lange Zeit sehr geringen Interesse der Bevölkerung gelegen habe: "Wir haben frühzeitig alle Flächen vorgestellt. Zur Muna kam fast nichts und das lag nicht an uns."
Auch nach insgesamt dreieinhalb Stunden lagen die Positionen von Befürwortern und Gegnern weit auseinander. Doch gerade die verlängerte Fragerunde förderte noch manchen interessanten Randaspekt zutage.

Raumnot der Betriebe

"Die Handwerker brauchen Flächen, aber die Stadt Bamberg hat keine", stellte Kreishandwerksmeister Manfred Amon fest. Viele Bamberger Handwerksbetriebe seien mittlerweile von Wohnbebauung umschlossen - und viele Nachbarn kommen nicht mit der Lautstärke in den Betrieben zurecht.Dem schloss sich Wolfgang Heim an, dessen Schlosserei nach Hallstadt aus Platzmangel abwandern musste. Und auch am zweiten Standort in der Gundelsheimer Straße werde es mittlerweile zu eng.
"Uns laufen die Betriebe weg", fürchtet Wirtschaftsreferent Stefan Goller.

Altlasten contra Trinkwasser

Die Möglichkeit, Lebensräume neu zu gestalten, sieht Beate Bugla von der Habitat Landschaftsplanung, die mit der ökologischen Bewertung zum Bebauungsplan beauftragt war. Der Plan sei immer wieder angepasst worden, wenn schützenswerte Flächen erkannt worden seien.
Eine Verbesserung der Trinkwasserqualität erhofft sich Stadtwerke-Chef Michael Fiedeldey durch die Beseitigung der Altlasten auf dem früheren Muna-Gelände. Da die Gewerbeflächen noch außerhalb der Wasserschutzzone 3 lägen, sieht er hier keine Beeinträchtigung der Wasserqualität.

Zehn Standorte geprüft

Zum Thema Polizei-Standort wiesen Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) und der oberfränkische Polizeipräsident Alfons Schieder darauf hin, dass man eine schnelle Lösung brauche und auf dem neuen Gelände neben der Verkehrspolizeiinspektion und der Polizeiinspektion Bamberg Land auch ein großes Trainingszentrum vereinen möchte. Es seien mehr als zehn Standorte geprüft worden, unter anderem in der Memmelsdorfer und in der Benzstraße. "Wir werden mit Sicherheit keine zwei Hektar brauchen", versprach Schieder. Zum Vorschlag, am bestehenden Standort Schildstraße zu erweitern, erklärte der Polizeipräsident: "Die Schildstraße haben wir schon durchdekliniert. Ich mag mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll."