Marie Antoinette ergreift das Wort: Die letzte Königin Frankreichs, die mit 14 Jahren heiratete und mit 37 unter der Guillotine starb - als "Geißel des Landes", ja "Blutsaugerin", wie es in der Anklageschrift hieß. Eine Begegnung mit Rosa Luxemburg steht an - der Revolutionärin, die nicht zuletzt in der Liebe eigene Wege wider der Moralvorstellung ihrer Zeit ging. Die Tragödie des wohl berühmtesten Liebespaares des Mittelalters steht im Blickpunkt. Und noch andere faszinierende Persönlichkeiten erleben Besucher des Brentano-Theaters ab 30. Januar mit dem Programm "Nimm meine Seele auf und trinke sie..."


Aus fünf Jahrhunderten

Romantische Briefe großer Frauen aus fünf Jahrhunderten stellt die Bamberger Schauspielerin Victoria Heinz in der Gartenstraße 7 vor, während Christina Triebener das Geschehen mit der Bratsche musikalisch umrahmt. Zurück bis ins 12. Jahrhundert führt die literarische Reise, die vergangene Träume, vergangenes Glück und Unglück aufleben lässt und damit jenseits des Mainstreams punktet. "Ja, unser Programm zeigt eine reiche und tiefgründige Gegenwelt zu der immer knapper und ausdrucksloser werdenden SMS- und Facebook-Kommunikationsrealität", meint Victoria Heinz.

Ganz bewusst rückt die Akteurin ausschließlich Frauen ins Rampenlicht, "nachdem in der Vergangenheit vor allem Männer zu Wort kamen", so die 27-Jährige. "Selbst die Tätigkeit von Schriftstellerinnen wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein als so anstößig empfunden, dass viele unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichten." Bis Ende des 19. Jahrhunderts sei die "weibliche Textform" somit der Brief gewesen "und vielfach die einzige Ausdrucksmöglichkeit, sich dem Geliebten ganz mitzuteilen", wie Victoria Heinz ausführt: "Eine Möglichkeit, sich dem Angebeteten zu schenken, zu versprechen, ihn zu verführen, zu halten oder um ihn zu ringen."


Heloisa und Peter Abaelard

Eines der großen Liebespaare der Geschichte steht zu Beginn unserer Zeitreise. Neun Jahrhunderte zurück führen die Briefe von Heloisa, einer der gebildetsten Frauen ihrer Zeit, an Peter Abaelard: Einen Vordenker der Aufklärung, der im Mittelalter auf Vernunft und Logik selbst in Glaubensfragen setzte. Wobei ihm die Liebe seines Lebens zum Verhängnis wurde. So sollte die Beziehung des streitbaren Philosophen zu seiner 17-jährigen Schülerin dramatische Folgen haben. Heloisas Onkel Fulbert, ein Geistlicher, ließ Abaelard von zwei Schergen überfallen und auf grausamste Weise entmannen. Woraufhin sich die beiden Liebenden, die ihrer Zeit weit voraus waren, für immer trennten: Héloïse wurde Nonne im Kloster Argenteuil und gründete später einen eigenen Frauenkonvent. Während Abaelard als Mönch in die Abtei Saint-Denis eintrat, schließlich aber als Lehrer nach Paris zurückkehrte, um seine theologischen Hauptwerke zu schreiben.

Mary Wollstonecraft widmet sich Victoria Heinz, die Leben und Lieben der englischen Schriftstellerin, Übersetzerin, Philosophin und Frauenrechtlerin des 18. Jahrhunderts beleuchtet. Als Verführerin kommt die französische Kurtisane und Salonière Ninon de Lenclos ins Spiel - eine herausragende Frau des 17. Jahrhunderts, die dank ihrer Klugheit und ihres Sprachwitzes am Hofe Ludwigs XIV. große Anerkennung fand. Der Komponistin Clara Schumann begegnet das Publikum, Bettine von Arnim, Charlotte Schiller, nicht zu vergessen Paula Modersohn-Becker: eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. "Lass Dir leise den Rotbart streicheln und empfange einen Kuss auf jede Wange und dann nimm meine Seele auf und trinke sie. Trinke sie in einem heißen Kuss der Liebe", schrieb Paula Modersohn-Becker an Otto Modersohn zu Beginn ihrer Beziehung. Wie aber verändert sich das Verhältnis des Paares im Lauf der Jahre: "Eine zunächst glühende und leidenschaftliche, tief innige Liebe wandelte sich, im Verlauf der Ehe, in eine stille Regression, einen inneren Rückzug bis hin zu einer Zeit der Trennung."


Werke von Bach und Schumann

Auf diese Weise blicken Victoria Heinz und Christina Triebener, die an den beiden Abenden Werke von Max Reger, Johann Sebastian Bach, Robert Schumann und anderen Komponisten spielt, in die Seele bedeutender Frauen. "Liebesbriefe gewähren ja einen höchst intimen Eindruck vom sonst verborgenen Gefühlsleben." Übrigens sind die Termine am Brentano-Theater nur Auftakt für weitere Aufführungen des Literatur-Programms an anderen Orten - romantischen Schlösser beispielsweise . . . Kontakt können Interessenten mit Victoria Heinz unter victoria-heinz@gmx.de aufnehmen.